Potsdam

Frauen in Brandenburg-Preußen

Begegnungen mit Königin Luise und Fontanes Frauenfiguren: Es gibt viele Gründe, auf Entdeckungsreise in das Brandenburger Land zu fahren. Das Jahr bietet einen zusätzlichen Anreiz, sich auf den Weg zu machen. Seit Anfang Mai locken über das gesamte Jahr an vielen Orten Frauenpersönlichkeiten unter dem Motto “Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg - Preußen“. Sie stehen im Mittelpunkt von Film-, Musik- und Theaterprojekten sowie Ausstellungen. Konzipiert und organisiert werden alle diese Veranstaltungen von dem Verein „Kulturland Brandenburg“, der sich auf kulturelle Netzwerke und auf die Hilfe des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes stützt. Ein Anstoß für dieses Projekt ist der 200. Todestag der Preußenkönigin Luise. Auf einer Stippvisite trifft man die Frauen überall, die Hauptfiguren dieses Themenjahres aus Vergangenheit und Gegenwart. Und sie präsentieren zugleich Reiseziele für den Touristen.

1. Station: Filmmuseum Potsdam - Die junge preußische Königin Luise

Im Unterschied zu vielen Ländern Europas haben deutsche Monarchen auf der Beliebtheitsskala keine vorderen Plätze besetzt. Eine Ausnahme ist die 1810 mit 34 Jahren jung verstorbene preußische Königin Luise. Das Filmmuseum Potsdam widmete ihr unter dem Titel „Luise. König der Herzen“ eine sehenswerte Ausstellung. Die Kuratoren haben das ehrgeizige Ziel erreicht, alle 24 Filme, in denen Luise auftritt und alle 15 Luise-Darstellerinnen chronologisch zu präsentieren

Luise-Filme keine Biographie: Es beginnt in der Kaiserzeit im Jahr 1913, als mit Unterstützung der kaiserlichen Familie Luise das erste Mal auf der Leinwand erschien. Gedreht wurde an originalen Schauplätzen, sodass diese Aufnahmen noch einen dokumentarischen Wert besitzen. „Doch insgesamt taugen alle Filme nicht als Luise-Biographie“, so dass Urteil des Kurators Guido Altendorf. Dennoch seien die Filme wertvoll und interessant, denn so Altendorf: „Dem Besucher wird ein Spiegelbild der Wahrnehmung deutschen Geschichte vorgeführt mit unterschiedlichen Wahrheiten. Die historische Figur der Luise war recht flexibel und wurde ungeniert benutzt.“

Die meisten Filme über Königin Luise wurden in den 20er Jahren gedreht und hatten im Grundtenor, das untergegangene Kaiserreich zu betrauern. Traurige Berühmtheit erlangte der 1945 produzierte Durchhaltefilm der UFA „Kolberg“. Hier trat Luise in einer Szene als göttliche Erscheinung auf. Die Karriere der historischen Figur Luise setzte sich mit der Schauspielerin Ruth Leuwerik in den 50er Jahren der jungen Bundesrepublik fort. Auch darf die preußische Königin in einem historischen Film-Mehrteiler aus DDR-Produktion als streitbare, widerborstige und emanzipierte Frau auftreten, gespielt von Regina Beyer. Die aktuellste Produktion wurde vom NDR und Arte 2009 gedreht und lief Anfang dieses Jahres über den Sender. Natürlich gibt es auch zum Teil ausgiebige Kostproben aus den Filmen zu sehen sowie Kostüme und Requisiten zu betrachten. www.filmmuseum-potsdam.de  

Pauschalangebote für Familien: Parallel zur Entdeckungsreise von Kulturland hat sich zur diesjährigen Saison der Potsdam Tourismus etwas für Familien einfallen lassen. In den Sommerferien kann man die Pauschale „Sommerresidenz Potsdam“ buchen. Sie beinhaltet drei oder vier Übernachtungen in einem Hotel der Wahl mit Halbpension, spezielle Familienangebote wie Leihfahrräder oder Touren mit dem Wassertaxi. Attraktiv sind auch betreute Freizeitprogramme für Kinder und Jugendliche. Ohne die Kinder im Schlepptau kann dann der Besuch im Filmmuseum durchaus Überlänge bekommen. www.potsdam-tourismus.de   

2. Station: Schloss Paretz

 

Die Sommerresidenz in Paretz für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm und seine Gemahlin Luise  

Wer mehr von der preußischen Königin Luise im Original erfahren will, sollte sich unbedingt auf den Weg nach Schloss Paretz machen. Hier hat Kronprinz Friedrich Wilhelm und seine Gemahlin 1797 ein Haus gekauft und von David Gilly als Sommerresidenz mit drei Gärten umbauen lassen. In diesem Schloss konnte das Paar vor seinen repräsentativen Aufgaben in Berlin und Potsdam flüchten.  

Die Kleider der Königin: Jetzt ist hier auf tausend Quadratmetern Ausstellungsfläche die Garderobe und der Schmuck der modebewussten Königin Luise zu bestaunen, „alles Originalkleider, die von der Königin getragen wurden“, betont Kuratorin Dr. Bärbel Hedinger. Prachtvolle Tages- und Abendkleider sowie Reitkostüme sind in der Ausstellung ebenso zu finden wie seidene Hüte, bunte Kaschmir-Schals, kostbare Schmuckstücke und die geheimnisvolle weiße Kinnbinde. Außergewöhnlich sei es auch, die Kleider in den historischen Räumen zu zeigen, so Hedinger.

Allerdings räumen die ausgestellten Kostbarkeiten auch mit der Legende auf, die preußische Königin sei bescheiden und schlicht in ihrem Hofstaat und habe ausschließlich an das Wohl ihrer Untertanen gedacht. Die junge Königin war dank der Lektüre internationaler Modejournale bestens über aktuelle Modetrends informiert und hatte für den Kleiderluxus aus Frankreich und Italien die damals immense Summe von 15.000 Reichstalern jährlich zur Verfügung. Die Ausstellungsmacher sehen in der Königin die modebewusste Schönheit ihrer Epoche repräsentiert und glauben, dass ein Vergleich mit Lady Di als einer modernen Ikone nicht schwer fällt.  

Galawagen der preußischen Könige: Als ein Teil der Ausstellung „Luise. Die Kleider der Königin“ ist auch der Staatswagen Friedrich Wilhelm II. zu besichtigen, der wichtigste Wagen des preußischen Könighauses. Der Galawagen, gebaut 1789, ursprünglich vergoldet, war Teil des Brautinventars der Königin Luise. Die edle Kutsche, gezogen von acht Pferden, war insgesamt nur sieben Mal unterwegs, davon wurde fünf Mal eine so genannte Brauteinholung absolviert, darunter auch Luise bei ihrer Hochzeit im Jahr 1793 mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm.

Die Ausstellung im Schloss Paretz ist bis zum 31. Oktober geöffnet. www.spsg.de  

Übernachtung im Storchenhof: Begibt man sich auf die Route von Kulturland Brandenburg zum Schloss Paretz, dann lohnt es auch, hier im Ort Station zu machen. Nur 200 Meter vom Schloss entfernt befindet sich der Erlebnisbauernhof Storchenhof Paretz mit einer langen Geschichte. Ursprünglich war das Anwesen ein Teil der historischen Dorfanlage, die das junge preußische Königspaar von ihrem Baumeister David Gilly errichten ließ. Um die Jahrhundertwende wurden mit dem aufkommenden „Luisen-Kult“ viele Gasthöfe errichtet, darunter auch der Storchenhof. Im Jahr 2007 wurde der heute vollständig denkmalgeschützte Hof von der Familie Claudia und Markus Hipp aus Süddeutschland neu errichtet. Hier gibt es auch zwei Ferienwohnungen für 2 bis 4 und für 4 bis 14 Personen. www.storchenhof-paretz.de  

3. Station. Fontanes Frauen in Neuruppin 

Eine weitere Station von Kulturland Brandenburg auf der Spur von Frauen in Brandenburg Preußen ist Fontanes Heimatstadt Neuruppin. Die erstmals vom 20. bis 24 Mai dieses Jahres veranstalteten Fontane-Festspiele haben noch ihre Spuren hinterlassen. Beispielsweise von einer Multimediainstallation, die den anspringenden Titel trägt: „Sie alle haben einen Knax – Fontane und die Frauen.“ Sie ist derzeit auf dem Karl-Kurzbach-Platz und noch bis Ende Juni auf wechselnden Orten im Stadtraum von Neuruppin zu sehen. Ausgangspunkt dieses Projektes ist die Idee des Netzebander Theatermachers Frank Matthus, - übrigens auch künstlerischer Leiter der gesamten Festspiele -, eine audiovisuelle Installation einzurichten.  

Fontanetexte zu Frauenporträts von heute: Zu einem Dutzend überdimensionaler schwarz-weiß Plakate mit Foto-Porträts von Frauen aus der Gegenwart sind gelesene Texte aus Fontanes Werken über Lautsprecherboxen zu hören. Die Schicksale und Sehnsüchte der Frauen in den Romanfiguren laufen 210 Minuten in der Endlosschleife. Fontanes Frauen haben einen Knax, wie der Ausstellungs-Titel signalisiert,   weil sie sich gegen Althergebrachtes auflehnen im Privaten und in der Gesellschaft.

Wie allerdings Theodore Fontane, der als Denkmal in der Karl-Marx-Straße leger auf einer Bank sitzt, diese Idee einer Installation in seiner Geburtsstadt empfinden würde, ist schwer zu sagen. Zu seinen Lebzeiten fand er für Neuruppin viel Kritik und Spott und seufzte „…wie spießbürgerlich war mein heimatliches Ruppin.“, einer der Orte, “an denen die Langeweile ihre graue Fahne schwingt.“ Die Festspiele, die seinen Namen tragen, und eine Reihe solcher spannender Projekte über seine Romanfiguren hervorbrachten, würden ihn vielleicht etwas besänftigen. www.fontane-festspiele.com  

Bauingenieurin Lettow und ihr Up-Hus: Fontanes Frauenfiguren Effi, Stine oder Cècile sind aber nicht nur per überdimensionalen Fotos im Märkischen zu entdecken. Nahe der Neuruppiner Seepromenade befindet sich das älteste erhaltene Fachwerkhaus von Neuruppin inmitten der historischen Altstadt - das Up-Hus. Im Jahr 1990 hat die gebürtige Neuruppinerin und studierte Bauingenieurin Gabriele Lettow das zerfallene Haus gekauft. Dann begann der mühevolle Kampf, um dieses historische Denkmal zu erhalten und zu nutzen. Zuerst entstanden ein Restaurant, schon bald eine noble Adresse mit guter Küche in der Stadt und dann ein Hotel mit heute 18 Zimmern. Gabriele Lettow sitzt an einem Tisch in ihrem Restaurant, lacht gern und laut und erzählt traurig schöne Anekdoten über ihre Baustellen und den Denkmalschutz. Wenn man sie hört, könnte hier auch eine Urenkelin der kraftvollen charakterstarken Frauenfiguren Fontanes reden. www.up-hus.de 

Kreuzfahrten zu Wasser und zu Lande

 

Das neue Hotelschiff des Seehotels Fontane Neuruppin (im Vordergrund) 

Für die Übernachtung in Neuruppin ist das Resort Mark Brandenburg mit seinem Seehotel Fontane die erste Adresse. An einem der schönsten Plätze der Stadt direkt am Neuruppiner See gelegen, kann die Fontane-Therme mit eigenem Thermalwasser und einer schwimmenden Seesauna aufwarten. Besonders stolz ist Hotel-Direktorin Martina Jeschke auf ihr neu angeschafftes Hotelschiff „MS Fontane“ mit 40 Plätzen. Es liegt direkt am Steg vor der Haustür und lädt seit Mai zu Rundfahrten auf dem Ruppiner See ein. Außerdem wird das Resort zum Heimathafen für „Kreuzfahrten zu Lande.“ Hotelgäste können in luxuriösen „Aaglander“-Kutschen (vorgestellt auf dem Genfer Auto-Salon 2005 als technische Innovation) mit einer Wohlfühlgeschwindigkeit von zehn km/h über Feld- und Waldwege fahren. Gelenkt wird die Motorkutsche über lederbezogene, starre Lenkstangen, die so genannten Leinen. Der Chauffeur heißt standesgemäß Leinenführer und Gäste mit PKW-Führerschein dürfen auch selbst kutschieren. www.seehotel-fontane.de  


Ronald KeuschEin Beitrag für ReiseTravel von Ronald Keusch,

 

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