Wiepersdorf

Kunst und Leben – Leben und Kunst

Ausstellung zur Urenkelin des Dichterpaares der Romantik: Schloss Wiepersdorf gewährt Einblicke in Leben und Werk der Malerin Bettina Encke von Arnim. Sie ist die Urenkelin von Bettina und Achim von Arnim, dem berühmten Dichterpaar der Romantik, und wäre am 3. Mai 120 Jahre alt geworden: Bettina Encke von Arnim. Jetzt wird der Malerin eine umfangreiche Ausstellung auf Schloss Wiepersdorf in Brandenburg gewidmet. Zahlreiche Ölgemälde, Aquarelle und historische Dokumente wurden eigens für die Schau in Deutschland und Europa zusammengetragen. Sie gewähren faszinierende Einblicke in die Kunst und das bewegte Leben der engagierten Antifaschistin, deren Schicksal eng mit den Kriegsereignissen des vergangenen Jahrhunderts verbunden war. Die Ausstellung wird am 9. Mai 2015, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, eröffnet.

Mit Schloss Wiepersdorf südlich von Berlin wird die Exposition an dem Ort gezeigt, der als Familiensitz der von Arnims eine jahrhundertelange Tradition hat. Bettina Encke von Arnim erlebte hier im April 1945 die Besetzung des Anwesens durch die Rote Armee. Bereits 1943 war sie vor den Flächenbombardements aus Berlin dorthin geflohen. In den Jahren zuvor, nach der Machtergreifung Hitlers, hatte die Malerin sich gemeinsam mit ihrem Ehemann für verfolgte und diffamierte Freunde eingesetzt. Die Enckes versteckten sie in ihrer Berliner Wohnung und auf Schloss Wiepersdorf, so etwa den als „entartet“ verfemten Bauhauskünstler Fritz Kuhr und den jüdischen Politiker Iwan Katz.

Katz war es wiederum, der die Künstlerin persönlich unterstützte, als sie sich nach Kriegsende für den Erhalt des geplünderten und durch Abriss bedrohten Schlosses stark machte. Sogar zeitweilig inhaftiert, gelang es der inzwischen Verwitweten, den Erhalt von Schloss Wiepersdorf als Stätte für Schriftsteller in der Tradition ihrer Urgroßeltern maßgeblich mit auf den Weg zu bringen.

Fehldiagnose fesselt die Malerin anderthalb Jahre ans Bett

Zu den einschneidenden Ereignissen in der Biografie Bettina Enckes gehört ein Sanatoriumsaufenthalt Anfang der 1950er-Jahre. Entsprechend der damaligen medizinischen Lehrmeinung wurde die Malerin mit einer 18-monatigen Ruhigstellung der Wirbelsäule therapiert. Zuvor hatte man bei ihr Knochentuberkulose festgestellt. Um ihre künstlerische Arbeit liegend in einer Gipsschale fortführen zu können, ließ Encke sich ein Betttischchen anfertigen. In dieser Zeit entstanden neben diversen Zeichnungen auch Bilder aus aufgenähten Flicken. Erst unmittelbar vor ihrer Entlassung erfuhr die Künstlerin, dass sie die belastende Behandlung aufgrund einer Fehldiagnose vollkommen unnötig auf sich genommen hatte.

Werk von intensiver Farbigkeit

Trotz vieler Schicksalsschläge bewahrte sich Bettina Encke von Arnim ihr positives Naturell, das sie auch in ihrem Œuvre transportierte. Keine Düsternis, sondern intensive Farben prägen den Charakter ihrer Arbeiten. Ausgebildet unter anderem von Johann Walter-Kurau sowie den Berliner Secessionisten Leo von König und Martin Brandenburg und beeinflusst von Kubismus und Expressionismus, malte Encke bevorzugt Porträts und Landschaften. Neben Aquarell- und Ölfarben experimentierte sie mit unterschiedlichen Materialien und fertigte zahlreiche Collagen an.

Ein Vermögen für Japanpapier, zerrissen

Zwei Jahrzehnte habe sie damit zugebracht, in Archiven zu recherchieren und künstlerische Arbeiten, Fotos und Briefe zusammenzutragen, sagt Petra Heymach. Für die Kuratorin der Ausstellung bleibt der Aufwand gewissermaßen in der Familie: Heymach ist ebenfalls eine Nachfahrin derer von Arnims und die Enkelin der Künstlerin. Für die Ausstellung hat sich Heymach auf die Spuren ihrer Großmutter begeben: durch Deutschland und in die Bodenseeregion, wo Bettina Encke von Arnim ihre kreativste Schaffenszeit in ihren letzten zwei Lebensjahrzehnten verbracht hatte. Durch Frankreich bis in den Süden, wohin ihre Oma einst Studienreisen unternommen hatte.

Heymach verbindet noch lebhafte Erinnerungen mit ihrer Großmutter, die 1971 starb: „Bettina Encke war eine sehr humorvolle, zugewandte Person, aber als Kinder haben wir auch gemerkt, dass sie anders als andere Omas ist.“ So konnten die Enkel beispielsweise nicht begreifen, dass sie scheinbar ein Vermögen für Japanpapier ausgab, das kostbare Material dann aber zerriss, um es in Collagen zu verarbeiten, schmunzelt Heymach.

Weitere Ausstellungsorte sind geplant

Das Verdienst der Ausstellung und der Kuratorin ist es, erstmals nach der letzten Retrospektive in Nürnbrecht im Jahr 1992 nicht nur eine ganz persönliche Hommage, sondern auch eine umfassende künstlerische und biografische Bestandsaufnahme zu Bettina Encke von Arnim präsentieren zu können. Unter den Leihgaben sind auch zwei Porträts, die die Malerin vor 1945 anfertigte und die sich heute in der Sammlung der Klassik Stiftung Weimar befinden. Sie gelangten nach 1950 im Zuge der Enteignung nach Thüringen.

Anhand der gezeigten Werke, historischen Dokumente und in Hörstationen spannend aufbereiteten Inhalte können Besucher der Schau in authentischer Umgebung in die Lebensgeschichte der Künstlerin eintauchen. Im Anschluss an die Wiepersdorfer Station vom 9. Mai bis 20. Juni 2015 sind weitere Ausstellungsorte in Deutschland in Planung. Es erscheint ein reich bebilderter Katalog.

ReiseTravel Service: 9. Mai – 20. Juni 2015, Kunst und Leben – Leben und Kunst. Bettina Encke von Arnim Ausstellung im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, Bettina-von-Arnim-Straße 13, D-14913 Wiepersdorf.

Öffnungszeiten

Do – So und an Feiertagen. 13.00 – 16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf und des Freundeskreises Schloss Wiepersdorf – Bettina und Achim von Arnim Museum e. V. sowie mit besonderem Dank an Ortrud Heymach, Tochter der Künstlerin, und Ingo Erhart. Es erscheint ein reich bebilderter Katalog.

Das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf in Brandenburg ist der ehemalige Wohnsitz des berühmten Dichterpaares der Romantik, Bettina und Achim von Arnim. Das in der Trägerschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stehende Anwesen wird heute nicht nur im Rahmen von Künstlerstipendien mit Leben gefüllt, sondern es bietet auch ein vielfältiges Kulturprogramm. Das Bettina und Achim von Arnim Museum, wechselnde Ausstellungen sowie Konzerte, Führungen und andere Veranstaltungen machen das in reizvoller Parklandschaft gelegene Schloss zu einem beliebten Ausflugsziel. www.schloss-wiepersdorf.de 

Dr. Britta Grigull, artgenossenberlin communications & consulting

fon +49 (0)30.74 78 77 73, presse@artgenossen-berlin.de

Sehr geehrte ReiseTravel User, Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

ReiseTravel Suche

nach oben