Istanbul

Der türkische Staat greift härter durch: Ist Glücksspiel in der Türkei künftig noch erlaubt?

Glücksspiel ist und bleibt eine rechtliche Grauzone: Vor allem mit dem immer stärker florierenden Online-Glücksspiel ist die Regulierung zu einem komplexen Thema geworden. Innerhalb der EU sollen einheitliche Regelungen zum Glücksspielrecht ein gewisses Maß an Schutz durch staatliche Aufsicht gewähren. Aber auch andere europäische Länder kämpfen darum, das schwierige Thema unter Kontrolle zu bekommen. Der türkische Staat möchte jetzt noch stärker regulierend eingreifen.

Der türkische Staat scheint sich vorgenommen zu haben, das Glücksspiel innerhalb der eigenen Landesgrenzen deutlich stärker zu regulieren. Bereits zu Beginn des Jahres gab es zahlreiche staatlich gesteuerte Aktionen, die der Verbreitung und dem Betreiben von Glücksspiel konsequent entgegenwirken sollten. Mehr als 200 Personen sind in der ersten Jahreshälfte 2019 wegen illegalen Glücksspiels verhaftet worden, so berichtet das Online-Magazin hurriyet.de. Angeblich sollen sogar 384 Haftbefehle vorgelegen haben.

Darüber hinaus gab es erfolgreiche Schläge gegen Scheinunternehmen und es konnten große Summen von Bargeld von den Behörden beschlagnahmt werden. Insgesamt 77 Einrichtungen, in denen illegales Glücksspiel angeboten wurde, haben die Staatsbeamten geschlossen. Vor allem im Bereich von illegal angebotenen und durchgeführten Sportwetten wurde der Staat damals tätig. Medien zufolge handelte es sich dabei um die größte staatlich geführte Aktion gegen illegales Glücksspiel in der Geschichte der Türkei.

Auf diesem Erfolg wollen sich die staatlichen Behörden aber nicht ausruhen und planen, das Vorgehen gegen illegales Glücksspiel in der Türkei weiter zu verschärfen. Das hat zu großen Unsicherheiten innerhalb der Bevölkerung gesorgt. Sowohl Einheimische als auch Touristen fragen sich, welche Maßnahmen der türkische Staat künftig ergreifen möchte, und, wodurch es dann möglich sein wird, sich nach geltendem türkischem Recht strafbar zu machen.

Glücksspiel in der Türkei

Wird Glücksspiel in der Türkei künftig noch möglich sein?

Glücksspiel ist in der Türkei ebenso beliebt wie umstritten. Bis in die 90er Jahre hinein war Glücksspiel aller Art in der Türkei äußerst beliebt. Viele türkische Staatsbürger, aber auch zahlreiche Touristen, wagen auch heute noch gerne ab und zu ein Spielchen in, Wettbüros, Sportsbars und den staatlich betriebenen Casinos angeboten werden.

Dabei ist fast jede Art von Glücksspiel in der Türkei seit 1998 verboten. In diesem Jahr untersagte der Staat das landbasierte Glücksspiel vollständig. 2007 wurde das staatliche Verbot auch auf Online-Glücksspiele erweitert. Wirklich legal ist in der Türkei deshalb aktuell nur die staatliche Lotterie, die Milli Piyango, die seit 1. Juni 1993 gespielt werden kann. Das Monopol auf die Lotterie liegt derzeit noch komplett beim Staat. Es wird allerdings schon seit längerer Zeit vermutet, dass der türkische Staat einen Teil der Einnahmen aus der Lotterie zur Finanzierung staatlicher Projekte verwendet und deshalb mehr oder wenige aktiv auf der Suche nach einem oder mehreren solventen Investoren ist.

Der erbittertste Gegner des Glücksspiel in der Türkei ist die die muslimische Religion. Der Glaube betrachtet das Glücksspiel äußerst kritisch oder sogar ablehnend, die Gläubigen selbst lieben den Reiz von Glücksspielen jeglicher Art dagegen ebenso sehr wie Angehörige anderer Religionen und Nationalitäten. Religion und Gesellschaft geraten deshalb immer wieder in Konflikt miteinander, wenn es um die Legalisierung oder das endgültige Verbot von Glücksspielen geht.

Ein besonderer Dorn im Auge von Religion und Staat waren bisher Sportwetten. In der Türkei sind Pferdewetten besonders beliebt, grundsätzlich allerdings illegal oder zumindest in einer äußerst umstrittenen rechtlichen Grauzone. Derzeit steht von Seiten des Staates verschiedenen Quellen zufolge wohl die Option im Raum, Sportwetten zumindest in Teilen zu verstaatlichen. Aufgrund der enormen Beliebtheit, der sich die Sportwetten aller Art erfreuen, wäre dies eine äußerst attraktive Einnahmequelle für den Staat, durch die gleichzeitig eine stärkere Reglementierung dieses umstrittenen Bereiches erfolgen könnte.

Eine staatliche Einrichtung gibt es bereits, über die Sportwetten legal platziert werden können. IDDAA ist nicht nur innerhalb der Landesgrenzen der Türkei bekannt, sondern auch international tätig. Ob und in welcher Form Sportwetten künftig darüber hinaus aus staatlicher Hand angeboten werden sollen, ist bislang allerdings nicht aus offizieller Stelle bekannt geworden.

Online-Glücksspiel hat weiterhin schlechte Karten

Einer der Hauptgegner, dem der türkische Staat auch weiterhin erbittert den Kampf angesagt hat, ist das Online-Glücksspiel. In der schwer zu regulierenden rechtlichen Grauzone werden Milliarden umgesetzt. In der Türkei ist Online-Glücksspiel allerdings grundsätzlich illegal.

Schon vor einiger Zeit haben die türkischen Behörden deshalb die Einheit Cybercrime ins Leben gerufen, die zahlreiche Institutionen und Anbieter überprüft. Die Einheit war auch an den Verhaftungen und Strafverfolgungsaktionen zu Beginn des Jahres maßgeblich beteiligt. In Zukunft solle sie verstärkt Überprüfungen von Anbietern von Online-Glücksspielen und Glücksspielen im Allgemeinen durchführen und bei der Feststellung jeglicher illegaler Tätigkeiten mit staatlicher Befugnis durchgreifen dürfen. Immerhin ist das Online-Glücksspiel nach türkischem Recht bereist seit 2007 vollumfänglich verboten, wenn auch aufgrund des Verschwimmens von Landesgrenzen und Zuständigkeiten deutlich schwerer zu regulieren. Trotzdem dürfte es für Betreiber von Online-Casinos und andere Anbieter illegalen Glücksspiels in der Türkei in Zukunft recht ungemütlich werden.

Glücksspiel in der Türkei

Derzeit sorgen Webseitensperren von staatlicher Seite dafür, dass türkischen Staatsbürgern der Zugriff auf Online-Casinos erschwert wird. Außerdem werden auf einschlägigen Seiten Hinweise darauf eingeblendet, dass der Besuch der Seite und die Teilnahme am dort angebotenen Glücksspiel nach türkischem Recht verboten ist. Die immer umfangreicheren Maßnahmen des türkischen Staates haben dazu geführt, dass Zugriffe auf Glücksspielseiten aus der Türkei heraus deutlich eingeschränkt sind. Viele Online-Glücksspielanbieter akzeptieren türkische Spieler nicht mehr und verwehren ihnen den Zugang. Vor allem in der rechtlichen Grauzone der illegalen Online-Glücksspiele wird die Nutzung durch türkische Staatsbürger allerdings auch langfristig schwer vollständig zu verhindern sein.

Touristen könnten auch ins Visier der Ermittlungen geraten

Nicht nur türkische Staatsbürger schauen zum Teil mit großem Interesse auf die Entwicklungen, die die staatliche Verfolgung von Glücksspielen in den nächsten Wochen und Monaten nehmen wird. Auch Touristen sind unsicher geworden, ob sie mit einem kleinen Spielchen im Urlaub künftig mit den türkischen Behörden in Konflikt geraten könnten. Immerhin hat die Türkei in den vergangenen Monaten im touristischen Bereich ein erfreuliches Comeback erlebt und viele Urlauber entscheiden sich wieder für eine Reise in das Land am Bosporus. Umso drängender ist die Frage, wie sich das türkische Glücksspielrecht auf Urlauber auswirken könnte.

Bisher galten die Ermittlungen und die strafrechtlichen Aktionen der türkischen Behörden ausschließlich den Veranstaltern von landbasiertem Glücksspiel und Online-Glücksspielen. Betreiber von illegalen Wett- und Spieleinrichtungen standen im Fokus der Bemühungen, das Glücksspiel innerhalb der Türkei bis auf die wenigen staatliche geführten Einrichtungen auszumerzen. Mit den erweiterten Bemühungen des Staates kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass auch Spieler und damit auch Touristen aus dem Ausland mit dem türkischen Gesetz in Konflikt geraten könnten, wenn sie des illegalen Glücksspiels überführt werden. Es ist mit empfindlichen Strafen in Form von Bußgeldern zu rechnen.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Martin Schneider. (Fotos: lechenie-narkomanii (CCO-Lizenz) pixabay.com und besteonlinecasinos pixabay.com

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