Hornisgrinde

Die Hornisgrinde lockt nicht nur mit wunderschönen Wanderungen und traumhaft schönen Sonnenuntergängen

Der höchste Gipfel im Nordschwarzwald befindet sich 1.164 Meter hoch über dem Meeresspiegel und wer von hier den Blick schweifen lässt, „sieht auf der westlichen Seite weit über die Rheinebene bis zu den Vogesen und kann auf der östlichen Seite über den gesamten nördlichen Schwarzwald schauen“, erklärt Friedrich Wein. „Wir haben Glück, denn nach dem Regen haben wir klare Sicht.“ Und tatsächlich, der Regen hat den dichten Nebel aufgelöst und nun schaut die Sonne hinter den Wolken hervor. 

Im Schwarzwald zeigt sich das Hochplateau erst im Nebelgrau mystisch und geheimnisvoll, dann als sonnenüberfluteter Aussichtspunkt. Der Name, der sich aus den Begriffen Horn, miss und grind ableitet, bedeutet so viel wie ein „kahler Bergrücken, der auf seiner Höhe ein Moor trägt.“ Diese Beschreibung passt auf den Gipfel, auf dem keine Bäume stehen, aber mit seiner Moorlandschaft viele Wanderer und Entdecker bezaubert, denn seit 1999 ist die Grinde wieder öffentlich zugänglich. 

Die „Grinde“ – so wird der Höhenrücken im lokalen Sprachgebrauch genannt – war sechs Jahrzehnte lang ein Sperrgebiet und verwehrte sowohl Einheimischen als auch Gästen durch Stacheldraht den Zutritt. Das weckte die Neugierde von Friedrich Wein, der mittlerweile auf dem beliebten Ausflugsziel wissenswertes aus der Zeit des Kalten Krieges berichtet. Mit dem 2. Weltkrieg beginnt auf der Hornisgrinde die 60-jährige Wehrgeschichte. Der Schwarzwaldberg wurde von der Deutschen Wehrmacht auserkoren, um eine Flugabwehrbatterie zu installieren und ein unauffälliger Eingang, der direkt gegenüber der Grindehütte zu sehen ist, führt in einen Bunker, in dem die Überreste aus der Wehrgeschichte auf der Hornisgrinde zu sehen sind.

Friedrich Wein Hornisgrinde

Bunkerführung

„Das ist der nun der Bunker“, erklärt Friedrich Wein und dreht sich nur wenige Meter unter der Erdoberfläche um die eigene Achse. „Groß ist er nicht. Der Bunker hier war zwar Bestandteil der Westbefestigungen, aber nicht des Westwalls.“

Gespannt lauscht eine Gruppe interessierter Gäste den Ausführungen des Experten, der sein Wissen gerne vermittelt, die Bildergalerie im Bunker erläutert. „Die riesigen Satellitenschüsseln auf dem Foto belegen die Nutzung der Hornisgrinde als Nachrichtenstützpunkt“, so Wein, der im selben Atemzug hinzufügt: „Das war einer der größten französischen Nachrichtenstützpunkte außerhalb von Frankreich, denn in einer Zeit ohne Gespräche zwischen Ost und West  reichten die Ohren des französischen Geheimdienstes von hier bis zum Ural.“ 

Im April 1945 hatte die französische Armee den Gipfel übernommen und danach über mehrere Jahrzehnte hinweg zur Nachrichtenermittlung genutzt.

„Wir stehen hier im französischen Bunker, der Mitte der 1950-er Jahre erbaut wurde.“ Ein Raunen geht durch die Gruppe, denn warum war der Bunker von der französischen Armee erbaut, wenn bereits zuvor die deutsche Wehrmacht diese Höhenlage für sich auserkoren hatte?

Und tatsächlich gab es auf der Hochfläche verteilt zwischen dem großen und dem kleinen Sandsteinturm fünf Bunker, von denen heute aber nur noch der französische Bunker mit dem unauffälligen Eingang direkt gegenüber, der Grindehütte erhalten ist.

„Das Gebäude hält sich, auch wenn es heute nass im Bunker ist“, berichtet Wein, der den regenreichen Sommer dafür verantwortlich macht. „Wir haben hier ein Hochmoor und da drückt das Wasser ins Gebäude.“ Und eben mit diesen Naturbegebenheiten hat sich das schwere Gerät der Deutschen Wehrmacht nicht vertragen. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs starteten die Bauarbeiten für eine Luftverteidigungszone West. Dazu wurde zwar eine Ringstraße und eine mit schweren Geschützen bestückte Flugabwehrstellung auf der Hornisgrinde gebaut, aber schon wenige Wochen nach Fertigstellung im Spätsommer 1939 wieder aufgegeben. Der Grund dafür war die Wetterlage.

„Zu einem aktiven Einsatz ist es hier oben nie gekommen“, berichtet Wein, der auch Auskunft darüber gibt, dass es in dieser Zeit mit 65 Prozent so viele Nebeltage gab, dass die Sichtweite unter 100 Meter blieb. Danach nutzte die Wehrmacht den strategisch günstig gelegenen Bergrücken, um Jagdflugzeuge per Richtfunk zu leiten. „Aber hier ist niemand gelandet, es gab keinen Flugplatz auf der Hornisgrinde“, erklärt Wein, der sich als Architekt mit der gesamten Anlage beschäftigt hat. Während nach 1999 umfangreiche Maßnahmen durchgeführt wurden, um die Bauwerke beider Zeitepochen möglichst spurlos zu beseitigen, gelingt es Wein durch unendlich viele Gespräche auch unbekanntes Bildmaterial zutage zu fördern.

Heute gilt der Bunker als Erinnerungsort des Kalten Krieges, der Bildmaterial zur Wehrgeschichte zeigt.  Ab einer Gruppengröße von 10 Personen sind  Sonderführungen möglich. Auskunft unter Tel. 07486-964434.

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Sabine Zoller.

Sabine Zoller by ReiseTravel.euSabine Zoller lebt im Schwarzwald. Als freie Journalistin schreibt sie für verschiedene online Portale, Magazine und Tageszeitungen. Kultur,  Handwerk und Brauchtum fasziniert Sie ebenso wie gute Küche und Natur. Ihre Berichte beschäftigen sich mit historisch attraktiven Themen, landschaftlich reizvollen Regionen und lukullisch attraktiven Stationen und machen Lust auf Reisen.

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