Dijon

Zwischen den schönsten Meilensteinen vergangener Epochen in der Region

Die ersten Gedanken an die Region Burgund-Franche-Comte ranken sich unweigerlich um die begehrten Rebenpflanzen, die in leuchtendem Rot in den Gläsern der Gourmets gegossen werden. Das hat seine Berechtigung, wie die Blicke über die Weiten der Landschaft zeigen. Wie Pilze auf den grünen Weiden unterbrechen dann aber auch Meilensteine die Sicht, die Vergangenheit und Schönheit auf einen Nenner bringen: Schlösser und Burgen sind mit Frankreich und dessen Regionen untrennbar verbunden. Sie dokumentieren die Hierarchie vergangener Jahrhunderte, waren Wehrburgen, Adelssitze und sind auch heute noch architektonische Highlights, indem sie mehr oder minder liebevoll gepflegt, erhalten und auch restauriert werden.

Dijon Burgund Franche Comte

Auf dem malerischen Gelände des Château de Saint-Fargeau finden regelmäßig mittelalterliche Spektakel statt, deren Erlös zum Erhalt des Schlosses beitragen

Um in einer Burg tätig zu sein, muss man sich aber nicht unbedingt mit einem gegebenen Gebilde aus der Vergangenheit beschäftigen. Einen recht ungewöhnlichen Weg gehen die Beschäftigten auf der Burg Guédelon.

Diese Burg, die erst seit 1997 nach einem Plan aus dem Ideenfundus von Philipp II. August konzipiert ist, entsteht ganz langsam durch die über hundert Handwerker und Freiwilligen auf dem Gelände. Dabei werden lediglich Baustoffe verwendet, die auch im 13. Jahrhundert bei der Entstehung von Burgen eingesetzt wurden.

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Hein ist einer der freiwilligen Bauarbeiter auf dem Gelände von Guedelon. Die Burganlage hinter ihm soll in zwei Jahren fertiggestellt sein

„Wir haben auf dem Gelände viele Menschen, die in ihrem Handwerk wieder bis zu den Ursprüngen gehen, um es gründlich zu erlernen“, erzählt Hein, der vor einigen Jahren aus, den Niederlanden auf die Baustelle kam, um dort, wie seine burgbegeisterten Mitstreiter von den Eintrittsgeldern der Besucher dieser faszinierenden Baustelle, zu leben. Ein Berufsleben, das von den Entbehrungen technischer Möglichkeiten geprägt ist, die heute auf jeder Baustelle selbstverständlich sind.

Seilzüge, die durch überdimensionale Hamsterräder bedient werden, in denen zwei Mitarbeiter laufen, befördern die handbearbeiteten Steine in die Höhe, um die Türme zu errichten. Zimmerer und Tischler schwitzen mit historischen Äxten in der Hand, um die Balkenlagen passend ineinander zu fügen.

Seiler, Ziegler und Schmiede sorgen für Materialnachschub, um die Anlage nach knapp einem Vierteljahrhundert weiter wachsen zu lassen. Eine imposante Baustelle, die Besucher für Stunden um Jahrhunderte zurückversetzt. Berufsstände erhalten auf den wenigen Hektar Baugelände eine Renaissance, wobei die Anlage 2023 fertiggestellt sein soll. Aber der Plan des Betreibers Michel Guyot ist nicht das erste Mal verschoben worden.

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Die ursprüngliche Burg von Chateauneuf wurde später zum Schloss umgebaut, das heute der Region Burgund gehört

Imposanter und bereits seit dem 10. Jahrhundert fertig ist die Schlossanlage Saint-Fargeau ganz in der Nähe. Selbstverständlich wurde das Château St. Fergeau in den vielen Jahren bis heute einige Male umgebaut, umgenutzt und so renoviert, dass es heute als Relikt französischer Monarchie von der teilweise recht verschwenderischen Vergangenheit zeugt. Auch dieses Schloss mit dem 120 Hektar großen Park befindet sich seit 1979 im Eigentum von Michel Guyot. Der Familie Guyot ist es zu verdanken, dass ein Großteil der 365 Zimmer des Schlosses in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt und restauriert wurden. Allein die Dachfläche musste mit zwei Hektar Schieferplatten versehen werden, um den Regen nicht in das Gemäuer zu lassen, in dem heute Veranstaltungen unterschiedlicher Größenordnung stattfinden. Überregionales Interesse weckt das Château de Saint Fargeau durch seine historischen Shows mit hunderten von Komparsen für die mittelalterlichen Spiele.

Neben den Schlössern und Burgen der Region um Dijon zählen auch die religionsbezogenen Bauten zu den viel bewunderten Monumenten der Gegend. Die Abtei von Reigny in der Nähe von Vermenton war noch vor wenigen Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben, bevor sie von Beatrice Mauvais und ihrer Familie für einen symbolischen Preis erworben wurde, um sie in regelmäßigen Abständen zu einem idyllischen Punkt für Feierlichkeiten und Seminare umzugestalten. Wo einst Mönche beteten, wird heute regionale Küche gepflegt. Aus Kemenaten sind ansprechende Gästezimmer geworden, die aber immer noch ein nostalgisches Flair haben, um die Vergangenheit nicht ganz zu verdrängen, in der 1791 die letzten Mönche gelebt haben.

„Eigentlich leben wir von der Forstwirtschaft“, erklärt Beatrice Mauvais und zeigt auf die großen umliegenden Waldbestände, „aber die Abtei soll eine Ergänzung unseres Einkommens sein.“

So melden sich Gesellschaften, die ihre Hochzeit auf dem Areal feiern wollen. Seminare und andere Anlässe füllen über das Jahr die historischen Gemäuer, in denen eine kleine Kapelle für Trauungen restauriert wurde. Der Wein der Region kann für solche Anlässe natürlich nicht schädlich sein.

Wie sehr Burgen und Gärten zusammen ein perfektes Ensemble abgeben, wird am Schloss von Ancy le Franc deutlich. Malerisch säumen Anlagen im französischen wie im englischen Stil die hervorragend erhaltene Schlossanlage, die nur die Revolution unbeschadet überlebte, weil sie als Gefängnis diente. Obwohl die Räume nie geheizt werden, sind die Reliquien aus dem Mittelalter sehr gut erhalten, insbesondere die italienische Renaissance mit imposanter Deckenmalerei beeindruckt Tausende von Besucher jährlich, die sich von dem Blick in die Vergangenheit ebenso fasziniert zeigen, wie von den Gartenanlagen rund um das Schloss. Es ist heute in Besitz einer privaten Betreibergesellschaft. In den Mauern und Außenanlagen finden historisch ausgerichtete Feste und diverse Feiern statt, sodass ein Teil der Einnahmen für den Unterhalt verwendet werden können.

Mindestens die gleiche Aufmerksamkeit der Liebhaber von historischen Gemäuern besitzt das Schloss von Bussy Rabutin. Das ursprüngliche Feudalschloss aus dem 14. Jahrhundert wurde quadratisch angelegt. Während des Mittelalters und in der Zeitspanne bis heute hatte das Anwesen mehrere blaublütige Eigner und war auch im Besitz des Geldadels, bevor sich der französische Staat im Jahre 1929 des nationalen Denkmals annahm. Seither ist der Prachtbau dem wenig lebhaftem Engagement behördlicher Institutionen unterlegen.

Weniger die zweifelsohne imposante Burg von Chateauneuf als das Dorf, in dem die ehemalige Verteidigungsanlage errichtet wurde, kann durch seine einzigartige Schönheit bei den Besuchern punkten. Auch wenn sich Burg-Konservatorin Virgine Malherbe bei der Beschreibung des historischen Wehrgemäuers alle Mühe gibt, kaufen die kleinen Häuschen in ihrer idyllischen Anordnung rund um die Burg dieser die Aufmerksamkeit ab. Wenngleich die Burg aus dem 12. Jahrhundert datiert, gewinnen die Gäste nicht den Eindruck, dass die Häuser des Dorfes Chateauneuf sehr viel jünger sind. Geschmackvoll sind sie von den Einwohnern in ihrem Charme erhalten und mit Blumen und sonstigen Pflanzen aufgewertet. So wunderte es auch nicht, dass der Ort Chateauneuf zu den fünf schönsten Dörfern Frankreichs zählt.

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Pulsierendes Leben in Dijon, der Hauptstadt der Provinz Burgund-Franche-Comte

Da auch Dijon mehr als nur seinen Senf hinzugeben darf, wenn es um die Schönheit der Region Bourgogne-Franche-Comté geht, wird jedem Gast klar, wenn er sich in die Innenstadt dieses regionalen Zentrums befindet. Allein der „Platz der Freiheit“, der sich in überschwänglichem Maße vor dem Rathaus breit macht, bietet der Außengastronomie und Tausenden jungen Menschen aus der Universitätsstadt jede Menge Vergnügungsmöglichkeiten. Ganz in der Nähe können Interessierte das berühmteste Kunstmuseum nach dem Louvre in Paris besuchen und haben zudem in den vielen Angeboten der weitläufigen Fußgängerzonen viel Abwechslung. Da die Stadt von Kriegseinflüssen verschon blieb, ist in Dijon eine gesunde Mischung aus historischer und moderner Architektur zu finden. Nicht ganz so gesund sind auf Dauer die typischen Gewürzkuchen, die in den Bäckereien zu haben sind. Wer nicht akribisch einteilt, wird seine Waage anschließend ungläubig ansehen. Immerhin werden jährlich etwa 500 Tonnen davon als kulinarische Spezialität verkauft.

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Ein Beitrag für ReiseTravel mit Fotos von Kurt Sohnemann.

Kurt Sohnemann by ReiseTravel.euUnser Autor arbeitet als Journalist in Hannover.

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