Wolfgang Will

Während allenthalben die Wunden der deutschen Teilung verschwinden, krankt der Luftverkehr noch nachhaltig an der schweren Nachkriegszeit. Auch hierbei hat die Politik zu lange geschlafen!

Es hat unglaublich viele – zu viele! - Jahre gedauert, aber jetzt scheint die Politik ihren Dornröschenschlaf zu beenden – was den BER angeht, Berlins chaos-geplagtes Flugplatzprojekt. Jetzt gibt es endlich auch seitens der Politik frischen Wind hinsichtlich der Offenhaltung von Tegel nach der Eröffnung von BER-Schönefeld, dieser Dauerbaustelle seit 2006, als es den ersten Spatenstich für den schon damals viel zu klein konzipierten „Groß“Flugplatz BER gab. Vor allzu großer Politik-Intelligenz allerdings sei gewarnt, denn einige Ewiggestrige sowohl in Berlin als auch in Potsdam bleiben bei ihrem provinziell-dummen „Nein“ zur Zukunft Tegels. Die Vernunft aber wird unüberhörbar – plötzlich, und das keineswegs nur unisono.

Prominentester Tegel-Befürworter ist der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der mit seiner Linie der seines Vorgängers Alexander Dobrindt folgt. Beide widersprechen damit öffentlich der Regierungschefin Angelika Merkel und deren Kabinetten – was allein schon bemerkenswert ist. „Ich bin immer schon ein Fan von Tegel gewesen“, so Scheuer, „Berlin sollte noch einmal überlegen, Tegel offen zu halten und als zweiten Terminal des BER zu nutzen“. Den „politisch Verantwortlichen“ sollte auch der Volksentscheid zu denken geben“, so Scheuer ergänzend: Im September 2017 hatten immerhin 56,4 Prozent der Berliner Wähler für den Weiterbetrieb von Tegel gestimmt.

ILA Berlin - Publikumsmagnet!

Es hat unglaublich viele – zu viele! - Jahre gedauert, aber jetzt scheint die Politik ihren Dornröschenschlaf zu beenden – was den BER angeht, Berlins chaos-geplagtes Flugplatzprojekt. Jetzt gibt es endlich auch seitens der Politik frischen Wind hinsichtlich der Offenhaltung von Tegel nach der Eröffnung von BER-Schönefeld, dieser Dauerbaustelle seit 2006, als es den ersten Spatenstich für den schon damals viel zu klein konzipierten „Groß“Flugplatz BER gab. Vor allzu großer Politik-Intelligenz allerdings sei gewarnt, denn einige Ewiggestrige sowohl in Berlin als auch in Potsdam bleiben bei ihrem provinziell-dummen „Nein“ zur Zukunft Tegels. Die Vernunft aber wird unüberhörbar – plötzlich, und das keineswegs nur unisono.  Prominentester Tegel-Befürworter ist der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der mit seiner Linie der seines Vorgängers Alexander Dobrindt folgt. Beide widersprechen damit öffentlich der Regierungschefin Angelika Merkel und deren Kabinetten – was allein schon bemerkenswert ist. „Ich bin immer schon ein Fan von Tegel gewesen“, so Scheuer, „Berlin sollte noch einmal überlegen, Tegel offen zu halten und als zweiten Terminal des BER zu nutzen“. Den „politisch Verantwortlichen“ sollte auch der Volksentscheid zu denken geben“, so Scheuer ergänzend: Im September 2017 hatten immerhin 56,4 Prozent der Berliner Wähler für den Weiterbetrieb von Tegel gestimmt.  Frischer Wind dazu auch plötzlich von politischer Seite Brandenburgs, Berlins Nachbarland: Dort hat sich ein Verein mit der Bezeichnung „Brandenburg braucht Tegel“ gebildet, der bereits dabei ist, Unterschriften für eine entsprechende Volksinitiative zu sammeln. Dazu müssen innerhalb eines Jahres 20 000 Unterschriften zusammen kommen – was kaum ein Problem werden dürfte. Vorsitzender dieses Brandenburger Vereins ist der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann, der damit seinem Berliner Parteikollegen Caja nacheifert.  Nicht minder „frischwindig“ fühlt sich eine offizielle Feststellung der Landkreisverwaltung Dahme-Spreewald an, auf deren Territorium der BER liegt. Da wird Tegel zwar nicht wörtlich erwähnt, aber seine erforderliche Offenhaltung doch indirekt geradezu beschworen – wenn Landrat Stephan Loge (SPD) etwa von einem „Infrastruktur-Chaos im Flughafenumfeld“ spricht und ergänzt: „Große Maßnahmen sind erforderlich, wie zusätzliche Abfahrten auf der Autobahn A113 oder eine S-Bahn-Verbindung von Königs Wusterhausen nach Schönefeld“. Und: „Zuganbindungen, Straßen, der Schönefelder Bahnhof sind nicht für die künftigen Passagierzahlen gewappnet“.  Man kann nur ungläubig den Kopf schütteln und fragen, ob die für dieses „Chaos“ Verantwortlichen während der letzten Jahre geschlafen haben – denn das alles war schon 2006 erkennbar. Die gleiche Schlafmützigkeit und Verantwortungslosigkeit muss den Berliner Regierenden vorgeworfen werden: Die A113 und ihr Britzer Tunnel, also die direkte Zufahrt zum BER, sind seit Eröffnung wahre Nadelöhre. Und tagtäglich von morgens bis nachts verstopft, wenn nicht geschlossen.  Aber jeder, bereits vor Jahren erfolgte Hinweis auf diese Misere wurde ignoriert oder auch kaltschnäuzig abgetan.  Auch beim Chef der Berliner Flughäfen, Engelbert Lütke Daldrup, scheint es langsam zu dämmern. Er will jetzt auf einmal 50 (!) Millionen() Euro in den alten Schönefeld-Terminal investieren, weil der auch nach BER-Eröffnung noch benötigt wird. Tegel und dessen erforderlichen Weiterbetrieb erwähnt auch er mit keinem Wort, aber die alten DDR-Piers, von denen, die wahrhaftig auf Zukunft ausgerichteten Airlines Ryanair und Easyjet abfliegen, sollen modernisiert werden. Zudem ist vor dem abbruchreifen DDR-Terminal eine neue Wartehalle geplant.  Flickschusterei also all überall – statt der generellen Einsicht, dass eine so rasant wachsende Stadt wie Berlin (wenigstens) zwei Flugplätze benötigt.  Als in den Zeiten der Wiedervereinigung Deutschlands – also um 2000 – die BER-Planung Gestalt annahm, ging die Politik von einem jährlichen Passagieraufkommen von maximal 27 Millionen Menschen aus – das wurde von der Luftfahrt-Fachwelt sofort als viel zu niedrig kritisiert. Schon 2014 verzeichnete Berlin 33 Millionen Passagiere, und 2020, wenn BER nach derzeitiger Planung eröffnet, dürften es über 40 Millionen sein.  Die Gegenwart allein spricht Bände: Von beiden Flugplätzen – Tegel und Schönefeld-alt - bieten im Sommerflugplan 2018 89 Airlines 185 Ziele in 56 Staaten an. Allein ab Tegel gibt es 15 Interkontinentalverbindungen. Allein Delta Airlines fliegt demnächst täglich nach New York. Toronto, Peking und Ulan Bator sind weitere Interkontinental-Ziele. Das mag „dörflich“ erscheinen, zieht man etwa Frankfurt oder München zum Vergleich heran. Aber Eurowings, Germania, Easyjet und Ryanair wollen im Gegensatz zur Lufthansa in Kürze schon so richtig auftrumpfen und neue Ziele anbieten. Die Lufthansa stellte gerade ihre Nonstop-Verbindung nach Newark/New York ein – verständlich, denn diese Strecke erwies sich als nicht profitabel.  Man bedenke: Während allenthalben die Wunden der deutschen Teilung verschwinden, krankt der Luftverkehr noch nachhaltig an der schweren Nachkriegszeit. Auch hierbei hat die Politik zu lange geschlafen.  Das soll sich jetzt – endlich! - ändern. Den Airlines werden attraktive Fördergelder zugesagt, wenn sie neue, vor allem interkontinentale Strecken eröffnen.  ReiseTravel Fact: Berlins Luftfahrt-Zukunft aber lässt sich allein mit BER weder verbessern noch garantieren. Tegel gehört dazu. Dort ließe sich auch die Flugbereitschaft mit ihren Regierungsfliegern stationieren, statt sie von Köln nach Schönefeld in Neubauten zu verlegen.  Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.  Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.  Sehr geehrte ReiseTravel User, Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu - Bitte Abonnieren YouTube.ReiseTravel.eu

Frischer Wind dazu auch plötzlich von politischer Seite Brandenburgs, Berlins Nachbarland: Dort hat sich ein Verein mit der Bezeichnung „Brandenburg braucht Tegel“ gebildet, der bereits dabei ist, Unterschriften für eine entsprechende Volksinitiative zu sammeln. Dazu müssen innerhalb eines Jahres 20 000 Unterschriften zusammen kommen – was kaum ein Problem werden dürfte. Vorsitzender dieses Brandenburger Vereins ist der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann, der damit seinem Berliner Parteikollegen Caja nacheifert.

Nicht minder „frischwindig“ fühlt sich eine offizielle Feststellung der Landkreisverwaltung Dahme-Spreewald an, auf deren Territorium der BER liegt. Da wird Tegel zwar nicht wörtlich erwähnt, aber seine erforderliche Offenhaltung doch indirekt geradezu beschworen – wenn Landrat Stephan Loge (SPD) etwa von einem „Infrastruktur-Chaos im Flughafenumfeld“ spricht und ergänzt: „Große Maßnahmen sind erforderlich, wie zusätzliche Abfahrten auf der Autobahn A113 oder eine S-Bahn-Verbindung von Königs Wusterhausen nach Schönefeld“. Und: „Zuganbindungen, Straßen, der Schönefelder Bahnhof sind nicht für die künftigen Passagierzahlen gewappnet“.

Man kann nur ungläubig den Kopf schütteln und fragen, ob die für dieses „Chaos“ Verantwortlichen während der letzten Jahre geschlafen haben – denn das alles war schon 2006 erkennbar. Die gleiche Schlafmützigkeit und Verantwortungslosigkeit muss den Berliner Regierenden vorgeworfen werden: Die A113 und ihr Britzer Tunnel, also die direkte Zufahrt zum BER, sind seit Eröffnung wahre Nadelöhre. Und tagtäglich von morgens bis nachts verstopft, wenn nicht geschlossen.

Aber jeder, bereits vor Jahren erfolgte Hinweis auf diese Misere wurde ignoriert oder auch kaltschnäuzig abgetan.

Auch beim Chef der Berliner Flughäfen, Engelbert Lütke Daldrup, scheint es langsam zu dämmern. Er will jetzt auf einmal 50 (!) Millionen() Euro in den alten Schönefeld-Terminal investieren, weil der auch nach BER-Eröffnung noch benötigt wird. Tegel und dessen erforderlichen Weiterbetrieb erwähnt auch er mit keinem Wort, aber die alten DDR-Piers, von denen, die wahrhaftig auf Zukunft ausgerichteten Airlines Ryanair und Easyjet abfliegen, sollen modernisiert werden. Zudem ist vor dem abbruchreifen DDR-Terminal eine neue Wartehalle geplant.

Flickschusterei also all überall – statt der generellen Einsicht, dass eine so rasant wachsende Stadt wie Berlin (wenigstens) zwei Flugplätze benötigt.

Als in den Zeiten der Wiedervereinigung Deutschlands – also um 2000 – die BER-Planung Gestalt annahm, ging die Politik von einem jährlichen Passagieraufkommen von maximal 27 Millionen Menschen aus – das wurde von der Luftfahrt-Fachwelt sofort als viel zu niedrig kritisiert. Schon 2014 verzeichnete Berlin 33 Millionen Passagiere, und 2020, wenn BER nach derzeitiger Planung eröffnet, dürften es über 40 Millionen sein.

Die Gegenwart allein spricht Bände: Von beiden Flugplätzen – Tegel und Schönefeld-alt - bieten im Sommerflugplan 2018 89 Airlines 185 Ziele in 56 Staaten an. Allein ab Tegel gibt es 15 Interkontinentalverbindungen. Allein Delta Airlines fliegt demnächst täglich nach New York. Toronto, Peking und Ulan Bator sind weitere Interkontinental-Ziele. Das mag „dörflich“ erscheinen, zieht man etwa Frankfurt oder München zum Vergleich heran. Aber Eurowings, Germania, Easyjet und Ryanair wollen im Gegensatz zur Lufthansa in Kürze schon so richtig auftrumpfen und neue Ziele anbieten. Die Lufthansa stellte gerade ihre Nonstop-Verbindung nach Newark/New York ein – verständlich, denn diese Strecke erwies sich als nicht profitabel.

Man bedenke: Während allenthalben die Wunden der deutschen Teilung verschwinden, krankt der Luftverkehr noch nachhaltig an der schweren Nachkriegszeit. Auch hierbei hat die Politik zu lange geschlafen.

Das soll sich jetzt – endlich! - ändern. Den Airlines werden attraktive Fördergelder zugesagt, wenn sie neue, vor allem interkontinentale Strecken eröffnen.

ReiseTravel Fact: Berlins Luftfahrt-Zukunft aber lässt sich allein mit BER weder verbessern noch garantieren. Tegel gehört dazu. Dort ließe sich auch die Flugbereitschaft mit ihren Regierungsfliegern stationieren, statt sie von Köln nach Schönefeld in Neubauten zu verlegen.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

Sehr geehrte ReiseTravel User, Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu - Bitte Abonnieren YouTube.ReiseTravel.eu

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