Volker T. Neef

Ministerin von der Leyen und ihr Tattoo Erlass für die Bundeswehr ist kein Zapfenstreich

Im Bundesministerium für Verteidigung gibt es seit 2013 eine Premiere: Eine Frau sitzt auf dem höchsten Stuhl im Ministerium, Ursula von der Leyen (CDU). Die Frau Ministerin hat sich im Sommer 2014 durch einen Erlass bei einigen Soldatinnen und Soldaten unbeliebt gemacht: Eine neue „Dienstvorschrift Tattoos“. Damit ist allerdings nicht der Zapfenstreich gemeint, was ja zu einer Armee passend wäre, sondern die Tätowierungen auf der Haut eines Menschen.

Das Wort Tattoo in der Militärsprache leitet sich von den niederländischen Worten „Doe den tap toe“, was heißen soll: „Schließt den Zapfhahn“. Die Einbringung von Farbstoffen in die eingeritzte Haut - hierzulande als Tätowierung bekannt und ebenfalls Tattoo genannt - kommt aus dem fernen Tahiti. Dort heißt „Tautau“. Tätowiertes Zeichen. Eben um diese Zeichen handelt es sich bei der neuen Dienstvorschrift. „Frau oberste Dienstherrin von der Leyen“ befahl, so ist das nun mal bei den Soldaten, es gilt immer noch das Prinzip Befehl und Gehorsam, dass „Tätowierungen abzudecken sind und für die Öffentlichkeit unsichtbar sind“.

Der Erlass gilt für alle deutschen Armeeangehörigen, egal, wo sie gerade dienen, ob im Kosovo oder in Afghanistan oder als Militärattaché bzw. dessen Adjutanten an der deutschen Botschaft in Lima oder sonst wo auf dem Erdball. Diesmal trifft so eine Dienstvorschrift auch Männlein und Weiblein ausnahmslos in einer Uniform tragenden Truppe.

Ende der 80er Jahre hatte ein Fall bei einem Zollbeamten in West Berlin für Aufsehen erregt: Der uniformierte Zollbeamte am Kontrollpunkt Dreilinden trug einen Ohrring im Dienst und der Dienstherr Finanzminister Theo Waigel (CSU) untersagte dies. Der Zöllner verwies auf Damen im Zolldienst, die teilweise sogar 2 Ohrringe trugen, die viel länger waren als sein kleiner im Ohrläppchen sich befindender Ohrring. Der Hinweis nutzte dem Beamten nichts, denn der Dienstherr pochte weiterhin darauf, keinen Ohrring für Herren im Dienst, Damen dürfen diese Schmuckstücke bis heute tragen.

Bei der Bundeswehr gibt es keine „Tattoo Ausnahmen“, auch nicht bei sengender Hitze im Dienst in Kabul. Ist das Tattoo am Unterarm, muss es bedeckt sein, sei es mit einem langarmigen Hemd oder einem Pflaster. Dass dieser Erlass gerade bei den Betroffenen nicht für Begeisterung sorgt und sich Widerstand regt, ist klar, die nicht – tätowierten Bundeswehrsoldatinnen und Soldaten sehen die Sache natürlich viel entspannter. Der Befehl kann auch bewirken: Der Uniformträger in den Reihen der Bundeswehr wird es sich jetzt mehrmals überlegen, seine Haut anmalen zu lassen, falls er kürzlich diese Idee gehabt haben sollte. www.bmvg.de

ReiseTravel Fact: Ein tätowierter Hoheitsträger, sei es bei der Bundeswehr, dem Zoll, der Bundes- oder Landespolizei, Justizvollzugsdienst, passt nicht ins Bild – zu Recht nach meiner Meinung. Tätowierungen ordnete die Bevölkerung in Deutschland einst Seeleuten zu und Herren, die mal einige Monate oder Jahre, teilweise sogar lebenslänglich, Insassen von Haftanstalten waren. Das hat sich nicht großartig verändert, selbst wenn heute viele Tattoo Studios auf Kundschaft warten und „Zivilisten“ davon mehr Gebrauch machen als noch vor ein bis zwei Jahrzehnten. Autoritätspersonen, seien es Beamte oder Angestellte von „Vater Staat“, verlieren an Respekt gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, wenn im persönlichen Gespräch bei einem Repräsentanten Tätowierungen auftauchen. Ein Extrembeispiel: Der deutsche Militärattaché in X Land hat sich auf einem Arm eintätowieren lassen „Nur Du, Uschi“, dazu Rosen und das Konterfei der Uschi. Allen Gästen auf einer hochoffiziellen Feier des Staatspräsidenten von X Land stellt besagter Attaché allen Gästen seine Frau Annemarie vor. Die Uschi war mal eine Bekannte vor knapp einem Vierteljahrhundert lautet seine Antwort bei den Gästen, die ihn ob der Uschi ansprechen. Das Pferd soll man nie von hinten aufzäumen, sagen erfahrene Reiter.

Mein Kritikpunkt: Warum haben alle Vorgänger von der heutigen Bundesverteidigungsministerin von vornherein bei den ärztlichen Einstellungsuntersuchungen, im Fachjargon Musterung genannt, den Freunden der Hautbemalungen nicht gleich gesagt: „Mit diesen Kunstwerken auf der Haut“ erfolge keine Einstellung? Wer Soldatin oder Soldat werden wollte, konnte ja nochmals für die Tattoos Geld ausgeben, allerdings diesmal bei einer Kosmetikerin oder bei einem Dermatologen für das Entfernen der Sprüche und Zeichnungen auf der eigenen Haut.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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