Hans-Robert Richarz

Subventionen haben gleichen Umfang wie die Einnahmen aus den Fahrkartenverkäufen

Bummelbahn: Laut einem aktuellen Bericht der EU-Kommission, der sich mit der Zufriedenheit der Reisenden, der Pünktlichkeit der Züge, dem Wettbewerb, den Kosten und den staatlichen Subventionen des Schienenverkehrs befasst, besteht europaweit ein großes Potenzial für mehr Qualität, bessere Auslastung und günstigere Preise bei der Bahn. Dabei hinkt der Rest Europas den beiden Musterknaben Niederlande und Großbritannien zum Teil erheblich hinterher. Die Studie zeigt, dass der Eisenbahnsektor immer noch stark von staatlichen Subventionen abhängig ist (etwa 36 Mrd. Euro im Jahr 2012), wobei diese Subventionen fast den gleichen Umfang haben wie die Einnahmen aus den Fahrkartenverkäufen.

Während beispielsweise die Niederlande ihre Kosten fast komplett über die Reisenden decken, bezahlen in Deutschland 61 Prozent davon die Steuerzahler. Bei den Subventionen pro Zugkilometer liegt Deutschland in der EU auf Platz sechs mit rund neun Euro. Spitze ist Luxemburg mit 18 Euro pro Zugkilometer. Die wenigsten Subventionen gibt es in den Niederlanden mit zehn bis 20 Cent pro Zugkilometer. Im Verbraucherbarometer schneiden die Bahndienstleistungen europaweit im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern im Binnenmarkt schlecht ab. Ausgehend vom Marktperformance-Indikator, einem Index, mit dem vier Kernaspekte der Verbrauchererfahrungen berücksichtigt werden, rangieren sie an 27. Stelle – nur noch gefolgt von Immobiliendienstleistungen, Hypotheken und Investmentprodukten –, während Fluggesellschaften, Post und städtischer Nahverkehr deutlich besser bewertet werden. Beim Zufriedenheitsindex belegen Finnland und das Vereinigte Königreich mit einem Anteil an zufriedenen Verbrauchern von über 75 Prozent die beiden vordersten Plätze; in Bulgarien und Estland dagegen sind nicht einmal 30 Prozent der Verbraucher mit der Bahn glücklich, und auch in Italien ist der Anteil sehr gering (36 Prozent). In Deutschland und Schweden äußerten sich immerhin über 50 Prozent der Befragten zufrieden, doch liegen beide Länder unter dem EU-Durchschnitt von 55 Prozent.

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit Was die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge angeht, so ist die Unzufriedenheit damit in Frankreich (47 Prozent), Deutschland (42 Prozent) und Italien (38 Prozent) am höchsten und im Vereinigten Königreich sowie in Estland und Litauen am niedrigsten. Die höchste Zufriedenheit mit der Pünktlichkeit verzeichnen Irland, Lettland, Österreich und das Vereinigte Königreich (über 73 Prozent). Nahverkehrs- und Regionalzüge verkehren in Lettland, Portugal, Österreich und Litauen sehr pünktlich. Belgien und Ungarn, in denen der Pendlerverkehr eine wichtige Rolle spielt, weisen eine schlechte Bilanz auf.  Die Bereitstellung von Informationen während der Reise, speziell bei Verspätungen ärgert die Fahrgäste (mehr als 50 Prozent) nach wie vor. Am wenigsten klagen hier die Bahnfahrer im Vereinigten Königreich (70 Prozent), in Finnland und Irland. Die größte Unzufriedenheit besteht dagegen in Frankreich (47 Prozent) und in Deutschland (42 Prozent).

Fazit der EU-Kommission: Der Grad der Zufriedenheit mit den Bahndienstleistungen könnte weit höher sein, viele Hochgeschwindigkeitsstrecken sind nicht ausgelastet und die beträchtlichen öffentlichen Mittel könnten gezielter eingesetzt werden, damit der Schienenverkehr sowohl für Personen als auch für Güter trotz knapper öffentlicher Haushalte langfristig tragfähig bleiben kann. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas glaubt: „Die Eisenbahn hat ein beachtliches Potenzial als umweltfreundliches und nachhaltiges Verkehrsmittel. Aber um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen zu können, bedarf es ehrgeiziger Maßnahmen."

Ein Beitrag für ReiseTravel von Hans-Robert Richarz.

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