Wolfgang Will

Der Fremdwort-Duden erklärt „Phantom“ auch als „Trugbild“ - und das bleibt der BER, wie auch ein Besuch von Mitgliedern des LPC (Luftfahrt Presse Club) kürzlich bewies.

Pannen & Probleme: Der für seine jahrelangen Eröffnungs-Verspätungen notorisch bekannt gewordene Hauptstadt-Flughafen bewies das auch wieder bei diesem Journalistentreffen: Engelbert Lütke Daldrup, seit gut einem Jahr letzter von zu vielen erfolglosen Flugplatzchefs, erschien mit einer halben Stunde Verspätung.

BER Airport Berlin by ReiseTravel.eu

Zu spät sein - BER-Schicksal also, geradezu programmatisch.

Er hatte so gut wie nichts mitzuteilen, was nicht schon seit Wochen bekannt war – bis auf die Antwort auf die Frage, wie es, denn um das zweite Terminal des viel zu klein geplanten und geratenen Flugplatz stehe: Dieser T2 ist bereits im Bau, rechts vom Hauptterminal sind dafür – wie zu sehen war – die ersten Bodenarbeiten im Gang.

Die Frage, ob es denn nicht endlich einmal Details für diesen T2 gäbe – Zeichnungen etwa, Grundrisse -, beantwortete ein BER-Sprecher nahezu feindlich mit „findet sich im Internet“.

Wozu dann der Aufwand der LPC-Presseorientierung? Wenn alles ohnehin schon bekannt ist oder nachschlagbar?

Es ging überhaupt alles sehr dilettantisch zu: Drei oder vier BER-Sprecher stellten sich kurz mit Namen und Funktion vor – kein entsprechendes Namensschild vor ihnen auf dem Tisch, nichts dergleichen am Jackettrevers oder Hemd. Nicht minder fragwürdig dann ein längerer Rundgang durch die Gebäude.

Zu Beginn ein Eilschritt durch das fertiggestellte Südpier, und da wurde voller Stolz die „einsatzbereite“ VIP-Lounge präsentiert. Mit Tempo ging es dann weiter, an mit Plastikplanen bedeckten Sitz- oder Wartegelegenheiten vorbei. Oder ein kurzer Aufenthalt in dem Bereich, der „Marktplatz“ genannt wird, wo sich also Restaurationsbetriebe und Geschäfte befinden werden.

Logisch, vielleicht auch ein wenig „erhellender“, wäre dagegen dies gewesen: Der Rundgang für die LPC-Mitglieder hätte dem Check-in-Vorgang eines Passagiers entsprechen müssen. Ankunft- oder Abfertigungshalle also, mit den Einzelnen zu passierenden Stationen wie Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrolle, dann weiter Richtung Abfluggate. Nichts dergleichen. Auch die Bereiche, die die größten „Kopfschmerzen“ bereiten – Gepäckbänder und Brandmeldeanlagen mit 70.000 Sprinklern -, wurden nicht gezeigt. Treffend war deshalb eine Schlagzeile der Tageszeitung „Die Welt“, in der das Wort „Stillstandsbetrieb“ vor kam.

Während des ganzen restlichen Jahres 2018 werden die vielfältigen Mängel beseitigt, die zu den mehrmaligen Verschiebungen geplanter Inbetriebnahme-Termine des BER geführt haben. Das alles soll bis Frühjahr/Frühsommer 2019 beendet werden, sodass es dann zu einer „Generalabnahme unter Betriebsbedingungen“ kommt. Eine Eröffnungsparty“ wird es im Oktober 2020, wenn dieser neue Hauptstadtflughafen endlich in Betrieb geht, nicht geben, sagte Airport-Chef Lütke Daldrup, dafür gäbe es „keinen Grund“.

Zur Eröffnung wird es einen zweigeteilten Flugplatz geben – das alte DDR-Gebäude und den BER-Terminal. Ein T3 genannter dritter BER-Teil soll „in der ersten Hälfte der 20er Jahre“, so der Flugplatzchef, hinzukommen.

Über die Tatsache, dass der BER von Anfang an viel zu klein geplant war und es nach der Schließung von Tegel sehr ernsthafte Kapazitätenengpässe geben muss, tröstete sich der Flugplatzchef mit dem Hinweis hinweg, er glaube nicht an die von Fachleuten genannten Zuwachsraten.

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Auch der Hinweis, die Zufahrtswege – vorwiegend Autobahn A113 – seien heute bereits Tag für Tag überfordert und absolut unzureichend, wurde nicht weiter erörtert – fällt ja in „die Zuständigkeit“ der Politik von Berlin und Brandenburg.

Vorhersage: Vom ersten Tag an, da Tegel geschlossen und BER einziger Flugplatz der deutschen Hauptstadt ist, wird es katastrophal zu gehen.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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