Wolfgang Will

Die ILA Berlin vor dem „Aus“: Unvereinbar mit dem BER. Vielleicht zieht die zukünftige ILA ja an einen anderen deutschen Flughafen-Standort

Quo vadis ILA: Offiziell will und wird dies niemand sagen oder bestätigen, aber die Tatsachen sprechen nicht nur für sich, sie sind auch eindeutig: Die ILA Berlin 2018 wird die letzte ihrer Art gewesen sein. Diese Internationale Luftfahrtschau, zwischen dem 25. und 29. Mai 2018 als Fachmesse und Publikumsmagnet an der Südbahn des Berliner Flugplatzes Schönefeld veranstaltet, lässt sich absolut nicht vereinbaren mit dem neuen Großflughafen BER – wenn der denn einst tatsächlich in Betrieb geht. Das soll nach derzeitigem Stand im Oktober 2020 der Fall sein. Die bisher alle zwei Jahre stattfindende nächste ILA ist für die Zeit zwischen dem 31. Mai und 5. Juni desselben Jahres (2020) geplant. Sollte diese Show über die Bühne gehen, wäre sie eine Art Grabgesang für die ILA Berlin.

ILA 2018 Berlin

ILA Berlin und BER by ReiseTravel.eu

Denn der BER, von Pannen geplagt und seine Eröffnungstermine immer wieder korrigiert, ist von Anfang an als viel zu klein konzipiert worden. Das betrifft nicht nur die Passagierzahlen, Terminals und Zufahrtswege, sondern auch die zwei zur Verfügung stehenden Landebahnen. Der dringend erforderlichen Bau einer dritten Startbahn wird neuerdings sogar offen diskutiert. Ein solches Projekt aber zu realisieren, würde – selbst wenn die Vernunft über alle in erster Linie Umwelt beeinflusste Vorbehalte siegte – ein Jahrzehnt dauern.

Aber nur zwei Bahnen am BER machen eine ILA unmöglich. Das bewies die ILA 2018 sehr deutlich:

Weit mehr als 1.000 Aussteller aus 41 Ländern zeigten auf 50.000 Quadratmeter Hallen- und Chaletflächen sowie einem 50.000 Quadratmeter großen Freigelände – entlang der Südbahn und deren Abstell- und Rollflächen – mehr als 200 Fluggeräte. Die Südbahn selbst wurde täglich von Dutzenden ILA-Starts und - Landungen beansprucht, einschließlich der spanischen Kunstflugstaffel Patrulla Aguila. Die gesamte Betonfläche entlang der Südbahn war ILA-Territorium – eine absolute Unmöglichkeit nach der Eröffnung des BER.

In Politik und Wirtschaft Berlins wird schon von einer „abgespeckten“ ILA gemunkelt. BER-Flughafenchef Lütke Daldrup soll geäußert haben, nach Eröffnung des Großflughafens sei ein ILA-Flugprogramm nach bisherigem Muster nicht vorstellbar. Und bei der Messe Berlin, bei der die Organisation der ILA angesiedelt ist, denkt man offenbar daran, die ILA zur reinen Fachmesse zu reduzieren – ohne jegliches Fluggerät natürlich. In jedem Falle also das „Aus“ der ILA Berlin in ihrer jetzigen Form.

Publikumsmagnet: ILA 2018 und der BER!

ILA Berlin und BER by ReiseTravel.eu

Geschichte: Die ILA-Geschichte geht zurück bis 1909, womit sie die älteste Luftschau der Welt ist. Damals wurden in Frankfurt/Main sieben Monate lang Fluggeräte der verschiedensten Art gezeigt, Fesselballons etwa und Zeppeline. 1,5 Millionen Besucher wurden in dieser Zeit gezählt. 1912 kam die Show erstmals nach Berlin, als Allgemeine Luftfahrzeugausstellung (ALA) in einer großen Halle am Zoo. Zu bestaunen waren immerhin 25 Flugapparate und sieben Luftschiffe. Erster Weltkrieg und Wirtschaftskrise hatten zur Folge, dass es 16 Jahre lang keinerlei Luftfahrschau in Deutschland gab. 1928 traf sich die Branche wieder, in drei Messehallen am Funkturm, wo immerhin 150 Flugzeuge zu sehen waren. 1932 gab es in Berlin das letzte große Fachtreffen – Naziherrschaft und Zweiter Weltkrieg erzwangen eine neuerliche Unterbrechung. Einen bescheidenen Neuanfang dann gab es 1957, als Teil der Industriemesse Hannover. Seit 1992 dann wieder Berlin – alle zwei Jahre die ILA Berlin.

Sie ist ein unglaublicher Erfolg. Aus Europa und den USA ist alles vertreten, was in der Luft- und Raumfahrt Rang und Namen hat, und vor allem für Russland hat sich die ILA zum größten Branchen-Handelsplatz außerhalb der eigenen Landesgrenzen entwickelt. In der Konkurrenz mit Paris/Le Bourget und Farnborough/England bleibt Berlin allerdings unverrückbar auf dem dritten Platz. Das betrifft sowohl die Zahl der Aussteller als die der Besucher – rund 150.000 in Berlin stehen etwa doppelt so viele in England und Frankreich gegenüber. Dabei hat die Messe Berlin in Selchow/Schönefeld, am Rand der Südbahn, mit dem ExportCenter Airport ein eigenes ILA-Zuhause geschaffen, mit drei riesigen festen Hallen, 2018 zudem mit 32 Chalets und 17 Zelten, „umgarnt“ von 19 Kilometer Zaun.

Und:

Um Le Bourget und Farnborough wenigstens einigermaßen Paroli bieten zu können, ließen sich die Berliner eine Sonderheit einfallen – die ILA wurde zur weltweit führenden Innovationsmesse weiter entwickelt.

Die Messe Berlin dazu: „Mit der ILA Berlin verfügt Deutschland über die Innovationsmesse schlechthin, die ein weltweites Ausrufezeichen für Hochtechnologie `Made in Germany`setzt“.

ReiseTravel Fact: Doch all das, die ILA, steht vor dem „Aus“. Vielleicht zieht die zukünftige ILA ja an einen anderen deutschen Flughafen-Standort. Oder . . . wenn Berlins Flugplatz Tegel, wie es die Bevölkerung gegen die Absichten der Politik wünscht, neben dem künftigen BER offen gehalten wird, könnte die ILA dort ein wunderbares neues Zuhause finden.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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