Gernot Riedel

Wo ein Wille, da ein Weg

Corona: Bis vor rund einem Jahr war die (touristische) Welt für Österreich noch eitel Wonne – steigende Zahlen wie Umsätze, gefüllte Betten und Pisten, ein weiteres Rekordergebnis für Österreichs Tourismuswirtschaft stand in Aussicht. Wobei das permanente Streben nach Rekorden nicht der künftige Weg sein soll… aber dazu vielleicht ein andermal…

Februar ´21, Szenenwechsel

Seit fast 6 Monaten durfte österreichweit kein Gast nächtigen, das Beisl ums Eck ebenso wie wie der Gourmettempel dürfen ihre Kunden max. durchs Fenster mit Essen versorgen, gähnende Leere allerorts.

Die Sorgenfalten von Liftbetreibern, Hoteliers, Skiverleihern, Skischulen und Hüttenwirten gleichen teils einem zerfurchten Tiefschneehang. Und das Schlimme daran: noch immer kein Ende in Sicht!

Klar gibt es staatliche Hilfsprogramme, von Fixkosten- über Umsatz- bis Verlustersatz, Stundungen usw. usw. Das große ABER: Viele Touristiker (dazu zählen auch Bergbahner, ja) leben ihre Berufung mit Leidenschaft, sind Gastgeber von Herzen und wollen einfach nur wieder: arbeiten und selbst Geld verdienen dürfen!

Und dies scheint, wenn man die letzten Monate betrachtet, in nicht greifbare Sphären zu rücken! Es stellt sich immer mehr die Frage: Warum?

Was spricht eigentlich dagegen?

Keine einzige Branche hat sich in und mit der Pandemie (gezwungenermaßen) so früh auseinandergesetzt wie der Tourismus. Bereits im Frühjahr ´20 wurden Hygienekonzepte en masse erarbeitet, Coronabeauftragte ausgebildet, Sicherheitskonzepte für Events, Gastronomie, Hotellerie etc. etc. erarbeitet. Von Österreichs Bergbahnen wurden -zig Millionen Schlauchschals erworben, um diese als Mundnasenschutz an damals noch erhoffte Wintersportgäste auszugeben. Desinfektionsgeräte wurden angeschafft, das Wartemanagement bei Kassen, Liften etc. perfektioniert. Von Skischulen, Skiverleihern, dem Sporthandel bis hin zu Take-away-Konzepten bei Berghütten war alles darauf ausgerichtet, einen einigermaßen normalen Tourismus zu ermöglichen.

Zusätzliche Unterstützung für die Betriebe gab es seitens der Tourismusverbände, beispielsweise wurde in einem Schulterschluss von Tiroler und Salzburger Verbänden bereits im Herbst ein Contact-Tracing Tool erworben und für alle Nutzergruppen angeboten. Aber auch Infomaterialien, Websites mit den aktuellsten Informationen, Hygieneartikel usw. wurde zur Unterstützung der Mitglieder bereitgestellt.
Alle, wirklich alle waren gewillt, entsprechend der jeweils vorliegenden Verordnung seitens der Behörden und unter Einhaltung aller Regeln dennoch eine Saison zu ermöglichen… aber leider….

Was blieb davon übrig?

Drastisch formuliert: Ein Trümmerhaufen – das noch vor einem Jahr so stolze Schlachtschiff und internationales Vorzeigemodell der österreichischen Wirtschaft liegt mit schwerer Schräglage in der Warteschleife. Und damit verbunden auch gleich noch die gesamte Unterhaltungsbranche – von Musik über Theater, Bühnen, Künstler, Fitnessbranche usw.

Frustration, (finanzielle) Perspektivlosigkeit, Verzweiflung und zerstörte Existenzen werden immer augenscheinlicher. Die Kollateralschäden zur Rettung des Gesundheitssystems sind jedenfalls jetzt schon enorm….

Kein Vorschlag oder Papier, weder von ÖHV, WKÖ oder sonstigen Interessensvertretungen scheint in der Lage, die Angst des Gesundheitsministeriums vor den -xten „zwei wichtigen nächsten Wochen“ abzuschwächen. Ich will und kann an dieser Stelle nicht hinter jede Kulisse blicken – was bleibt, ist jedenfalls völliges Unverständnis und Verärgerung, warum vernünftige (Teil)Öffnungen mit Hausverstand und Gefühl nicht schon längst möglich sein sollten?

Beispiele gefällig?

Warum sollten Restaurants und Gastrobetriebe nicht, in einem ohnehin klar geregelten Ablauf, von 11-21 Uhr öffnen dürfen? Essende Gäste sitzen normalerweise an Tischen und agieren nicht als grölende Virenschleudern über die Theke hinweg…
Warum sollten Appartements/Chalets, in denen jeweils nur ohnehin zusammengehörende „Menschenverbünde“ wohnen, nicht schon längst öffnen dürfen?
Und auch das letzte Jahr hat eindeutig, und auch aus eigener Erfahrung, bewiesen, dass sogar der Betrieb von großen Hotels, wohlgemerkt immer unter Einhaltung der bekannten Regeln, absolut möglich ist!
Tja, und zur „Gefahr“ beim Skifahren, Rodeln, Winterwandern, Langlaufen, Eislaufen etc. will ich mich erst gar nicht äußern… .und mir dadurch gleich die Schelte der „nicht-alpinen vermeintlichen Mehrheit“ in Österreich ersparen Öffnungsfallschirm statt Schließungsgeld!

Es gäbe wohl noch etliche Beispiele, mit denen die Möglichkeit einer Wiederöffnung des Tourismus dargestellt werden kann.
Wichtiger erscheint mir aber ein anderer Aspekt: warum nicht, in klar definierten Bereichen (wie oben angeführt) sanfte Öffnungsschritte ermöglichen und jenen, die sich drübertrauen, für die ersten Monate einen „Verlustfallschirm“ spannen?

Sollte, trotz Öffnung, nicht kostendeckend gearbeitet werden können, könnte eine etwaige Spanne noch immer durch staatliche Hilfsprogramme abgedeckt werden. Somit würde eine ganze Branche wenigstens die Möglichkeit bekommen, fürs Arbeiten etwaige Verluste ersetzt zu bekommen, und müsste nicht entmündigt und ohnmächtig darauf harren, endlich wieder aufsperren zu dürfen!

In vielen Fällen, z. B. Ballungsgebieten, Tourismus- und Freizeitbetrieben/Regionen mit hohem Inländeranteil o.ä. würde zumindest die Chance auf eine Wiederbelebung bestehen. Die Entscheidung, ob tatsächlich aufgesperrt wird, liegt dann aber beim Wirt – und nicht beim Staat!

Und immerhin gibt es in Österreich „offiziell“ rund 500.000 (Dunkelziffer wohl um einiges höher?) Menschen, welche bereits positiv getestet wurden. Somit sollten diese natürlich immunisiert bzw. mit ausreichend Antikörpern versehen sein.

Die Frage, warum Menschenschlangen in Einkaufszentren weniger „gefährlich“ sein sollen als essende oder urlaubende Menschen, obendrein in vielen Fällen inmitten freier Natur und an der frischen Luft – wohlgemerkt immer im Rahmen gewisser Regeln – stellen sich immer mehr Menschen. Weit fern jeglicher Covid-Verleugnung oder gar rechtsradikaler Tendenzen…..

Also, geschätzte Regierungsmitglieder von Kanzleramt bis Gesundheitsministerium – der Weg scheint vorhanden, worauf warten?
Zumindest in Österreich sollte einiges möglich sein, da haben wir es selbst in der Hand! Denn wenn wir auf europaweite Einigungen wie Reisefreiheit, Grenzöffnungen oder gar Impflicht für Reisende warten (müssen), könnte auch der Sommer ´21 eine mehr als knappe „Partie“ werden…..

Ein Beitrag von Gernot Riedel Geschäftsführer TVB Kitzbüheler Alpen St. Johann

Gernot Riedel wurde am 22.9.1969 geboren und lebt im Salzburger Land. Nach seiner Ausbildung zum Tourismusfachmann mit abschließender Diplomprüfung war er zunächst als Gäste- und Reisebürobetreuer für die Tourismusgemeinschaft Koralpe tätig. 1992 wurde er Projektleiter für Orts- und Regionalentwicklung in der Gemeinde St. Georgen im Lavanttal. Parallel dazu nahm er seine Tätigkeit als Citymanager der Stadt Wolfsberg sowie Geschäftsführer der ARGE “Zukunft Wolfsberg“ auf. Dann übernahm er als Geschäftsführer den TVB Kitzbüheler Alpen St. Johann in Tirol, den er seit Mai 2012 leitet.

Zuschrift von von Peter Haimayer

Hallo Gernot, deine Darlegung der Bemühungen der Tourismusbetriebe, Pandemie relevante Sicherheitsmaßnahmen zu konzipieren und umzusetzen, unterstreiche ich dick und fett. Das gilt einmal für das, was bereits im vergangenen Sommer geleistet und getestet wurde, und das gilt insbesondere für die überaus intensiven Vorbereitungen auf die Wintersaison – und zwar quer durch die gesamte Branche.

Ich selbst war im vergangenen Sommer zwar nicht in Hotels, jedoch viel auf alpinen Schutzhütten unterwegs. Und obwohl dort mitunter räumlich beengte Verhältnisse herrschen, habe ich mich dank der getroffenen Vorkehrungen stets absolut sicher gefühlt. Durchwegs positive Erfahrungen in Bezug auf die Sicherheitsvorkehrungen und deren Einhaltung habe ich auch in der Gastronomie im Tal gemacht, ebenso wie in Indoor-Sportanlagen wie Fitnessstudio oder Kletterhalle.

Es ist sehr zu wünschen, dass dein Aufschrei und Weckruf bei den verantwortlichen Entscheidungsträgern – und das nicht nur auf Bundesebene – ankommt. Die Erwartung dafür darf man allerdings nicht zu hoch ansetzen, auch wenn die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt.

Einen Test bezüglich Kritik- und Lernfähigkeit der politischen Entscheidungsträger können wir dieser Tage möglicherweise in Tirol miterleben. Dort hat nämlich die Landesregierung eine kabarettreife Verordnung mit Maßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 in Skigebieten herausgegeben. Darin ist festgehalten, dass bei Benützung der Skipisten während der Betriebszeiten ein (aktueller) negativer COVID-Test mitzuführen ist. Skitourengeher auf Skipisten sowie Rodler sind von dieser Regelung aber ausgenommen. Die Reaktionen in der Bevölkerung ließen denn auch nicht lange auf sich warten: Sie reichen von fassungslosem Kopfschütteln bis zu heller Empörung.

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