Peter Scherdtmann

Auto Messe in China und die ausländischen Journalisten

Wir haben Glück: Die Sonne scheint von einem hellblauen Himmel und wir haben Wind. Gestern, als wir mit dem Airbus in den braunen Dunst hineinstießen, dachten wir noch an den gefürchteten Smog. Aber heute mit dem Wind und der Sonne am blassblauen Himmel denkt niemand mehr daran, den Wert für Luftqualität per App bei der amerikanischen Botschaft abzufragen. Alles sieht unverdächtig aus. Die chinesische Hauptstadt, die im Wechsel mit Shanghai alle zwei Jahre die Auto-China beherbergt, zeigt sich dieses Mal als guter Gastgeber.

Es ist Pressetag der Auto-China 2014, der Tag, an dem die Autojournalisten und deren Kollegen aus den Wirtschaftsressorts Neuheiten, Trends, Fototermine, Interviewpartner und den Aufhänger für die nächste Story jagen, Geschichten aus dem Land, von dessen wirtschaftlicher Entwicklung gerade Deutschland und noch mehr die deutsche Automobilindustrie so unglaublich abhängt.
So ein Pressetag vor der Messe schafft im Idealfall gute Voraussetzungen für einen guten Job. In Peking gibt es damit allerdings Probleme. Die riesige Stadt hat offenbar auch viele Journalisten. Gefühlt 100.000 „Kollegen“ bevölkern die Hallen mit ihren Kameras, Freundinnen und Ehefrauen. Kinder sieht man häufig, Kinderwagen weniger, Hunde seltener. Das ist ein gigantischer Ausflug für Privilegierte, die es geschafft haben, die Sperren mit Presse-, Partei- oder Sonderausweisen zu überwinden.
Wir wären fast an den Sperren gescheitert. Das Lesegerät am Eingang und unsere Akkreditierung fanden keinen Weg zu gemeinsamer Verständigung. Aber ein verständiger Offizier schaffte das Problem der Barriere mit einem Befehl aus dem Weg.
Wenn man drin ist, beginnt normalerweise die Arbeit. Auch in den USA und in Europa muss man sich mittlerweile an den Widerspruch zwischen Auflagenentwicklung und Menschen mit Presseausweisen für eine Messe gewöhnen. Doch allem Wildwuchs zum Trotz ist die Zahl der Profis immerhin so überschau- und kalkulierbar, dass es gelingen kann, Autos komplett vor die Linse zu bekommen oder mal eine Information abzufragen.
In Peking sind erst die Stände abgesperrt, dann kommen die autoaffinen Familien so dicht heran, dass man kein Auto mehr sehen, geschweige denn fotografieren kann und dann bangen die Hersteller mit den Traumautos auf dem Messestand um diese und sperren sie eng ab.
Manche – wie Mercedes – hatten Glück. Auf deren Stand wurde bei der Pressekonferenz demonstriert, wie sicher man auf der Messe ist. Der Störer verließ den Stand so unauffällig, wie das mit einem Dutzend Sicherheitsmännern nur geht. Anschließend sahen sich die Pressekonferenzteilnehmer von zwei Reihen Soldaten umringt – oder sagt man besser: umzingelt oder umstellt.
Aber das martialische der Situation verschwand sofort, als auf dem Jaguar-Stand gegenüber David Beckham auftrat. Die Soldaten hatten alle die Augen links, auch ohne Kommando. Soldaten? Polizisten? Wer weiß das schon? Die einen marschieren im blauen Tarnfleck-Muster ohne Tritt in Gruppenstärke durch die Massen oder bilden irgendwo ein Spalier. Andere flanieren in schwarzer Uniform, Splitterschutzweste und Stahlhelm unauffällig durch die Reihen und die dritte Gruppe, die hier für Sicherheit sorgt, sind die Man in Black mit Knopf im Ohr, die gern in Gruppen im Schatten abhängen.
Man gut, dass der Chinese an sich als Besucher der Auto China nicht zu den Krawallmachern zählt. Obwohl – man muss ihnen schon eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit zugestehen. Anstelle Nachsicht üben sie als Messebesucher gern die Ellbogen. Und auch höherentwickelte Waffen kommen im Messegedränge zu Einsatz – seltener überlange Teleobjektive, aber sehr gern Rucksäcke.
Vor zwei Jahren hat mir hier in Peking so ein Rucksack die Kamera aus der Hand geschlagen. Doch dieses Mal war ich schlauer. Meine viel kleinere Kamera hing an einer Schlaufe an meinem Handgelenk.
Beim Ausgang funktioniert der Torpass wieder nicht. Und wieder half da ein freundlicher Offizier, der offenbar mehr zu sagen hatte als der Automat.
PS: Soeben verspottet mich die Dame von CNN, die mir mitten in den Schlusssatz hinein mitteilt, nun sei die Auto-China auch fürs Publikum geöffnet. China ist groß.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Peter Schwerdtmann. 

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Tipp: China-Leitfaden von Christopher Hofstätter unter: www.travel-china-guide.de

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