Volker T. Neef

Es gibt es keine Weltreligion, die dazu aufruft, andere Religionen auszulöschen

Worte zum Tag Deutschlandradio KULTUR: In den Nachrichten hören wir immer wieder davon, dass sich Gruppen wie Boko Haram oder der IS dazu bekennen, Andersgläubige anzugreifen und zu töten. Dabei berufen sie sich auf ihre Religion. Dabei gibt es keine Weltreligion, die dazu aufruft, andere Religionen auszulöschen.

Im letzten Monat besuchte ich Kasan, die 8.größte Stadt Russlands. 50 Prozent der Bevölkerung dort sind Tataren. Im Jahre 1552 überfiel Ivan IV., der auch als Ivan der Schreckliche in die Geschichtsbücher einging, die Stadt und ließ alle Moscheen niederreißen. In dieser zaristischen Zeit hatte Russland über 200 Jahre lang nicht eine einzige Moschee. Peter der Große versuchte in seiner Amtszeit die noch nicht getauften Tataren zwangsweise zu bekehren.

Mit dem Zerfall der UdSSR 1991 setze eine allmähliche Renaissance der Religionen im heutigen Russland ein. Die Muslime wollten im ehrwürdigen Kasaner Kreml wieder ein Gotteshaus besitzen. Anfangs stießen sie auf wenig Gegenliebe mit ihrem Ansinnen. 1996 schließlich erfolgte dann doch die Grundsteinlegung. Im Jahre 2000 erklärte die UNESCO den Kasaner Kreml sogar zum Weltkulturerbe. 2005 wurde die Kul-Scharif-Moschee im Kasaner Kreml eröffnet. Ihren Namen bekam sie nach dem letzten Imam vor der russischen Eroberung, Kul Scharif.

Kasan

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Heute zählt man in Kasan 50 Kirchen und ebenso 50 Moscheen. Hier sind religiöse Auseinandersetzungen unbekannt und jeder „kann nach seiner Facon selig“ werden. Es waren und sind immer wieder Menschen aller Religionen, die für Unfrieden sorgten.

Niemals findet sich in religiösen Werken ein Aufruf zur Vernichtung einer anderen Religion. In Kasan fand ich an einer Stelle der Moschee einen Hinweis auf Alī. Den Sunniten gilt er als vierter und letzter Kalif, den Schiiten als erster Imam. Er starb 661. Schon zu seinen Lebzeiten schloss er einen Vertrag mit den Christen.

In diesem Vertrag heißt es unter anderem: „Gewähre einem Christen das Christsein, bringe keinen Pilger von der Pilgerschaft ab. Außerdem darf niemand ihre christlichen Gebäude und Häuser zerstören, und die Muslime dürfen zum Bau ihrer Moscheen von den Gebäuden und Klöstern nichts benutzen und dürfen das Glockenläuten nicht stilllegen.“

Hoffen wir, dass alle Menschen sich eines solchen Vertrages erinnern und ihn auch umsetzen.

Worte zum Tag Deutschlandradio KULTUR: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2016/09/11/wort_zum_tage_islamische_gemeinschaft_deutschsprachiger_drk_20160911_0656_df46db00.mp3

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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