Wolfgang Will

Wer da glaubte, dank der deutschen, besser: Merkelschen Energiewende sei es in aller Welt mit der Kernkraft zu Ende, muss umdenken. Eher ist das Gegenteil der Fall. Aus dem erfolgreichen deutschen „Atomkraft? Nein danke“ ist weltweit ein „Atomkraft? Ja bi

Zwei deutsche Fachjournalisten, Dr. Sonja Schirmbeck und Richard Probst, werden sehr deutlich, wenn sie feststellen: „Aus deutscher Perspektive gehört das Zeitalter der Atomenergie gespürt bereits der Vergangenheit an. Allerdings zeigt nicht nur ein Blick in europäische Länder wie Finnland und England, sondern auch nach Asien oder über das Mittelmeer, dass eine Renaissance der Atomkraft im Gange ist“.

Das trifft auch auf Länder zu, die zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen gehören. Mit einem geradezu „nuklearem Goldrausch“ haben wir es im Nahen und Mittleren Osten zu tun. Dort planen oder bauen bereits mehrere Staaten Kernkraftwerke, die Vereinigten Arabischen Emirate etwa, Saudi Arabien, Jordanien, Ägypten und die Türkei. Allein die Emirate planen vier Atomkraftwerke, das erste ist bereits zu 80 Prozent fertiggestellt und dürfte ab 2018 Strom liefern – womit die Emirate das erste arabische Land mit einem Kernkraftwerk würden. Jordanien und Ägypten planen längerfristig. In beiden Ländern soll die Kernkraft in etwa zehn Jahren ans Netz gehen.

Mitte des Jahres 2017, so zeigt eine Internet-Statistik, waren über 100 Kernkraftwerke im Bau oder geplant. Allein China hat die Absicht, binnen der kommenden acht bis zehn Jahre 41 neue Kernreaktoren zu bauen. Es folgen Russland mit 26, Indien mit 20 und die USA mit 16. Großbritannien plant 11 neue Kernkraftwerke.

Die Liste der Länder, die Kernkraftwerke planen oder bereits bauen, ist lang: Polen will sechs neue Kernkraftwerke betreiben, Südkorea sogar acht, auf jeweils vier kommen Vietnam, die Türkei und Iran. Neun weitere Länder sind auf der Liste mit je zwei Atomkraftwerken vertreten: Jordanien, Ukraine, Kanada, Ungarn, Rumänien, Bangladesch, Argentinien, Ägypten und die Tschechische Republik. Indonesien, Finnland und Armenien erscheinen am bescheidensten – jeweils ein Kernkraftwerk.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass selbst ein so ölreiches Land wie Saudi-Arabien seine Energiezukunft in der Atomkraft sieht – Öl schließlich ist „endlich“. Die Saudis planen insgesamt 15 Kernreaktoren, ihr erster soll 2022 ans Netz gehen.

Derzeit betreiben 31 Staaten zusammen 446 Kernreaktoren. Die haben eine Nettoleistung von fast 400 Gigawatt. Der weltweite Beitrag der Kernkraft zur Stromproduktion liegt bei elf Prozent. Dank des Industrieaufbaus solche Länder wie China und Indien dürfte sich die Stromnachfrage bis 2025 verdoppeln – so eine amerikanische Voraussage.

Ein Kommentar für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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