Rom

Einen Tag mit dem gemieteten E-Bike durch Rom zu fahren ist eine Reise durch Menschengewühl, Touristenströme!

Rom: Man kann es versuchen, erlebt Momente des Glücks, aber auch des Genervtseins: Für einen Tag mit dem gemieteten E-Bike durch Rom zu fahren ist eine Reise durch Menschengewühl, Touristenströme, die nie aufhören, dort wo die begehrten Objekte sind, wo eine Mauer von Leibern den Blick verwehrt.

Ich nähere mich einem Ziel aus dem Ungefähren, der „Fontana di Trevi“. Ein wundervoller Platz, die Kühle, das klare Wasser spürbar, tolle Brunnenarchitektur von Bernini, eingesäumt von stilvollen Gebäuden.

Rom by ReiseTravel.eu

Monumento Nazionale Vittorio Emanuele

Doch kaum ein Durchkommen bis ganz nach vorn, zu viele Betrachter. Ich male mir aus, vielleicht nach Mitternacht wieder zu kommen. Und als wollte es der Zufall, treffe ich abends Rani, einen Syrer, der seit 25 Jahren in Rom wohnt, einen Intellektuellen. „Du musst am Morgen so zwischen drei Uhr und vier Uhr dort sein, dann hast Du den Brunnen für Dich. Kannst die Magie erahnen, die von ihm aus geht“, rät er mir. Rani wird mein Freund an den vier Tagen, zeigt mir die Schönheiten von Trastevere, dem wohl authentischsten Stadtteil von Italiens Kapitale, nicht weit entfernt vom Tiber und nah zum Vatikan.

Wir sitzen vor der Bar San Calisto, die Älteste von ganz Rom, der Barista bringt einen caffè corretto, ein Gedicht. Tiefschwarz, aus einer extra Röstung, „ich trinke einen doppio“.

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Fontana di Trevi, über alle Köpfe hinweg festgehalten

Und dann hinein ins Getümmel, ins diesmal Gewünschte. Die Gassen eng aneinander, ein Bildstock mit Jesus, daneben die Kirche Santa Maria in Trastevere, „mit byzantinischen Mosaiken“, wie mir Rani erklärt. Schließlich wohnt der Papst nicht weit entfernt. Wo zu Abend essen ist die Frage bei der Vielzahl von Trattorien und Osterien. Rani weiß Bescheid. Nach zahlreichen Windungen ein Gebäude ohne Hinweisschild, ohne Speisekarte außen und innen, es sieht aus wie ein Wohnhaus. Ist aber eine typische römische Osteria alter Herkunft. Sie heißt „Da Corrado“.

Drinnen alles einfach, etwas abgenutzte Tische mit Papiertüchern überspannt. Wir müssen warten, so voll ist es, schließlich Einlass. Ein alles überbordendes Stimmengewirr, kein Ausländer außer dem Autor.

Wir essen himmlisch: Ragout, involtini, Pasta stilvoll geformt, mit den verschiedensten Füllungen und Geschmacksrichtungen, danach Tiramisu originale mit dem herben Geschmack von Mascarpone. Serviert von Patrone Massimo. Die Höhe der Rechnung?. Ich weiß es nicht, Rani zahlt. Obwohl wir vorher vereinbart haben, ich sei der Gastgeber. Er: „Keine Sorge, es war nicht teuer“.

Später zurück zur Bar Calisto, wir sitzen zu fünft im Freien, fünf Nationen. Die Jugend feiert hier ausgiebig.  Es ist ein Fröhliches, Friedliches, Harmonisches Beieinander bis weit nach Mitternacht.

Am nächsten Tag suche ich die Ruhe, mit dem Zug von der Stazione Termini, dem römischen Hauptbahnhof, 80 Kilometer nordwestlich bis kurz vor Civitavecchia. Nach Santa Marinella, einem Badeort am Tyrrhenischen Meer. Palmen, Villen, Felsen, Hügel; ein Wasser zum Drinbleiben, so klar und warm, der Strand feinsandig. Hinaus Schwimmen, endlich allein, die meisten Italiener bleiben in Strandnähe, brauchen Grund unter den Füßen. Dieser Trip ist unbedingt zu empfehlen, weg von der Hektik in einer knappen Stunde in eine andere Welt.

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Santa Maria in Trastevere

Nochmals das Zentrum von Rom mit dem Rad: Piazza Venezia, Piazza di Spagna, Villa Borghese, Piazza di Popolo, Piazza Navona und Campo de' Fiori. Pflicht auch der monumentale Petersplatz mit dem mächtigen Dom. Es sind Orte, die einen trotz aller Geschäftigkeit still werden lassen, vor ihrer Größe, Einmaligkeit und dem Ursprünglichen. Noch eine Episode: Open Air-Kino hinter der Basilica di Santa Croce in Gerusalemme. Eintritt frei, 400 Besucher, darunter viele Familien. Alle Plätze besetzt, für den Deutschen wird ein weiterer Stuhl geholt. Regisseur und Diva sind da, führen in den Film ein, in ein neapolitanisches Liebesdrama mit Fellini-Figuren. Die Lust wird hinaus geschrien, der Tod ständiger Begleiter. Jugendfrei? In Italien, diesem katholischen Land, offenbar kein Problem.

Nach Mitternacht, -wohlgemerkt an einem Mittwoch-, ist das Spektakel vorbei. Danach noch ein letztes Eis in der Gelateria, ein letzter Caffè in der Bar. Rom schläft anscheinend nie.                                                                                                                                                            Die „Ewige Stadt“ kann noch ein Refugium voller Überraschungen sein. Man muss sich nur treiben lassen.

Ein Beitrag mit Foto für ReiseTravel von Horst Wunner.

Horst Wunner ReiseTravel.euUnser Autor arbeitet als Journalist und lebt in Altenplos in Bayern.

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