Santiago de Compostela

Santiago de Compostela

Per Pedes und mit dem Bus von Leon nach Santiago de Compostela: Der Pilgerweg nach Santiago de Compostela ist eine Herausforderung, aber man muss einfach nur gerne wandern.

Aus dichten Nebelschwaden taucht auf dem 1531 Meter hohen Rabanal-Pass das berühmte Eisenkreuz auf, ein Etappenziel auf dem Jakobsweg. Hier ist der höchste Punkt des spanischen Jakobsweges erreicht, der Aufstieg hat nicht geringe Mühen erfordert, aber so soll es beim Pilgern ja auch sein. Einige Wanderer holen einen Stein aus ihrem Rucksack und werfen ihn mit Schwung auf den durch die Jahre angewachsenen Steinhügel, um sich so von der Last ihrer Sünden zu befreien. Der Abstieg nach El Acebo zur Mittagsrast in einem typischen Berggasthof ist beschaulich. In der grünen und fruchtbaren Landschaft des Bierzo gedeihen Weinstöcke, Obstbäume und Gemüse. Mittags gibt es Tortilla, Omelette mit Kartoffeln und dazu brüllt unaufhörlich der Fernseher. Immer mehr Pilger betreten nach und nach den Gastraum, bald ist kein Stuhl mehr frei. Der anschließende Abstieg führt steinig und steil durch das idyllische Nachtigallental nach Molinaseca. Am Ende der Wanderung wartet geduldig Jesús, der Busfahrer und bringt die Gruppe in ein einfaches, aber gemütliches Hotel. Ein eigenes Zimmer mit Bad für sich allein zu haben, ist ein angenehmer Luxus im Vergleich zu den Stockbetten in den Pilgerherbergen.  

 

Kathedrale Santiago de Compostela 

Immer dem gelben Pfeil oder der Muschel nach, der Weg ist gut gekennzeichnet und kaum verfehlen. Carlos, der Wander- und Pilgerführer, erzählt die Muschellegende: „Ein Reiter auf einem Pferd sieht ein Boot mit dem Leichnam des Apostels Jakob auf dem Meer vorbei gleiten. Der Reiter steigt ab und versucht das Boot zu Fuß zu erreichen und versinkt dabei jedoch im Schlick und droht zu ertrinken. Auf wundersame Weise schaffte es der Reiter, über und über mit Algen und Jakobsmuscheln bedeckt, trotzdem wieder an Land zu kommen. Die Legende sagt, dass Apostel Jakob dem Reiter geholfen hat. Deshalb wurde die Muschel zum heute weit verbreiteten Zeichen der Santiago-Pilger.  

Im Ort Ponferrada mit seiner pulsierenden und lärmenden Altstadt ist die Templerburg einen Abstecher wert. Mit mächtigen Türmen und Zinnen ragt die klotzige Burg, über den Rio Sil. Die Templerburg, die im 12./13. Jahrhundert am Rande des Jakobsweges erbaut wurde, diente zum Schutz der Jakobspilger.

Die nächste Etappe führt auf steinigen Anstiegen zum Grenzstein von Galicien. Dann beginnt der gefürchtete steile Weg nach O Cebreiro zur ältesten keltischen Siedlung in Spanien. In den Pallozas, den keltischen Rundhäusern, die noch gut erhalten sind, lebten einst Menschen und Tiere unter einem Dach. Hier auf dem windigen Rücken des Berges in 1300 Meter Höhe ist es immer eine Spur kälter und windiger als anderswo in der Region.  

 

Pilgerstöcke 

Im Mittelalter trugen Pilger einen breitkrempigen Hut, der vorne hochgeschlagen wurde, einen weiten Umhang, der nach Regen lange nicht trocken wurde, einen Pilgerstab, einen Kürbis als Wasserbehälter und die Jakobsmuschel. Der heutige, moderne Pilger hat es um vieles einfacher, er trägt leichte Kleidung aus Funktionsfasern, bequeme Wanderschuhe und einen Rucksack mit wenig Gepäck, denn es gibt für ein paar Euro einen Gepäcktransport.

Jesús wünscht den Wanderern in Sarria, viel Glück für den Tag. Von hier starten viele Pilger, denn das ist die letzte Möglichkeit um die begehrte Compostela, die Pilgerurkunde, zu erhalten. Man muss für die Urkunde die letzten100 Kilometer bis Santiago zu Fuß, Fahrrad oder mit dem Pferd zurückgelegt haben. Jeder Tag bietet ein neues Bild. Esskastanien, Farne, Feigenbäume und uralte Eichen prägen die Landschaft. Prachtvolle Hórreos, Maisspeicher, die wie kleine Kirchen auf Stelzen gebaut sind, stehen wie eingesprenkelt in der Landschaft. Hier trocknet der Mais für Tiere unerreichbar. Angenehme Kühle empfängt einen in der Kirche von Santiago de Barbadelo, einer einfachen ländlichen Kirche mit der ältesten Christusdarstellung Spaniens an der Außenfassade. Das Halbdunkel im Kirchenschiff lädt zum Entspannen ein und wie in jeder Kirche gibt es einen Stempel in den Pilgerpass. In einem kleinen Dorf laden ein paar Plastikstühle auf der Terrasse einer Herberge zu einem Café con leche oder einem frischen Bier ein. „Buen Camino“ begrüßen sich die Pilger aus aller Welt, die vorbeischlendern. Und wieder wartet Jesús am Ende der Wanderung und bringt die Truppe nach Portomarín in ein Pousada, ein Hotel, das früher eine Pferdestation war. Die Nachmittagssonne zu einem Bummel ein. San Nicolás, die monumentale Wehrkirche ist wie eine Burg gebaut. Auf einem Zinnenturm ist ein verlassenes Storchennest zu sehen. 1962 wurde der Fluss Miño aufgestaut und das alte Portomarín versank im Stausee. Die Kirche und einige bedeutende Denkmäler wurden Stein für Stein abgebrochen und auf dem Hügel, dem neuen Ortszentrum, wieder aufgebaut. Die Nummerierung sieht man heute noch auf vielen Steinen. Auf den Stufen der Kirche sitzen Pilger mit Pflaster an den Wundgelaufenen Füssen und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Eine Katze gesellt sich dazu und liegt schnurrend auf den warmen Stufen. Pilger begrüßen sich und halten ein Schwätzchen, denn man trifft sich immer wieder auf dem Camino.  

Kein Tag gleicht dem anderen, immer wieder gibt es neue Eindrücke. Die Umrundung auf der römischen Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert, die den Ort Lugo umschließt, ist eine Wanderung der anderen Art. Von hier hat man einen schönen Blick über die Altstadt und durch die Fenster lugt man in manche Wohnungen. Es ist die einzige komplett erhalten römische Stadtmauer Spaniens. Jesús fährt zum Ausgangspunkt nach Arzúa. Die Wanderung führt durch eine abwechslungsreiche grüne Hügellandschaft nach Lavacolla. Bei dieser vorletzten Etappe nach Santiago macht sich langsam eine nervöse Erwartung breit. Übernachtet wird in „San Paio“ einer schlichten Zwei Sterne Unterkunft mit extrem guter Küche. Früher mussten hier die Pilger im Fluss ihr traditionelles Bad nehmen, um rein die Kathedrale zu erreichen. 

Endlich der letzte Tag, er beginnt mit einem stetigen langen Anstieg zum Monte del Gozo, der noch einmal die volle Kondition fordert. Je später es wird, umso mehr Pilger versammeln sich auf dem Weg.  

Vom Monte Gozo kann man die Kathedrale Santiago de Compostela ganz klein unten im Tal sehen. Ein paar kaputte Wanderschuhe stehen beim Abstieg am Straßenrand, sie wurden nicht mehr gebraucht. Dann heißt es noch eine Stunde Pflastertreten bis ins Zentrum zum Punkt „Null“, dem Stein vor der Kathedrale. Die Spannung steigt, was wird einen erwarten? 

Das große Finale. Ankommen in Santiago de Compostela, nach mehreren Wandertagen, auf uralten Pilgerwegen. Viele humpeln oder haben verbundene und mit Pflaster verklebte Füße. Und dann steht man winzig klein vor der zweitgrößten romanischen Kirche der Welt. Manche Pilger legen sich auf den Platz um so die barocke Außenfassade der Kathedrale besser sehen zu können. Eine Gruppe Radfahrer kommt an und umarmt sich vor Freude mit lauten Jubelrufen. Ein prominenter spanischer Pilger wird mit Spalier und Fahnen empfangen.  

Die Kathedrale ist so wichtig, weil dort Jakobus der Ältere bestattet ist, so sagt die Legende. Bewiesen ist, dass sich der Bischof Teodomir von Iria Flavia im Jahre 847 in der ersten Grabeskirche „an der Seite des geliebten Apostels“ bestatten ließ. Seitdem kommen die Pilger um die Krypta mit dem Reliquienschrein zu bewundern oder zu berühren.  

Um zwölf Uhr beginnt die Pilgermesse in der Kathedrale. Viele müssen stehen, die Kirche ist überfüllt, obwohl es 5000 Plätze gibt. Der Gesang der Kantorin in der perfekten Akustik lässt Gänsehaut vor Ergriffenheit aufkommen. Einige Pilger haben Tränen in den Augen, vor Anstrengung und Glück, aber wer kann das schon unterscheiden? Einige sind barfuss da, weil die Füße schmerzen. Der Bischof von Alba aus Italien ist anwesend, deshalb wird zur Feier des Tages der 35 Kilogramm schwere Botafumeiro, der Weihrauchkessel, als Danksagung an Jakob durch das Querschiff geschwungen.  

Im Mittelalter durften die Pilger bei Regen in der Kathedrale übernachten, da wurde der große Weihrauchkessel zur Geruchsneutralisierung geschwungen. Pilger, die die Compostela erhalten haben, deren Namen werden von der Kanzel gelesen. Nach dem Jakobsweg und der Messe macht sich eine nie gefühlte innere Kraft und Ruhe breit. Es ist geschafft, das Ziel ist erreicht. Die gute Mischung aus Pilgerweg mit Kunstdenkmälern und Zeugnissen tiefer Gläubigkeit hat einen ganz eigenen Erlebnischarakter. Jedem Pilger oder Wanderer gibt der Weg etwas Anderes. Früher haben die Pilger ihr religiöses Seelenheil am Grab des Apostels gesucht. Heute sind die Ziele der Pilger eher Konfliktbeseitigung, Selbsterfahrung und Selbstfindung. 

Unterwegs sein, ruhig werden, auf sich selbst hören. Den Weg gehen, trotz aller Bedenken.

 

Infos

 

Anreise www.iberia.com

 

Veranstalter DAV-Summit-Club, Am Perlacher Forst 186, 81545 München, Tel.: 089-64240-0, info@dav-summit-club.de, www.dav-summit-club.de

Pilgermenüs gibt es in vielen Restaurants in der Nähe der Unterkünfte für etwa 7 bis 10 Euro. Drei Gänge plus ein Getränk und Kaffee.

Unterkünfte auf dem Pilgerweg

1. Refugié Albergue de Peregrinos nur mit Pilgerpass möglich. Staatlich, von der Kommune oder Kirche. 3 bis 5 Euro. Manche sind auch kostenlos, dafür wird eine Spende erwartet. Man muss morgens zwischen 6:00 bis 8:00 Uhr die Herberge verlassen. Ankunft in den Herbergen 14:00 bis 22:00 Uhr. Wenn kein Platz mehr ist wird man in der Schule, Turnhalle oder ähnlich untergebracht. In der Regel gibt es kein Abendessen, aber eine Kochstelle.

2. Private Herbergen kosten 7 bis 11 Euro. Küche, Waschmaschine, Trockner und Kühlschrank. Start morgens zwischen 6 und 8 Uhr.

3. Privatpensionen

Zimmer mit Toiletten und Dusche, etwa 15 bis 18 Euros.

4. Hostal eine 1- bis 3- Sterne Unterkunft

Einfaches Hotel. Zimmer mit Dusche 25 bis 35 Euro pro Zimmer. Mit Halbpension 25 bis 35 Euro.

5. Pousadas

Alte Pferdewechsel-Stationen in historischen Gebäuden oder am historischen Platz.

6. Hotels 3 bis 5-Sterne,

7. Paradores staatliche Hotels in historischen Gebäuden.

Um die Compostela, die Pilgerurkunde zu erhalten, muss man die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer mit dem Fahrrad oder Pferd zurückgelegt haben. Stempel im Pilgerpass gibt es in Herbergen, Unterkünften, Tourismusbüros, Kirchen und Klöstern. Die Compostela gibt es im Pilgerbüro an der Kathedrale in Santiago. Den Pilgerpass gibt es unter anderem bei den deutschen Jakobusgesellschaften, die Deutsche Jakobus-Gesellschaft e.V., Tempelhofer Str. 21, 52068 Aachen oder bei der Düsseldorfer Stankt-Jakobusbruderschaft, Lützowstr. 245, 42653 Solingen.

An erster Stelle Spanier, gefolgt von Deutschen, Italienern und Franzosen. Argentinier, Peruaner, Chilenen, Brasilianern, Japanern und Koreanern. Die Hälfte der Pilger ist unter 30 Jahre alt. Die Gründe sind entweder kulturell, sportlich und spirituell. Einfach die Seele laufen lassen.

In den 80er Jahren waren es ca. 5.000 Pilger im Jahr

In den 90er Jahren etwa 12.000 Pilger im Jahr

Im Heiligen Jahr 1999 waren 50.000 Pilger unterwegs

Im Heiligen Jahr 2004 180.000 Pilger

2007 etwa 114.000 Pilger

1987 wurde der Camino de Santiago zum europäischen Kulturweg ernannt.

Souvenirs: Die Jakobsmuschel, Silberschmuck mit dem schwarzen Gagatstein, Azabachería, Tarta de Santiago – ein Mandelkuchen. Oliven, Olivenöl. Orujo – ein Tresterschnaps. Brujas, die Hexen von Galizien.

Literatur: Ich bin dann mal weg, Hape Kerkeling, Malik Verlag

Führer des mittelalterlichen Jakobsweges, Aimery Picaud, ein Mönch, der im 12. Jahrhundert lebte, schrieb den ersten Leitfaden für Pilger

Wer aufbricht, kommt auch heim, Peter Müller, von Eschbach Verlag

Der Umweg nach Santiago, Cees Nooteboom, Suhrkamp Verlag

Spanischer Jakobsweg, Cordula Rabe, Bergverlag Rother,

Der Spanische Jakobsweg, Dietrich Höllhuber, Werner Schäfke, Dumont Kunst-Reiseführer

Tod auf dem Jakobsweg, Kriminalroman, Petra Oelker, rororo Verlag

 

Gabi Dräger ReiseTravelEin Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

 

bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.  

 

Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

ReiseTravel aktuell:

Helgoland

Helgoland: Die Nordseeinsel liegt in der Deutschen Bucht, wird von etwa 1.400 Menschen bewohnt, besteht aus der Hauptinsel sowie der kleinen...

St.Petersburg

An der Newa: Die bekannten „Weiße Nächte“ beginnen Anfang Juni und dauern bis Mitte Juli. Deshalb bummeln auch nachts die...

Qufu

Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt: Konfuzius war ein chinesischer Philosoph zur Zeit der östlichen Zhou Dynastie. Er lebte...

Berlin

Pietät: Respekt und Ehrfurcht vor den Toten. Aktuell werden in der Bundeshauptstadt von den etwa 35.000 jährlich Verstorbenen fast die...

Budapest

Ungarn, Paprika, Piroschka, Puszta: Die Spezialität „Gänseleber“, die aus der Leber von etwa sechs Monate alten Gänsen...

Wertheim

Wertheim: Die mitwirkenden Manufakturen vereint die Liebe zum Handwerk, die Herstellung und Verarbeitung ihrer Produkte im Einklang mit Natur und...

Bukarest

Neuer Diesel und mehr Komfort: Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie liefern immer wieder willkommene Argumente für politische...

Seoul

Direkt nach oben: Die Unruhe in der deutschen Autoindustrie ist eine schöne Steilvorlage für ausländische Hersteller, die sich neu-...

Wien

Meinung: Ich finde den Betrag noch zu gering, aber auf jeden Fall ist er ein Anfang, um die Tages-Touristenströme eventuell etwas...

Helgoland

Helgoland: Auf der „1. Deutschen Inselkonferenz“ haben Politiker, Tourismusmanager und Experten beraten, wie sich die Zukunftschancen der...

ReiseTravel Suche

nach oben