Madeira

Die Insel der blauen Liebesblume

Wanderungen mit Blumen, unter diesem Motto führen die Wege im milden Klima am Atlantik, Vulkanbergen, Steilküsten, Canyons und Levadas entlang. Die grünen Lorbeerwälder und eine üppig protzende Blumenpracht geben Madeira die besondere Note.

Wo wird man vom milden Klima verwöhnt und vom Duft der Blumen bezaubert? Da gibt es nur eine Antwort: Madeira. „Blandy’s Garten“ ist nicht wirklich ein Garten sondern groß und schön wie ein Park, der einen auf die Blumenpracht der Insel einstimmt. Die Familie Blandy ist für Madeira so etwas, wie die Rothschilds für Deutschland. Für die seltene, rote Kamelie ist der Garten bekannt, aber die afrikanische Liebesblume, die Schmucklilie, die weiß und blau blühende Agapanthus, hat ihr wohl den Rang abgelaufen. Wörtlich übersetzt heißt der botanische Name "Agapanthus" Liebesblume. Die exotischen Blüten des Affenschreckbaums und Flaschenputzerbaums nehmen auch and dem Konkurrenzkampf der Schönheiten teil. Feuerminze, Nadelkissen- und Königsprotea zeigen ihre ausgefallenen exotischen Blüten.

Die exotischen Blüten des Affenschreckbaums und Flaschenputzerbaums nehmen auch and dem Konkurrenzkampf der Schönheiten teil. Feuerminze, Nadelkissen- und Königsprotea zeigen ihre ausgefallenen exotischen Blüten

  

Nadelkissenprotea in voller PrachtDie kurze oder die lange Tour? Jeder Morgen beginnt immer mit einer schweren Entscheidung. Deshalb gibt es auch zwei geprüfte Kultur- und Wanderführer. Andre Fischer ist aus Tirol und lebt seit 1989 auf Madeira. Er hat viele Jahre als Reiseleiter Erfahrungen in Brasilien gesammelt. Die alternative Tour leitet Luis Ramos, ein echter Madeirenser, der sehr gut deutsch spricht. Das Team ist perfekt, es kann losgehen.

Mit frisch gepflückten Erdbeeren von einem Feld oberhalb der Stadt Ribeira Brava, beginnt die erste Tour am Levada Norte. Ein Bauer, der gerade in seinem Erdbeerfeld arbeitet, hat die Beeren angeboten. Ein paar Schritte weiter am kleinen Wasserkanal, steht ein Levadahaus. Hier wohnt der Levadeiros, der für die Instandhaltung und auch für die stundenweise Wasserzuteilung verantwortlich ist. Das Wasser kommt aus dem Norden vom Encumeada-Passes und fließt bis nach Estreito Camera de Lobos, um in 500 Meter Höhe immer wieder die noch zahlreichen und mühsam angelegten Feldterrassen zu bewässern. Er muss ein Blumenliebhaber sein, denn er hat an der Levada Blumen zur Verschönerung angepflanzt.

Neben dem leichten Gefälle des Wasserlaufs wandert es sich gemütlich durch die blumenreiche Natur.

Neben dem leichten Gefälle des Wasserlaufs lässt es gut wandern. Das zwölf Uhr Glockenspiel der Kirche von Campanario unten im Tal wird per Lautsprecher übertragen und das ganze Tal und die Berge werden damit lautstark beschallt. Entlang der Levadas sprießt eine Pflanzenvielfalt aus Avocado- und Mistelbäumen. Leuchtend gelbe Kapuzinerkresse versucht den Natternkopf, den “Stolz von Madeira“, der seine blaue Blütenkerze in die Höhe streckt, farblich zu übertrumpfen. Der Stolz von Madeira ist das Wahrzeichen der Insel. Andres Leidenschaft sind die Blumen, man könnte ihn auch den „Blumenflüsterer“ nennen. An manchen viel begangenen Stellen nimmt der Bestand an Blumen ab. Da ist Andre zum Gärtner der Natur geworden, denn er kauft auf dem Markt Blumensamen und Stecklinge, die er dann unterwegs auf seinen Wanderungen wieder anpflanzt. Die Wanderung zum Cabo Girão, dem zweithöchsten Kliff der Welt, steigt stetig an und immer wieder leuchtet das Blau der Liebesblume in der Natur. 578 Meter stürzt die Steilküste in den Atlantik, tief unten liegt Funchal, die Hauptstadt der Insel, eingequetscht in einer Bucht. Die Südküste mit ihren vielen kleinen Städten zeichnet sich im Dunst ab. An den Steilwänden kleben kleine Terrassenfelder. Da der vulkanische Boden sehr fruchtbar ist, wird jede Fläche zum Anbau genutzt. Im Schutz der Felsen herrscht auf den kleinen Feldern ein tropisches Mikroklima und lässt Mangos, Papayas, Maracujas und Malvasier, die Edeltraube, reifen. Viele der Felder kann man nur seilgesichert erreichen und bearbeiten.  

Die Höhenangst bei Tiefblicken in der steilen vulkanischen Landschaft wird bei der nächsten Wanderung ins Zentralgebirge durch die mit Seilen gesicherten Wege genommen. Immer wieder führt der Weg durch einen Tunnel. Wolken wabern um die Gipfel, bis sie von der Sonne allmählich aufgelöst werden. Und immer wieder gibt es Blumen am Wegesrand. Die Fotografen und Blumenliebhaber der Gruppe kommen auf dem Weg unterhalb der markanten Picos das Torres kaum voran. Andre bringt eine Engelsgeduld auf. Dann folgt ein Weg, der sich in Serpentinen bis zum Refugio Pico Areeiro in 1810 Meter Höhe aufwärts windet, hier kann man Getränke und Kuchen kaufen. Bis zum Pico Ruivo, zum höchsten Punkt der Insel mit 1861 Metern, sind es nur noch ein paar Stufen. „Das muss man gesehen haben, das kann einem kein Film geben“, schwärmt eine Wanderin überschwänglich. Der Blick schweift über die Gipfel des Zentralgebirges bis zum Atlantik. Der Abstieg führt wieder am Refugio vorbei. Andre ist in seinem Element und erklärt: „In der Höhe wachsen Maiblumenbäume, Baumheide und Lorbeerbäume, die in der Lage sind Wolken zu melken, sie können Flüssigkeit aus der Luft aufnehmen. Durch die Luftströmung des Nordostpassats verdunstet sehr viel Flüssigkeit, die zu Nebel oder Wolken kondensiert.“ Am wartenden Bus endet die Wanderung. In Santana wird eine Pause eingelegt, denn der Ort ist bekannt für seine farbigen Holzhäuser mit ihren landestypischen Strohdächern. In der Abgeschiedenheit an der Nordküste wurden früher die Häuser mit dem gebaut, was vorhanden war. Holz gab es damals noch in Hülle und Fülle und Stroh gab es sowieso nach dem Dreschen. 

„Das ist meine Lieblingswanderung“, verkündet Andre strahlend. Die Wanderung beginnt in einem kleinen Fischerdorf Canical und geht an der Levada an der Nordküste entlang. Bananen und Trompetenbäume stehen neben Misteln mit gelben Früchten am Weg. Süßkartoffeln, Wein und Tabak werden angebaut. In der Bar „jacaré“, Krokodil, in der kleinen urigen Kneipe gibt es eine kleine Pause mit einem garoto, einem Espresso mit Milch. Bald zweigt der Weg von der Levada ab und führt über den Pass Boca do Risco, der kurzen Variante mit Luis Ramos, zur Steilküste. Der Ausblick ist gigantisch drei- bis vierhundert Meter stürzen sich die Felswände ins Meer. Der schmale, in den Felsen gehauene Weg zieht sich in einem blau-weißen Farbspiel von Himmel, Meer, Gischt und Wolken entlang. Früher wurde hier auf dem alten Weintransportweg, Wein bis zu 40 Litern in einem Ziegenschlauch nach Machico getragen. Wie soll es auch anders sein auch dieser Traumpfad ist gesäumt von vielen Blumen und durch Mimosenwälder gelangt man schließlich in die Weinanbaugebiete von Porto da Cruz. Die Winzerfamilie, Maria und Joao empfängt die Wanderer der kurzen und langen Tour, mit Süßkartoffelbrot, Käse und Oliven. Das Fleisch, das auf Lorbeerzweige aufgespießt ist und auf dem Grill brutzelt, wird von Leonel, dem Sohn überwacht. Dazu wird Madeira Wein gereicht, „saud“ für Prost. Dann greift Joao zur Castanhola, einem einfachen Holzinstrument und singt mit Maria ein paar rhythmische Volkslieder. 

Zum Abschluss gibt es noch einen Stadtbummel durch Funchal. Die Stadt hat ihren Namen vom Fenchel erhalten, der aber leider ein Opfer der Brandrodungen für den Zuckerrohranbau wurde. Den Weinanbau löste dann im Laufe der Zeit die Zuckergewinnung ab. Madeira ist schon lange ein begehrtes Reiseziel. Sissi, die österreichische Kaiserin und Churchill haben sich auf der Insel erholt. Heute ist mehr beeindruckend, das Christiano Ronaldo, in Funchal geboren ist und 2009 zum weltbesten Fußballer gewählt worden ist. Bei Fußball bekommt Andre leuchtende Augen, denn er ist begeisterter Fußballfan der einheimischen Mannschaft gern und nimmt während der Meisterschaft interessierte Wandergäste mit ins Stadion. In der Altstadt sind die Kirchen, Paläste, Herrenhäuser und Festungen zumeist aus dem 15. Jahrhundert und unterstreichen das Flair einer historischen, portugiesischen Hafenstadt mit maurischem Einfluss. Beeindruckend ist das vielfältige Angebot in den Markthallen mit fangfrischen Fischen, exotischen Früchten und Gewürzen. Und natürlich gibt es ein überwältigendes Angebot an Blumen. Auch im nahe gelegenen Stadtpark strotzt wieder die märchenhafte Blumen- und Blütenpracht, die für Madeira so typisch ist.

Infos: Beste Jahreszeit: Ganzjahresreiseziel

Anreise: Tab Air Portugal, tab.aero

Unterkunft: Das 4-Sterne Hotel Roca Mar liegt direkt am Atlantik, Tel. 00351-291-934600, hotelrocamar.com. Es gibt auf Madeira keine Sandstrände, dafür gibt es am Hotel Plattformen zum Sonnen und Leitern um im Meer zu schwimmen. Indoor- und Outdoorpool, Sauna, Whirlpool, großes Fitnesscenter und Tauchschule.

Allgemeines: Die Levadas erstrecken sich über ein Gesamtnetz von 2000 Kilometer. Das Wasser wird zum großen Teil vom niederschlagsreicheren Norden in den trockeneren Süden geleitet. Über 800 Meter Höhe ist in Madeira Naturschutzgebiet und darf nicht bebaut werden. Die Insel wird in drei Zonen aufgeteilt.  Die Subtropische Zone reicht bis 300 Meter, hier gedeihen tropische Blumen und Früchte. Danach folgt die Mediterrane Zone hier wachsen Kartoffeln, Gemüse, Erdbeeren, Kiwi. Als letztes kommt die Waldzone oder kalte Zone mit Baumheide, Erdbeerbäumen, Lorbeerbäumen.

Essen und Trinken: Espada, der schwarze Degenfisch aus der Tiefsee, ist preiswert und schmackhaft. Espetadas, Lorbeerspieße sind das madeirische Festtagsessen. Das Fleisch wird in Restaurant zum Schutz der Umwelt an Metallspießen gegrillt.

Poncha, das Nationalgetränk, ähnlich wie Caipirinha, besteht aus Honig, Zitronen- oder Orangensaft und Zuckerrohrschnaps ist sehr süffig und preiswert.

Madeirawein, ein hochprozentiger trockener Wein, den man zu Aperitif trinkt. Oder schwer und süß als Dessertwein.

Reiseführer: Madeira, von Irene Börjes, Michael Müller Verlag, 15,90 €, michael-mueller-verlag.de

Madeira, Die schönsten Levada- und Berwanderugnen, 50 Touren, Rother Wanderführer von Bergverlag Rother, rother.de.

Auskunft: ECEP Portugal Handels- und Touristikamt, Berlin, Tel. 01805004930, info@visitportugal.com, visitportugal.com

Veranstalter: DAV Summit Club, Am Perlacher Forst 186, 81545 München, Tel. 0049-89-64240-0, info@dav-summit-club.de, dav-summit-club.de. Für das Twin-Konzept gibt es auf Madeira zwei Kultur- und Bergwanderführer. Täglich wird eine kurze und eine längere Tour angeboten. Mit dem 2002 preisgekrönten „Twin-Konzept“ erleben auch sportlich unterschiedlich ambitionierte Partner bzw. Paare einen gemeinsamen Urlaub. Eine gute Idee ist der Umwelt Drecksack, den jeder Teilnehmer für Batterien und Plastik erhält.

Surfen: madeira-levada-walks.com , madeiratourism.org, madeiraislands.travel

Gabi Dräger ReiseTravelEin Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger

 

 

 

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