Leipzig

Leipzigs Geschichte als Buchstadt

In der Mitte des 15. Jahrhunderts erfand ein gewisser Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Gutenberg, aus Mainz den Druck mit beweglichen Lettern sowie eine Druckerpresse und revolutionierte damit die Lesewelt. Seine Erfindung bereitete dem gedruckten Buch den Weg  zum Massenartikel und breitete sich schnell von Europa über die ganze Welt aus. Sein Hauptwerk, die Gutenberg-Bibel bewundert man heute noch für ihre hohen ästhetischen Ansprüche und die gelungene technische Qualität. 1997 wurde Gutenbergs Buchdruck zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends gewählt.

Bereits vor Gutenberg begann Leipzigs Geschichte als Buchstadt mit dem Handel von Handschriften auf den Warenmessen. Schon im Jahr 1409 siedelten sich die ersten Frühdrucker im Umkreis der Universität an. Trotz der widrigen Umstände während des 30-jährigen Krieges entwickelte sich die Stadt rasch zu einem wichtigen Druckort und avancierte zu einem ernsthaften Konkurrenten des Buchmesseplatzes Frankfurt am Main. Schon im 18. Jahrhundert galt Leipzig als Zentrum des deutschen Buchdrucks und Buchhandels.

Ein eigenes Lied, komponiert im Jahr 1740 anlässlich der Dreihundertjahrfeier der Erfindung der Druckkunst veranschaulicht die Bedeutung der Stadt: "Paris und London zu beschämen und Amsterdam den Rang zu nehmen, das ist der Zweck, den diese Stadt beynahe schon erreichet hat.“ So lautet eine Strophe davon. Verwegene Worte? Keineswegs - durch die günstige geografische Lage und die liberale Zensur hatte sich Leipzig zu einem Standort entwickelt, welcher durchaus konkurrierende Buchzentren in Hamburg und Königsberg sowie Breslau und Augsburg zu übertrumpfen vermochte. Nicht ganz unschuldig an der rasanten Entwicklung war die Toleranz und Weltläufigkeit der Stadt Leipzig.

Mit der Gründung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler 1825 und der Einrichtung der Buchhändlerbörse 1836 gelang es den Leipziger Buchhändlern, die Buch-Branche verstärkt an Leipzig zu binden. Seit 1914 - nach der Internationalen Ausstellung für Graphik und Buchgewerbe - galt Leipzig als Mittelpunkt des Buchhandels und bot über 60.000 Beschäftigten in der Branche eine Chance zum Verdienst ihres Lebensunterhalts.

Die Reichsgründung 1871 veranlasste zwar immer mehr Verlage, sich in Berlin anzusiedeln. Aber noch immer befanden sich die gesamten buchhändlerischen und buchgewerblichen Organisationen in Leipzig. Auch in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts hielt Leipzig an seinem Selbstverständnis als Zentralort des Buchhandels und des Buchgewerbes fest.

Erst während des zweiten Weltkrieges, in dem die Zahl der Verlage und Druckereien durch Zerstörung, Enteignung, Schließung, Lizenzverweigerung oder Abwanderung der Besitzer stark vermindert wurde, hatte die Stadt als Weltmetropole in Sachen Buch aufgehört zu existieren. 

Der Aufbau nach 1945 war schwer, Leipzig erreichte nie mehr ihre einstige Bedeutung aus der Vorkriegszeit. Dennoch - für Ostdeutschland blieb Leipzig weiterhin eine Stadt des Buches mit leistungsfähigen Druckereien und bedeutenden Verlagen. Nach der Teilung Deutschlands übernahm die Rolle Leipzigs für Westdeutschland Frankfurt am Main mit einer eigenen Buchmesse.

Zahlreiche Zeitzeugen im sogenannten Grafischen Viertel, dem einstigen Herzstück,  aber auch im Stadtzentrum erinnern heute noch an das Mekka des Buchhandels vor dem ersten Weltkrieg. 

Leipzig Tourismus - Augustusplatz 9, D-04109 Leipzig

Tel. +49 (0) 341 7104, info@ltm-leipzig.de - www.leipzig.de

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

Leipzig war zwei Jahrhunderte Deutschlands Buchstadt Nummer eins: Vor allem die günstige geographische Lage und die liberale Zensur machten es möglich. Hier wurde 1825 der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet, fanden die wichtigen Buchmessen statt, hier wurde mit der Deutschen Bücherei die erste National­bibliothek geschaffen und entstanden Ausbildungs­stätten für Buchhändler, Buchdrucker und Buchgestalter. Es bildete sich ein besonderes Geflecht von Verlagen, Kommissionsbuchhandlungen, Antiquariaten und gra­phischen Betrieben heraus, das als „Leipziger Platz“ international bekannt wurde.

Die Repräsentanten des Leipziger Buchwesens verliehen der geistigen und wirtschaftlichen Bedeu­tung ihrer Unternehmen sichtbaren Ausdruck durch prunkvolle Vereinsbauten, Verlagshäuser, Druckereipaläste, aber auch durch ebenso eindrucksvolle Privathäuser und Villen. Auch wenn Kriegszerstörungen, Abrisse und Fremdnutzungen das Graphische Viertel spürbar verändert haben, lassen sich noch zahl­reiche Spuren der einst weltberühmten Firmen, wie Reclam, Insel, Brockhaus, Teubner, Breitkopf & Härtel, Edition Peters, Brandstetter, Koehler & Volckmar, finden. Reiches Bildmaterial ergänzt diesen faszinierenden Spaziergang durch eine versunkene Zeit.

Die Germanistin und freie Autorin Sabine Knopf, die seit Jahren Führungen zur Buchgeschichte in Leipzig macht, stellt nun auch in einem Buch die einsti­gen Stätten der weltberühmten Firmen, die Villen ihrer Besitzer, die Produktionsorte und legendären Veranstaltungslokalitäten vor. Zugleich porträtiert sie die heutigen Treffpunkte in der Buchstadt: von der neuen Buchmesse über das Haus des Buches, das Museum für Druckkunst, die Deutsche Nationalbibliothek bis zur Hochschule für Grafik und Buchkunst. Historisches Bildmaterial und mehrere Karten machen den handlichen Reiseführer zu einem kenntnisrei­chen und kundigen Begleiter durch das Leipzig der Buchkultur.  

Buchstadt Leipzig - Der historische Reiseführer - Sabine Knopf, Ch. Links Verlag D-10435 Berlin, ISBN 978-3-86153-634-5, www.christoph-links-verlag.de - www.historische-reisefuehrer.de

Das Buch kostet im Buchhandel 14,90 Euro.

Sabine Erl ReiseTravelEin Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Unsere Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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