Burghausen

Burghausen - die längste Burganlage Europas

2011 dreht sich Bayern um König Ludwig II. und seine Schlösser. Anlässlich des 125. Todestages des Märchenkönigs findet die Bayerische Landesausstellung unter dem Thema „Götterdämmerung“ auf seinem herrlichen Schloss Herrenchiemsee statt.

Nächstes Jahr wird es eine Burg sein, die im Rahmen der Landesausstellung 2012 in den Mittelpunkt rückt. Die gemeinsame Landesausstellung des Freistaates Bayern und des Landes Oberösterreich befasst sich unter dem Motto „Verbündet, Verfeindet, Verschwägert“ mit der gemeinsamen Geschichte zweier Länder in der Zeit vom 8. bis zum 14. Jahrhundert. Einer der drei Ausstellungsorte ist die majestätische Burg im oberbayerischen Burghausen.

Burghausen  ist eine pittoreske, florierende Stadt in Oberbayern und hat ihren Namen von der hoch über ihr thronenden Trutzburg als herausragendes Wahrzeichen der Stadt, umschmeichelt von den Flussläufen der Salzach. Ein ausgedehnter Spaziergang durch die mit 1.051 Metern längste Burganlage Europas bietet nicht nur einen zauberhaften Blick auf die mittelalterliche Burghausener Altstadt, die als Ensemble unter Denkmalschutz steht. Farbenfroh zeigen sich große für das Inn-Salzach-Gebiet typische Bürgerhäuser. Der Stadtplatz wird geprägt von mehreren imposanten pastellfarbenen Häusern wie dem Rathaus oder der Stadtpfarrkirche. Eine Künstlergasse und die Fußgängerzone mit zahlreichen liebenswerten Läden und Straßencafes lohnen einen Spaziergang durch die kleinen Straßen.

Lang ist der Weg bis zum eigentlichen Ziel – der Hauptburg

Hoch über den Dächern in der Burg befinden sich heute mehrere attraktive Museen, sowie eine Galerie. Im ersten Innenhof, der logischerweise als der sechste Burghof gekennzeichnet ist, wohnten einst die Handwerker und Beamten, welche im Falle eines Angriffs als erste den Eindringlingen zum Opfer gefallen sind. Ein markanter Punkt ist hier der bunt bemalte Uhrturm aus dem 16. Jahrhundert. Heute erwartet den Besucher dort in der Nähe das Haus der Fotografie – das Dr. Robert-Gerlich-Museum mit ständigen Ausstellungen zur Geschichte der Fotografie in Bild und Technik, am Ende der Burg, in der Hauptburg befinden sich die reichhaltigen Sammlungen des Stadtmuseums Burghausen.

In ihrer Historie stoßen wir auf berühmte Namen wie Heinrich den Löwen, die Reichen Herzöge von Landshut, den Geschichtsschreiber Aventin oder auch Napoleon. Beeindruckend sind die zahlreichen Türme - ob der Prechtlturm, der sowohl Rainer Maria Rilke und lange vor ihm den Burghauser Scharfrichter beherbergte, der Folterturm oder das Aventinhaus, in dem 1510 der Aventin genannte bayerische Geschichtsschreiber Johannes Turmair lebte.

Der ehemalige Wehrturm diente als Wohnhaus des bayerischen Aventin

Der Nagelfluhfelsen, auf dem die Burg erbaut ist, ist ein Millionen Jahre altes Gestein, das sich durch die Vermischung von Wasser, Kies und Sand als natürliches Bindemittel entwickelt hat. Frostbeständig und betonähnlich. Der Felsen, von drei Seiten außerdem noch durch den Fluss Salzach im Osten und Süden und am Westhang durch den Wöhrsee umzingelt, bot bereits den Kelten Schutz. Sie ließen sich im 2. Jahrhundert hier nieder. Später wurde der erhöhte Platz durch die Agilolfinger Herzöge besetzt, deren Amtssitz aus dem 11. Jahrhundert von den Burghausener Grafen zur Burg ausgebaut wurde. Auch im Besitz Heinrichs des Löwen befand sich die Burg, dem Gründer der bayerischen Landeshauptstadt München und wurde - nachdem dieser bei Barbarossa in Ungnade gefallen war - Eigentum der Wittelsbacher. Sie lenkten beinah 1000 Jahre lang die Geschicke Bayerns.

Durch viele Tore muss der Besucher gehen

Nach der ersten Teilung Bayerns 1255 mauserte sich die Festung Burghausen zur zweiten Residenz neben Landshut. Besonders die Reichen Herzöge Heinrich der Reiche (1393-1450), Ludwig der Reiche (1450-1479) und Georg der Reiche (1479-1503) investierten in ihren Zweitwohnsitz. Eine rein politische Schutzmaßnahme war die Hochzeit zwischen Georg dem Reichen von Bayern-Landshut und der Königstochter Hedwig von Polen.  Alle vier Jahre feiert man dieses Ereignis immer noch im Rahmen der Landshuter Hochzeit. Obwohl es keine Liebeshochzeit war, soll es eine ausgesprochen harmonische Ehe gewesen sein. Zeit zum Streiten blieb wohl auch nicht viel. Nach der Heirat im Jahr 1475 verbrachte Hedwig 27 Jahre in Burghausen umgeben von ihrem Hofstaat und verstarb 1502. Das bestätigt wohl die Vermutung, dass die Reichen Herzöge Burghausen gerne genutzt haben, um ihre Ehefrauen hierher abzuschieben.

Vielleicht auch nicht verwunderlich angesichts dieser Tatsache ist, dass die Ehe ohne männlichen Erben blieb, eine enorme Belastung mit schwerwiegenden Folgen. Laut Erbvertrag sollte das Herzogtum dann an Oberbayern fallen, was Georg der Reiche durch ein Testament zu verhindern versuchte. Er setzte kurzerhand seine Tochter Elisabeth als Erbin ein, verheiratete sie mit dem Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz und hoffte, die Sache sei somit erledigt. Allerdings hatte er da die Rechnung ohne den Maximilian gemacht. So endete eine der prächtigsten Hochzeiten des Mittelalters mit weit über 10.000 Gästen in einem Fiasko – dem Landshuter Erbfolgekrieg 1503/1504, in dem ja bekanntlich die Niederbayern den Kürzeren gezogen haben.

Im 16. Jahrhundert verlor Burghausen an Bedeutung und diente als Prinzenwohnung für die Söhne Albrechts IV., des Weisen. Von 1763 bis 1891 nutzte man die Burg als Garnisonsunterkunft. Während dieser Zeit erlebte sie noch einmal ein sehr kurzes Highlight während des Besuches Napoleons 1809.

Highlights für den Besucher heute sind neben der Stadt und der Burg auch die zahlreichen typisch bayerischen Biergärten ringsum oder das nahe gelegene Zisterzienserkloster Raitenhaslach mit der über 800 Jahre alten Klosterkirche sowie die Wallfahrtskirche St. Maria Himmelfahrt in Marienberg, welche liebevoll die „Perle des Salzachtales“ genannt wird. Sie gilt als schönste Rokokokirche Bayerns.

Einzigartig in der Region sind außerdem die berühmten Plättenfahrten auf der Salzach. Als Plätten bezeichnet man Nachbauten der mittelalterlichen „platten“ Salzkähne, mit denen das Weiße Gold von Hallein verschifft wurde.

Burghauser Touristik GmbH - Stadtplatz 112, D-84489 Burghausen, Tel. +49 (0) 8677 887-143, touristinfo@burghausen.de - www.tourismus.burghausen.de

 

Sabine Erl ReiseTravelEin Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

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