Hallstatt

Am schönsten ist das Original Hallstatt im Salzkammergut

China hat ein Double des Dorfes Hallstatt am Hallstätter See: Das Salzkammergut besitzt das Original. Gemeint ist das idyllische Alpendorf Hallstatt in Österreich. Allein schon, dass sich die Chinesen die Mühe gemacht haben dies maßstabgetreu - inklusive des Kirchturms, des Dorfplatzes und der pastellfarbenen Häuser - zu imitieren, beweist uns doch, dass es sich um ein besonders schönes Fleckchen Erde handeln muss.

Und so ist es auch, die spätgotischen Bürger- und Handwerkerhäuser formen zusammen mit der umgebenden Landschaft die weltbekannte, traumhafte Silhouette des Marktes Hallstatt. Am schönsten ist und bleibt einfach Original. Allerdings wurde Hallstatt aus einem anderen Grund in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Im österreichischen Hallstatt hatten bereits die Bewohner der älteren Eisenzeit ein ausgeklügeltes System für den Salzbergbau. Die Funde gaben einer ganzen Kultur ihren Namen – der Hallstattkultur.

Hallstatt

Die berühmte Panoramaansicht auf die Silhouette von Hallstatt

Der Schliemann Hallstatts, der Bergmeister Johann Georg Ramsauer, entdeckte im Jahre 1846 ein ausgedehntes Gräberfeld am Ausgang des Salzbergtales. Es gilt als eines der bedeutungsvollsten Entdeckungen für die urgeschichtliche Forschung. Mit einer gigantischen Fundstätte von über 2000 Gräbern und 16000 Beigaben wurde es zum Patenort für eine Zeitepoche und die damit eng verbundene beherrschende Kultur während der frühen Eisenzeit vom 8. bis zum 5. Jahrhundert vor Christus. Das Ausdehnungsgebiet der Hallstätter Kultur reichte von Ostfrankreich bis Westungarn, von Süddeutschland, Tschechien und der Slowakei bis in das nördliche Jugoslawien.

In der Urgeschichtsforschung werden Fundgruppen gleicher Prägung zu Kulturen zusammengefasst. Und mit dem Namen eines bedeutenden Fundortes benannt. So schlug der Kulturhistoriker Hans Hildebrand (1842-1903) beim Internationalen Kongress für Anthropologie und prähistorische Archäologie 1874 in Stockholm vor, die Epoche der mitteleuropäischen Funde der frühen Eisenzeit nach Hallstatt zu benennen. Dieser Begriff wird bis heute zur internationalen Verständigung benutzt.

In Hallstatt findet man zahlreiche Spuren des prähistorischen Bergbaues unter Tage. Die konservierende Eigenschaft des Salzes macht diese Fundstellen besonders interessant. Holz, Felle Leder, Textilien und alles Organische blieb lebensecht erhalten. Die herausragenden Fundstücke lassen die damalige Lebenssituation und Nutzung des Lebensraumes als Wohn- und Wirtschaftsraum wieder aufleben.

Vor 250 Millionen Jahren war Hallstatt am Rand des Tethys-Meeres, eines urgeschichtlichen Ozeans und hatte eine Jahresdurchschnittstemperatur von 28 Grad. Zurück blieb ein Salzstock, der bei der Plattenverschiebung der Erde hochgedrückt wurde. Wenn man sich vorstellt, dass die Menschen bereits vor 7000 Jahren 160 Meter tief in den Berg eingedrungen sind, um dieses begehrte weiße Gold namens Salz abzubauen, eröffnet sich die kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Platzes. Man nimmt an, dass bereits damals bis nach Italien von hier aus mit dem Salz Handel betrieben worden ist. Darauf lassen auch einige Fundstücke schließen, die der Besitzer eines Sportgeschäftes in Hallstatt in seinem Keller entdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Hallstatt

Den Hallstätter Blick in die Zukunft bietet uns das Beinhaus

Hallstatt liegt übrigens auf einer Halbinsel, welche durch einen seit 10000 Jahren bestehenden Wasserfall durch Schotterablagerungen entstanden ist. Es gibt hier keine Pfahlbauten im Wasser – wo oft vermutet - da der See dafür viel zu tief wäre. Die heutige idyllische Seestraße existiert erst seit 100 Jahren. Früher handelte es sich um einen schmalen, gefährlichen Weg. Deswegen benutzte man lieber die Wege, die am Berg entlang führten. Wobei man allerdings gelegentlich schon mal durch den Dachstuhl eines Hauses gehen musste, welches ins Gestein hinein gebaut wurde. Da die Häuser nach oben hin gebaut werden mussten, kann es außerdem schon mal passieren, dass man um die 280 Stufen zurücklegen muss, um an die Eingangstür klopfen zu können.

So ist das weltliche Leben hier der Enge des Geländes stark unterworfen. Aber auch im Jenseits ist Platz Sparen angesagt. Weshalb es hier in Hallstatt ein Beinhaus gibt, scherzhaft und einigermaßen makaber der „Blick in die Zukunft“ genannt. Auch nach dem Tod hatten die Bewohner Hallstatts noch mit Platzmangel zu kämpfen. Die Toten auf dem Friedhof liegen zu lassen, das war nicht möglich. So wurden gleich daneben im Totengräberhaus die Schädel der verstorbenen gebleicht, konserviert und im Beinhaus fein säuberlich geordnet und mit Namen versehen aufgestapelt. Bemerkenswert ist auch die Bergmannkirche mit dem aus Lindenholz geschnitzten, an Pacher angelehnten spätgotischem Altar.

Hallstatt mit seinen 800 Einwohnern besitzt vier Ortsteile und ein ausgedehntes Höhlensystem, von dem bisher 100 Kilometer erforscht sind. Darunter auch die Hierlazhöhle, entdeckt vom Lockner Schorsch, der mittlerweile einhundert Jahre alt ist und früher zu den berüchtigten Wilderern zählte. 

Anreise: Mit dem Auto von Salzburg her kommend über die B 158 – Bad Ischl, von Wien auf der A 1 bis Regau, dann über die B 145 nach Bad Ischl. Achtung: Bei der Benützung österreichischer Autobahnen fallen Mautgebühren an, mit der Bahn über Bad Ischl, mit dem Flugzeug nach Linz/Hörsching, Graz/Thalerhof, Salzburg oder München.

Salzkammergut Tourismus, Salinenplatz 1, A-4820 Bad Ischl, info@salzkammergut.at, www.salzkammergut.at

ReiseTravel Fact: Wer kennt sie nicht schon aus Bildern im Internet, den Medien oder von Postkarten, die Traumlandschaft Hallstatt und Hallstätter See. Die einzigartige Atmosphäre und Bedeutung begeistert nicht nur geschichtlich interessierte Menschen, sondern auch Liebhaber traumhafter Landschaften und architektonischer Meisterwerke. Hallstatt kann man getrost als Ort bezeichnen, den man in seinem Leben gesehen haben sollte.

Das Innere Salzkammergut, der historische Kern, wurde auf die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe gesetzt, zu den Gemeinden der UNESCO-Zone zählt auch Hallstatt, die der Hallstätter Kultur ihren Namen gab. Ob die Menschen damals mit der landschaftlichen Schönheit des Salzkammergutes etwas anfangen konnten, wer weiß. Die ursprüngliche Bedeutsamkeit der Region jedenfalls begründet sich auf dem weißen Gold. Auch später nahm das Salz im Salzkammergut einen hohen Stellenwert ein. Beginnend mit Bad Ischl nahm der Tourismus im Salzkammergut seinen Lauf. Künstler wie Gustav Klimt entdeckten die zauberhafte Landschaft für sich oder auch der Komponist des Weissen Rössl, der die berühmte Blumenthal-Villa in Bad Ischl erbauen ließ.

Was gibt es sonst noch zu sehen: Kaiserliches Bad Ischl, Filmstadt Gmunden, Leckeres aus dem Rauchhaus, Genussweg für GourMinis, Das neue Weiße Rössl, Das Glück finden am Fuschlsee, Droben auf der Gruberalm, Ebenau bei Fuschl und seine Mühlen, Handwerk hat goldenen Boden, Via Artis – es lohnt sich. Gute Reise.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Sabine Erl 

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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