Münster

Es gibt bereits zwei Millionen E-Bikes, aber noch keine eine Million E-Autos

Fahrräder sind trendy: Es gibt sie so gut wie für jeden Zweck und jede Zielgruppe. Selbst Manager können mittlerweile damit vor der Firmenzentrale vorfahren, ohne belächelt zu werden. Im Gegenteil: Ihnen ist sogar gesellschaftliche Anerkennung sicher.

Der zunehmende Fahrradverkehr bereitet selbst der deutschen Fahrradhochburg Münster Probleme, bietet nach Einschätzung von Experten aber auch große Chancen für den Stadtverkehr der Zukunft. Und mit dem Pedelec werden sogar Radschnellwege zwischen mehreren Orten denkbar.

DVR Seminar: „Es gibt bereits zwei Millionen E-Bikes, aber noch keine eine Million E-Autos“, erläuterte Gunnar Fehlau, Pressedienst-Fahrrad Göttingen www.pd-f.de  , zum Seminar des DVR - Deutscher Verkehrssicherheitsrat, unter dem Thema: Zweiratsicherheit in Deutschland. Längst sind Pedelecs (bis 25 km/h) vom belächelten Seniorenprodukt zum Lifestyle-Accessoire aufgestiegen. Und sie sind in den verstopften Innenstädten der Metropolen schnell und effizient.

Stephan Böhme, Amt für Stadtentwicklung und Verkehrsplanung Münster www.stadt-muenster.de  , referierte über die "Fahrradhauptstadt Münster". Münster hat sehr früh die Grundlagen für eine Förderung des Fahrradverkehrs gelegt, stößt aber mit zunehmender Nutzung und parallel gestiegenem Autoaufkommen immer öfter an seine Grenzen. Es gibt Stellen in der Stadt, in denen über 1.500 Radfahrer in einer Stunde gezählt werden. Die Radwege sind im Laufe der Jahre zu schmal geworden, was vor allem bei Überholmanövern zur Gefahr wird. Das gilt sowohl für den Radweg selbst als auch für die Straße. Leider sieht die Straßenverkehrsordnung keinen gesetzlich vorgeschrieben Mindestabstand vor, wenn ein Pkw-Führer einen Radfahrer überholt. Es bleibt beim allgemeinen Hinweis, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten ist. Der beträgt nach gängiger Juristeneinschätzung in der Regel rund anderthalb Meter.
So sind nach Angaben von Dipl. Ingenieur Stephan Böhme über 40 Prozent aller in Münster verunglückenden Verkehrsteilnehmer Fahrradfahrer. Mit einem umfangreichen Verkehrssicherheitsprogramm versucht die Verwaltung zusammen mit Partnern Prävention zu betreiben. Unfallhäufungsstellen wurden entschärft, das Radwegenetz wurde einer kompletten Revision unterzogen und das Geschwindigkeitsniveau auf den Hauptverkehrsstraßen abgesenkt. Dazu wurde eine Vielzahl von baulichen Maßnahmen und Markierungen umgesetzt. Ergänzend wurden diverse Kampagnen zu bestimmten Fehlverhaltensmustern entwickelt, Kino- und Radiospots geschaltet und im Rahmen von Schwerpunktaktionen die Überwachung verstärkt und Aufklärung geleistet.
"Bei so viel Radverkehr bleibt es nicht aus, dass es zu Unfällen kommt, bewegt sich da doch neben Autos und Fußgängern eine durchaus nicht gerade langsame weitere Verkehrsart im engen Straßenraum und das eher intuitiv und individuell. Da Radfahrer keine Knautschzone haben, tragen sie im Falle eines Unfalls in der Regel die Verletzungen davon. Über 40 Prozent der im Straßenverkehr zu Schaden Gekommenen sind Radfahrer", sagt Böhme und unterbreitete ein umfangreiches Verkehrssicherheitsprogramm der Stadt Münster.

Münster: Flächenmäßig die 7. größte Stadt in Deutschland und mehr als jeder 2. verfügt über ein Auto. Fast 40 Prozent der Wege der Münsteraner werden mit dem Fahrrad erledigt. Grundlage hierfür ist das dichte Radwegenetz sowie viele Einrichtungen, die das Fahrrad als Verkehrsmittel unschlagbar machen, was das Erreichen insbesondere von Zielen in der Innenstadt anbetrifft. Dem entsprechend nutzen nicht nur Schüler und Studenten das Rad auf dem Weg zu Schule oder Universität, sondern auch Bürgerinnen und Bürger aller Altersklassen, ob auf dem Weg zum Einkauf, zur Arbeit oder in der Freizeit und das Sommer wie Winter. Das Fahrrad, oder die Leeze wie die Münsteraner sagen, ist ein voll anerkanntes Verkehrsmittel.

90 Prozent aller Radfahrer sind auch Autofahrer und umgekehrt natürlich auch.

Zweiratsicherheit in Deutschland ReiseTravel.eu

"Da Radfahrer keine Knautschzone haben, tragen sie im Falle eines Unfalls in der Regel die Verletzungen davon".

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Rad fahren hält gesund, schont die Umwelt und den Geldbeutel und benötigt weit weniger Platz als der Autoverkehr. Radverkehr muss angesichts der aktuellen Entwicklung „neu definiert und neu dimensioniert“ werden, meint auch Franz P. Lindner vom Kölner Planerbüro Südstadt. Der Öffentliche Personennahverkehr erreiche in vielen Städten bereits seine Kapazitätsgrenzen. Mit der Ausrichtung auf eine fahrradfreundlichere Infrastruktur können Kommunen hier Entlastung schaffen. Und Geld sparen könnten sie auch, denn eine autofreundliche Infrastruktur benötigt mehr Fläche und kostet mehr.

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat darauf reagiert und Radwege planerisch den Landesstraßen gleichgestellt. Es hat sieben Projekten für einen 101 Kilometer langen „Ruhrschnellweg“ für Radler angeschoben. Und auch Münster arbeitet an der Idee stadtnaher regionaler Fahrradwege für Pendler aus dem Umland.
ReiseTravel Fact: So wie die Kommunen mit der Entwicklung nicht Schritt gehalten haben, hinken viele Radfahrer noch mit dem eigenen Problembewusstsein hinterher. Rad fahren ohne Licht gilt vielen immer noch nur als Kavaliersdelikt, 80 Prozent sind mit zu wenig Luft im Reifen oder schlecht geölter Kette unterwegs, wie Gunnar Fehlau feststellt. Alle Referenten zum DVR Seminar Zweiratsicherheit in Deutschland betonten die Wichtigkeit: Radfahren. Fahrrad fahren hält fit, ist gut für die Umwelt, schont den Geldbeutel und macht Spaß. Leider ist Radfahren nicht ungefährlich. Vielerorts nimmt die Straßengestaltung wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse des Radverkehrs. Durch fehlende passive Sicherheit können Stürze und Kollisionen auch bei niedrigen Geschwindigkeiten schwere Folgen haben. Der DVR - Deutscher Verkehrssicherheitsrat hatte mit seinem Seminar: Zweiratsicherheit in Deutschland ein aktuelles Thema gewählt und lag damit in der "Fahrradhauptstadt Münster" genau richtig. www.dvr.de

Tipp: Von mangelhaften oder auch nur schlecht eingestellten Bremsen einmal ganz abgesehen. Vor jeder Fahrt sollte die Prüfung der Funktionstüchtigkeit aller wichtigen Teile daher selbstverständlich sein. Die eigene Sicherheit fängt schon beim Kauf an: mit der Wahl des individuell geeigneten Fahrrads. Ein Helm sollte ebenso selbstverständlich sein. In der dunklen Jahreszeit können zusätzliche Reflektoren am Rad oder an der Kleidung lebensrettend sein. Auch eine clevere Streckenwahl kann die eigene Sicherheit erhöhen. Notfalls sollten auf regelmäßigen Fahrten ein, zwei Kilometer und ein paar Minuten mehr einkalkuliert werden, wenn es sich dadurch weit entspannter Radeln lässt und allzu dichter Autoverkehr umgangen werden kann, betont Gunnar Fehlau www.pd-f.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher.

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