New York

Ob man Fotos des New Yorker Broadway oder Times Square von 1950 anschaut oder von heute – dominierend sind auf allen Straßen der US-Metropole stets die Yellow Cabs: Große gelb gestrichene Taxi Limousinen!

New York: Die gelben Taxis sind vom Aussterben bedroht, berichtet die „New York Times“. Denn andere, der jungen Handy-Generation zugeordnete Unternehmungen haben einen regelrechten Siegeszug in der US-Metropole angetreten. Könnten diese – etwa Uber, Via, Lyft, Juno, Gett – auch in deutschen Großstädten so einschneidend und prominent Fuß fassen wie in New York?

Aber erst einmal Historisches: Als das Zeitalter der Pferdekutschen in großen US-Städten allmählich zu Ende ging, legte der Geschäftsmann Harry N. Allen den Grundstein für eine absolut neue Industrie. Er importierte eine Reihe kleiner, hellrot gestrichener Autos aus Frankreich und eröffnete mit ihnen 1907 den ersten Taxistand vor dem New Yorker Hotel „Plaza“. Die Wagen waren damals bereits mit Geräten ausgerüstet, die den Preis aufgrund der zurückgelegten Strecke errechneten. Auf das hellere, offensichtlich auch sichtbarere Gelb kam dann 1915 in Chicago John Hertz, Gründer der noch heute unter diesem Namen existierenden und seit Langem schon weltweit agierenden Mietwagenfirma. Es dauerte dann aber doch noch bis ins Jahr 1967, bevor das strahlend auffällige Gelb auch offiziell zur Farbe der New Yorker Taxis erhoben wurde – durch Gesetz.

1937 hatte die Stadt rund 16.000 „cabs“, wie die Abkürzung für Taxis in New York lautet. Das waren zu viele, wie die damalige Stadtverwaltung erkannte, und sie machte durch strenge Verordnungen dem zügellosen Treiben und Fahren der Taxichauffeure einen Strich durch die Rechnung. Taxis mussten nunmehr lizenziert werden, für viel Geld, das in das New Yorker Stadtsäckel floss – bis zu einer Millionen Dollar pro Wagen. Trotzdem florierte das Geschäft – für den Einzelfahrer, die Taxigesellschaft und natürlich die Stadt.

Bis jetzt. Zu Neujahrsbeginn 2016 waren in New York 13.587 „Yellows“ registriert. Doch diese die Straßen der US-Stadt am Hudson so dominierenden „Gelben“ unterliegen der Schwindsucht: Die Zahl der täglichen Taxifahrten ging während der letzten sechs Jahre um mehr als 100.000 (pro Tag, wohlgemerkt!) zurück. Die „New York Times“ nennt weitere erschreckende, das „gelbe Gewerbe“ bedrohende numerische Details: Den knapp 14.000 „Yellows“ stehen über 60.000 „Schwarze“ gegenüber, Taxis der Neuzeit also, die ihre Existenz vorwiegend der modernen Handy-Gesellschaft verdanken. Allein 46.000 Wagen hat Uber registrieren lassen, ein amerikanisches Erfolgs-Unternehmen, das weltweit Fuß zu fassen versucht, aber in Deutschland rechtlich (noch sehr) umstritten ist. „Es wird nicht mehr all zu lange dauern, dann ist aus Gelb-NewYork das Schwarz-NewYork geworden“, urteilt Professor Evan Rawley von der Columbia Business School – und sagt damit geradezu das „Ableben“ der berühmten New Yorker „Yellows“ voraus.

Die „Neuen“ sind vielfach nicht nur flexibler, sondern preislich auch viel günstiger. Sie bieten ihren Fahrern verlockende Arbeitsbedingungen, darunter günstige Stundenarbeitszeiten und Prämien auf die Einnahmen. Die „Gelben“ wehren sich natürlich, haben ihre eigenen Apps für die handysüchtige moderne Gesellschaft entwickelt und stellen sich entschlossen den Konkurrenten. Die sind nicht selten unschlagbar – wie etwa Via, wo für ganz Manhattan jede Fahrt nicht mehr als fünf Dollar kostet.

Das wird kaum durchzuhalten sein, zeigt aber Wirkung. Immer mehr „Gelbe“ werden aus dem Verkehr gezogen, sodass schon von „Taxi-Friedhöfen“ gesprochen wird. Die Neuen, die Lieblinge der Handy-Generation, sind in New Y zweifelsfrei auf dem Vormarsch:

Uber verzeichnete im Oktober 2016 in New York über 220.000 tägliche Nutzer, Lyft knapp 36.000, Via kam auf 21.698 Fahrten, Juno 20.426 und Gett 7.227. Wie gesagt – pro Tag. Einige dieser "Neulinge" sind inzwischen so erfolgreich, dass sie von New York aus in andere US-Großstädte expandiert haben, darunter Chicago und Washington.

Natürlich lässt sich diese Entwicklung nicht automatisch auf Deutschland übertragen. Hier beispielsweise gelten weitaus strengere Richtlinien für die Personenbeförderung als in den USA.  Aber, aber . . . was hat hier nicht doch alles aus den USA kommende Fuß fassen können!

ReiseTravel Fact: In Deutschland begann die Geschichte der Taxis bereits im 17. Jahrhundert mit den Sänften. Sie waren "Personenbeförderungsmittel" schon 1617 in Paris, ab 1668 dann auch in Berlin. Am 1. Januar 1668 ordnete Kurfürst Friedrich Wilhelm an, dass in seiner Residenz jeweils 12 Sänften bereit zu stehen hatten. In Leipzig gab es um diese Zeit sogar schon ein "Reglement für Sänftenträger". Als sich das Straßenwesen besserte und ausgebaut worden war, hatten überall in Europa Mietkutschen, auch Fiaker oder Droschken genannt, ihre Premiere. Sie hatten teilweise auch schon Taxameter, vorwiegend von der Firma Jacob Kienzle serienmäßig hergestellt. 1911 gab es in London bereits 7.000 mit Benzinmotoren betriebene Taxis, in Paris 5.000, in Berlin 2.000. In Berlin gibt es heutzutage zwischen 7.000 und 8.000 Taxis.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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