Washington

Auch Boeings 747 vor dem Ende

Der Kunde ist König – diese sicherlich ziemlich abgedroschene Weisheit findet nunmehr – und das doch überraschend – in der Luftfahrt ihren Widerhall. Denn neben dem „Beinahe-Tod“ der Airbus A380-Modelle, immerhin doch in seiner technischen Modernität und Passagier-Bequemlichkeit das Beste überhaupt auf seinem Gebiet, wird nunmehr auch das „Aus“ der Jahrzehnte älteren Boeing 747 sogar offiziell angekündigt.

Damit wird eine Revolution der Luftfahrt-Mobilität angekündigt: Großraum-Jets dieser Klasse sind nicht mehr gefragt. Weder bei der Airlines-Industrie noch beim Passagier. Die – um es vorsichtig zu formulieren - „Vorbehalte“ der internationalen Luftfahrt dürfen dabei durchaus als Eingeständnis eigenen Versagens gewertet werden, als katastrophale Fehleinschätzung des Marktes und seiner Zukunft. Denn es ist noch keine fünf Jahre her, da wurden den Riesen der Luftfahrt goldene Zeitalter vorausgesagt – man bedenke dabei nur die teure „Umrüstung“ vieler Flughäfen, die völlig neue Gates und dafür notwendige Abfertigungsanlagen installierten. Selbst der noch immer nicht fertige BER – Berlins neuer Flughafen – berücksichtige diesen Trend. 

Doch das gilt heute plötzlich nicht mehr. Denn ganz anders als bisher prognostiziert werden nicht Mega-Flughäfen wie Frankfurt, Peking, London oder Atlanta von einem geradezu phänomenalen Zuwachs des Passagierverkehrs profitieren, sondern Nonstop-Verbindungen zwischen „normalen“ Städten. Und auf solchen Routen bedarf es keiner A380 oder 747. Dafür kommen statt der teuren und unwirtschaftlichen Vierstrahler „Zweimotorige“ in Frage, wie der Airbus A350 oder entsprechende Boeing-Modelle, etwa die 787. 

Durch die neueste Bestellung von 20 A380 plus 16 Optionen durch die arabische Emirats Airlines ist Airbus noch einmal um das schon angekündigte endgültige „Aus“ seines Spitzenmodells herum gekommen. Aber die überraschende Boeing-Entscheidung verheißt weder Gutes noch Zukunft für „die Großen“:

Von der Boeing 747 müssen und können nur noch 20 Exemplare gebaut werden, wenn keine neuen Bestellungen eingehen. Deshalb hat 747-Verkaufschef Ray Conner soeben angeordnet, die Produktion ab September 2018 geradezu einzudampfen – Ladenhüter stellt man einfach nicht mehr her. Dabei war s gerade Conner, der mit der modernisierten 747 der Bezeichnung 747-8 die Zukunft dieses Superjets sichern wollte. Absolute Fehlkalkulation: Statt einer geplanten Jahresproduktion von 20 Jets wird auf fünf bis sechs gedrosselt – was unrentabel und kostspielig wird und deshalb dem endgültigen „Aus“ sehr nahe kommt. 

Die Boeing 747 war 1969 als „Königin der Lüfte“ gefeiert worden und zu ihrem Erstflug gestartet. Mit ihren rund 400 Sitzplätzen auf zwei Decks – Doppelstöckigkeit in der Luft! - stellte sie eine Sensation, die Einmaligkeit dar. Seitdem wurden davon in verschiedenen Versionen 1 500 Maschinen verkauft – lediglich noch 37 sind in den jetzigen Auftragsbüchern zu finden. 

Auch Airbus fand bis Mitte Januar 2018 für seine A380 nicht genügend Kunden, um das Großraumprojekt langfristig und damit gewinnbringend zu garantieren. Deshalb sprach Vertriebschef John Leahy geradezu erschreckende Worte: „Wenn wir nichts Neues aushandeln können, gibt es keine andere Wahl, als das Programm einzustellen“. Volle zwei Jahre lang hatte es keine neuen Aufträge gegeben. Da platzte am 17. Januar 2018 bei Le Bourget, der größten Luftfahrtmesse der Welt, der Knoten: Emirates bestellte 20 neue A380 und gab zudem eine Option für weitere 16 Maschinen ab. Leahy dazu voller Freude und unverhohlener Überraschung, übrigens kurz vor seiner Pensionierung: „Damit können wir die A380 ein weiteres Jahrzehnt lang herstellen“. Werden die Optionen in Käufe umgewandelt, wird der Super-Airbus bis 2030 gebaut. Wobei sich bisher, und das muss unterstrichen werden, bisher keine andere Airline interessiert gezeigt hat.

Also bleibt die Feststellung, dass Jumbos geradezu zukunftslos sind. Und das, obwohl sich der weltweite Flugverkehr alle 15 Jahre verdoppelt und deshalb – so eine Boeing-Analyse – bis 2036 mindestens 41.000 neue Passagier- und Frachtjets benötigt werden.

ReiseTravel Fact: Der größte Bedarf besteht zu 72 Prozent an Mittelstreckenjets mit nur einem Mittelgang. Das zeigte auch die Show in Le Bourget. Dort wurden vorwiegend Mittelstreckenmaschinen der Typen Boeing 737MAX und Airbusmodelle der Reihe A320neo bestellt. Aber auch Langstreckenflieger wie die beiden Boeings 777 und 787 sowie Airbus A350 fanden Käufer. Das aber sind ausnahmslos wirtschaftliche, profitable Zweistrahler.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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