Berlin

Diese Thematik stößt bei nicht wenigen Menschen, selbst Fachwissenschaftlern, auf Ablehnung und Unverständnis: „Passiert viel zu selten“, so die Meinung!

Neue Technologie: Im Bemühen, das Autozeitalter zu verlängern und den individuellen Wagen noch „selbstständiger“ zu machen, fallen den Innovatoren immer neue Möglichkeiten ein – nämlich beim autonomen Fahren. Eines selten erwähnten und deshalb besonders heiklen Themas allerdings widmen sich nur wenige Automotive Erfinder – aber sie sind, wenn auch weniger augenscheinlich, äußerst aktiv. Ihr „neuester Schrei“: Das nicht selten tödlich endende Vergessen eines Kindes auf der Rückbank, besonders bei sommerlich-hohen Temperaturen.

Diese Thematik stößt bei nicht wenigen Menschen, selbst Fachwissenschaftlern, auf Ablehnung und Unverständnis. „Passiert viel zu selten“, so die eine entsprechende Meinung, „kein Bedarf“ die andere. Dem wiederum widersprechen einige Sachverständige mit Vehemenz, Janette Fennell etwa, Präsidentin der US-Kinderschutzorganisation KidsandCars. Sie in der „New York Times“: „Dass Eltern ihre Kinder lieben, steht doch außer Frage – aber man kann den Leuten nicht beibringen, nicht vergesslich zu sein“. Ihr zur Seite steht David Diamond, Neurologe der University of South Florida: „Polizisten haben schon ihre Pistole vergessen, die sie beim Gang auf eine öffentliche Toilette abgelegt hatten – also können Eltern auch ein Kind auf dem Rücksitz vergessen, wenn sie beispielsweise schnell etwas Kleineres einzukaufen haben. Es ist das Hirn, und dort die Zusammenarbeit zwischen Gewohnheit und Erinnerung“.

Bisher sind nur wenige Autohersteller bekannt, die sich dieses Problems ernsthaft annehmen. Zu ihnen gehören Hyundai, General Motors und Nissan. Sie arbeiten zusammen mit spezialisierten Zulieferern. Zu ihnen gehört, wie ebenfalls der „New York Times“ zu entnehmen war, IEE in Luxemburg, bekannt durch Sensoren-Entwicklungen. Das entsprechende System firmiert unter der Bezeichnung VitaSense und ist in der Lage, geringste Bewegungen oder verhaltenstes Atmen zu registrieren. Selbst ein schlafendes Kind auf der Rückbank wird „entdeckt“ - und beim Anlassen des Motors oder auch schon beim Verlassen des Autos wird ein Alarmsignal ausgelöst. Das kann die Hupe sein, der blinkende Scheinwerfer plus Rücklicht, es ist sogar möglich, einen Alarm an ein Handy oder einen Laptop zu senden. 

Kinderschutz-Präsidentin Janette Fennell ist begeistert: „Es gibt Buzzer und Warnhinweise für alles mögliche, selbst dafür, dass ich nach dem Tanken meinen Tankverschluss nicht richtig geschlossen habe – also muss es so etwas doch auch für viel Wichtigeres geben“.

Im US-Kongress ist die entsprechende Technologie auch schon zur Sprache gekommen – mehr noch: Einige Gesetzentwürfe, die sich mit selbstfahrenden Autos befassen, enthalten Paragrafen, die der Autoindustrie vorschreiben, entsprechende Kinderschutzsensoren in künftige Neuwagen zu integrieren. Vor der Verwirklichung allerdings liegt noch ein langer, vielleicht sogar steiniger Weg!

Die US-Statistik: Allein im bisherigen Verlauf des Jahres 2017 sind in den USA 41 Kinder gestorben, weil sie in überhitzten Autos zurückgelassen worden waren. Seit 1990 kamen über 800 Kinder unter solchen Umständen ums Leben.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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