Berlin

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge blickt die Branche in die Zukunft

85.000 mehr verkaufte Neuwagen: Deutschland ist für den Bau von sehr guten und attraktiven Fahrzeugen bekannt. Jeder siebente Arbeitsplatz hängt vom Auto ab. Dazu zählen nicht nur Pkw, sondern auch Nutzfahrzeuge, Busse und Traktoren. Neben den Fahrzeugbauern kommt dem deutschen Kraftfahrzeuggewerbe eine große Funktion zu. Schließlich werden Fahrzeuge gewartet, repariert und weiterverkauft. Im Jahre 2014 waren 462.000 Mitarbeiter in technischen und kaufmännischen Bereichen im deutschen Kfz-Gewerbe tätig. Das ist im Vergleich zum Jahr davor ein leichter Zuwachs von 2.000 Beschäftigten. Besonders hervorzuheben ist, diese Branche nimmt die Ausbildung von jungen Menschen sehr ernst. Insgesamt befinden sich aktuell 90.700 Auszubildende in einem Betrieb der Kfz-Innung. Das macht ein Plus von 3,7 Prozent aus im Vergleich zu 2013. Im neuen Ausbildungsjahr 2014, das traditionell im September beginnt, fingen allein 27.000 junge Menschen eine Ausbildung an.

Ulrich Fromme, der Vize-Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe, sagte, seine Branche habe auch lange darum „kämpfen müssen, auf die Attraktivität der Berufe in den Kfz-Bereichen hinzuweisen.“ Es scheint so, dass die Zeiten, wo Jugendliche unbedingt nur Bankkaufmann werden wollten und sonst nichts, sich dem Ende neigen. Das die jungen Menschen wieder entdecken, eine Ausbildung im sogenannten „Blaumann“ bietet Arbeitsplatzsicherheit und große Aufstiegschancen, bis hin zum Leiter eines Kfz-Betriebes. Im Kfz-Bereich wird nicht abgebaut. Insgesamt blieb die Zahl der Betriebe 2014 mit Blick auf 2013 konstant. Man zählt in der Branche gesamt 38.500 Betriebe, die sich wie folgt aufteilen: 17.500 sind fabrikatsgebunden und 21.000 freie Werkstätten. Die Jahresbilanz aller Werkstätten ist zweigeteilt, einerseits erfreuliche und anderseits weniger erfreuliche Zahlen vermeldete Jürgen Karpinski, Präsident Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes e. V. (ZDK). Die guten Zahlen kamen aus dem Bereich des Verkaufs. So setzte die Branche bei neuen und gebrauchten Fahrzeugen insgesamt 147,8 Milliarden Euro um. Das entspricht einem Plus von 6,6 Prozent. Im Jahr 2013 verkauften die Kfz-Betriebe Neu- und Gebrauchtwagen im Gesamtwert von 138,6 Milliarden Euro. In Fahrzeugen ausgedrückt bedeutet das, 2014 gab es auf deutschen Straßen 85.000 Neuwagen mehr als 2013. Der Neuwagenbereich für sich allein betrachtet überstieg im letzten Jahr wieder die 50 Milliardengrenze, erstmals sogar die 55 Milliardengrenze. Für 55,7 Milliarden Euro verkaufte die Branche neue Fahrzeuge an den Kundenstamm. Das sind sowohl Privatkunden als auch Gewerbetreibende, Behörden und Freiberufler. Das Plus von 3,7 Milliarden Euro in diesem Sektor im Vergleich zum Umsatz von 52 Milliarden Euro in 2013 ist besonders dem verstärkten Verkauf an Autovermietern zu verdanken. Im Bereich der Verkäufe an Privatkunden ist ein Absinken seit Jahren zu beobachten. Kauften 2010 noch 42,7 Prozent private Kunden alle in Betrieben des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes gehandelten Neuwagen waren es 2013 nur noch 36,2 Prozent. Diese Kunden greifen immer häufiger auf gute gebrauchte Autos zurück. Jürgen Karpinski wies auch daraufhin, das Thema Carsharing habe keinen hohen wirtschaftlichen Stellenwert für seine Branche. Das liegt daran, zum einen müssten sich ja auch diese Betriebe Autos anschaffen und diese gelegentlich reparieren lassen. Es liegt darin begründet, „außerhalb von ganz bestimmten Vierteln in München und Berlin spielt Carsharing keine Rolle.“ In ländlichen Gebieten ist dieses Geschäftsmodell, dass sich mehrere Familien ein Auto regelrecht teilen, schon aus geografischen Gründen nicht umsetzbar. In Kfz-Werkstätten werden auch Beulen repariert. Von einer „Beule, einer Delle“ sprach der Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes im Hinblick auf den kostenintensiven Servicebereich. In den Werkstätten befinden sich hochwertige, oft computergesteuerte Anlagen. Die Werkstattmitarbeiter müssen bezahlt werden, unabhängig davon wie hoch die Auslastung des Reparaturbetriebes ist. Die Umsätze im Servicebereich betrugen 2014 fast 30 Milliarden Euro. Das war eine Milliarde weniger als 2013. In Prozenten betrug der Rückgang 3,4. Der Rückgang hat zahlreiche Ursachen. Einerseits bauen die Hersteller immer bessere Fahrzeuge, die immer seltener gewartet werden müssen. Anderseits spielte das Wetter den Werkstattbesitzern und ihren Mitarbeitern nicht gerade in ihre Karten. Milde Winter führen zu weniger witterungsbedingten Unfallschäden. Insgesamt rechnen die Branchenvertreter mit einem „verhaltenen Optimismus“ für das jetzige Wirtschaftsjahr. Die Zahl der Neuzulassungen werde bei 2,95 Millionen Fahrzeugen liegen. Für den Sektor des Gebrauchtwagenhandels gehen die Experten von einer Stabilität von 7 Millionen Besitzumschreibungen aus. Im Feld des Kfz-Service geht man von Zahlen aus, die sich Ende 2015 so erweisen werden wie am Ende des Jahres 2014. Es heißt nicht grundlos „Des einen Freud, des anderen Leid“, das gilt auch für das gesamte Kfz-Gewerbe. Natürlich erfreut es die Werkstattmeister nicht, wenn Autohersteller immer bessere Autos auf den Markt bringen. Diese Neuwagen beanspruchen weniger Wartung und sorgen für weniger Umsätze in den Reparaturbetrieben. Die Verbraucher sehen mit großer Freude diesen Umstand. Am Ende der Kette können aber vielleicht sich beide Seiten freuen. Zahlreiche Werkstätten handeln ja auch mit Neu- und Gebrauchtwagen. Das Geld, das der Kunde für kostenintensive Reparaturen und Wartungen einst ausgab, investiert er nun in sein schneller angeschafftes Neufahrzeug oder den besseren und damit teureren Gebrauchten. www.kfzgewerbe.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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