Berlin

Was wohl handhabt (!) der Durchschnittsmensch tagtäglich und fast jeden Orts? Und sind die damit zweifelsfrei verbundenen Strahlungen nun gefährlich oder doch (hoffentlich) nicht?

Geringes Risiko: Das Handy – ob zu Hause oder auf Reisen, Tag oder Nacht: Es ist in der Regel stets griffbereit oder in Reichweite, vielfach am Ohr, und selbst viele Flüchtlinge, die (angeblich) keine Zeit hatten, Ausweis oder Pass mit zu nehmen – das Handy fehlt selten.

Dieser Gebrauchsgegenstand ist seit seiner Einführung um 1996 medizinisch umstritten, denn seine Strahlungen – selbst in ausgeschaltetem Zustand – könnten schädlich sein, Tumore verursachen, schlimmstenfalls Krebs hervorrufen. Dazu gibt es dutzendfach wissenschaftliche Studien, Für und Wider – aber jetzt liegen zwei neue wissenschaftliche Gutachten vor, die als die umfassendsten und glaubwürdigsten überhaupt gelten. Mehr als ein Jahrzehnt und rund 25 Millionen Dollar investierten amerikanische Wissenschaftler in Tierversuche mit Ratten und Mäusen, um zu dem Ergebnis zu kommen: Das Strahlungsrisiko ist gering . . . aber!

Diese „Aber“ der amerikanischen Fachleute, so auch die „New York Times“, sollte nicht unterschätzt und die damit verbundenen Empfehlungen sollten berücksichtigt werden:

0 Dauernd am Handy zu „hängen“ sollte vermieden, verringert werden – je weniger benutzt, um so besser,

0 Freisprechanlagen sind auf jeden Fall zu bevorzugen, sodass das Handy nicht für lange Zeit gegen den Kopf gepresst wird,

0 und ganz aufs Handy sollte dann verzichtet werden, wenn das benötigte Signal – was ja auch Strahlung bedeutet – sehr schwach ist.

0 Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien nimmt diese Empfehlungen sogar zum Anlass für eine weitere Richtlinie: Statt zu sprechen besser zu schreiben, das Handy also so weit wie möglich von Kopf und Körper entfernt halten. Da sollte vor allem beim Empfang oder Versenden längerer Textteile berücksichtigt werden.

0 Die Kalifornier weiter: Beim Schlafen das Handy nicht in Kopfnähe legen und es nach Möglichkeit in Hand- oder Aktentasche, nicht am Gürtel oder in Hosentasche mit sich führen.

Es mag widersprüchlich klingen – das Risiko ist gering, Vorsicht aber trotzdem geboten. Dieses „Nicht-genau-festlegen-wollen“ ist sehr vielen wissenschaftlichen Studien eigen. Vor allem dann, wenn aufgrund von Tierversuchen auf den menschlichen Körper Bezug genommen wird – wie im Fall dieser Handystrahlen-Untersuchung.

Die Versuchstiere der beiden Studien waren täglich neun Stunden – und das für zwei Jahre! - Handystrahlungen ausgesetzt. „Allein deshalb“, so der Wissenschaftler John Bucher von der US-Behörde für Strahlungsforschung (National Toxicology Program), „können die Erkenntnisse nicht direkt auf den Menschen übertragen werden“. Auch hier wieder typisch – er schwächte seine Meinung durch das eingefügte „direkt“ ab – Vorsicht ist eben in der Wissenschaft immer geboten. Eindeutiger wird da schon Joel Meskowitz, Direktor für Gesundheitsstudien der University of Berkely/California: „Trotz der mit den Studien verbundenen Zweifel sollte die Regierung nachdenken und die Handystrahlungen weiter unter die Lupe nehmen“.

An den Studien beteiligte männliche Ratten entwickelten häufiger als weibliche Herztumore – das „Warum?“ dazu ist bisher nicht zu beantworten. Annahme jedoch: Weil die männlichen Tiere größer sind und deshalb mehr Strahlung absorbierten. Überrascht waren die amerikanischen Wissenschaftler auch von der Tatsache, dass die Strahlungen bei vielen der beteiligten Tiere auch zu DNA-Schäden führten – das war solchen Strahlungen bisher absolut nicht „zugetraut“ worden.

Rätsel also bleiben. Diese beiden Studien jedoch werden in den USA die Grundlage für weitere Experimente und Untersuchungen sein.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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