Goslar

Killing me softly. Macht das autonome Fahrzeug Autoversicherer überflüssig?

Goslar Diskurs: Im Straßenverkehr dem Autopiloten das Steuer zu überlassen, ist noch Zukunftsmusik. Doch was bedeutet es für Versicherungen und Verbraucher, wenn zukünftig autonome Fahrzeuge die Straßen beherrschen?

Wer haftet im Falle eines Unfalls oder bei einem Ausfall der Technik?

Wie ist das autonome Fahrzeug mit dem Datenschutz vereinbar, wenn das intelligente Auto quasi per „Flugschreiber“ vollständig überwacht ist?

Grundlegend verändern wird sich angesichts immer intelligenterer Autos die Frage der Haftung bei Unfällen. Zum Thema diskutierten Dr. Thomas Funke Rechtsanwalt für Kartellrecht, Werner Hülsmann Vorstandsmitglied der Datenschutzvereinigung Deutschland, Guido Reinking Publizist und Experte für Automobilwirtschaft, Gerhard Steiger Vorsitzender des Bereichsvorstandes Chassis Systems Robert Bosch GmbH, Klaus-Jürgen Heitmann Vorstandsmitglied der HUK Coburg Versicherungsgruppe. Die Gesprächsrunde wurde moderiert von Carola Ferstl.

Video unter www.goslar-institut.de

Goslar Diskurs: Der Publizist Guido Reinking warnte die Industrie in diesem Zusammenhang vor allzu großer Eile: Der erste Unfall eines komplett autonomen Autos werde für einen gewaltigen Image-Schaden sorgen. Zumindest die Infrastruktur für die Assistenzsysteme und die Vernetzung von Auto zu Auto ist nach Ansicht des Datenschutz-Experten Werner Hülsmann kein Problem. Auf weiten Teilen der Autobahnen seien Kapazität und Tempo der Netze bereits ausreichend, das Tempo beim Schließen von Lücken werde schlicht von den Marktmöglichkeiten bestimmt: Bei entsprechender Nachfrage und guten Umsatz-Chancen gehe das sehr flink. "Daten sind das neue Gold, jetzt ist der Streit um die Schürfrechte entbrannt", so die Meinung.

Wer trägt die Schuld, wenn ein autonom fahrendes Auto einen Unfall verursacht - und wer muss diesen Fall der Fälle finanziell absichern? Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Versicherungen, wo doch die selbstfahrenden Pkw eigentlich die Unfallzahlen gegen Null bringen sollen? Und: Wie lange wird es denn überhaupt noch dauern, bis Autos ohne Lenkrad ausgeliefert werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Experten am Diskussions-Abend 'Goslar Diskurs' am Rande des Verkehrsgerichtstags.

Eine der großen Hoffnungen im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren ist die auf drastisch sinkende Unfallzahlen, letztlich auf null Verkehrstote. Klingt eigentlich logisch angesichts der Tatsache, dass derzeit rund 90 Prozent der Unfälle von Menschen verursacht werden. Doch HUK Coburg-Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Heitmann dämpfte zu große Erwartungen. Das hochgelobte Google-Auto fahre in Sachen Unfallhäufigkeit derzeit noch schlechter als der durchschnittliche deutsche Autofahrer. Und: Die wenigsten Unfälle gebe es auf der Autobahn, dem Ersteinsatzgebiet der "Autonomen", die meisten in der Stadt. Heitmann jedenfalls rechnet mit sehr langfristigen Veränderungen beim derzeit stagnierenden Rückgang der Unfallzahlen.
Problem: Derzeit müssen die Versicherer noch eine eigene Datenerfassungs-Box installieren, weil die Hersteller sie nicht an die Bord-Daten heranlassen wollen. Anwalt Funke bezeichnet den momentanen Stand als "Wild-West-Phase - es gilt das Recht des Stärkeren". Derzeit gebe es überhaupt noch kein Eigentumsrecht an den selbst produzierten Daten, sondern nur eines an Datenträgern. "Es wird Zeit, dass wir anfangen, das zu regeln", so der Jurist.

ReiseTravel Fact: Die Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e. V. in Goslar widmet sich im Sinne einer Medien- und Verbraucherberatung propädeutischen Fragen des Versicherungswesens. Versicherungsdienstleistungen sind keine selbsterklärenden Produkte. Sowohl bezogen auf die versicherbaren Bedürfnisse von Verbrauchern als auch auf die unterschiedlichen Angebote der Versicherungswirtschaft bedarf es einer fachlichen Einschätzung, die nicht voraussetzungslos möglich ist.

Goslar Institut - Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e. V., Breite Straße 13, D-38640 Goslar, Tel.: 05321-339961, www.goslar-institut.de 
Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher.

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