Berlin

Bisher hat sich noch niemand von jenen mit Ruhm bekleckert, die im letzten Jahrzehnt mit dem BER befasst waren, dem künftigen Berliner Großflugplatz. BER-Muller: Kommt jetzt endlich ein Fachmann zum Zuge?

BER: Wobei hier einmal nicht die Politik gemeint ist, die sowohl aufseiten Berlins als auch Brandenburgs absolut und geradezu abenteuerlich versagt hat. Nein – es geht um diejenigen, die immer wieder als „Experten“ vorgestellt, eingekauft und schnell wieder gefeuert wurden.

Hier scheint sich jetzt der ewig düstere Himmel über dem BER aufzuhellen – durch den neuen, so eben berufenen X-ten Betriebsleiter, Patrick Muller – ja, mit „u“. Dessen Biografie gibt zu großen Hoffnungen Anlass, weil er der erste am BER ist, der Fliegen und Luftfahrt und Flugplätze quasi von der Pike auf studiert und praktiziert hat. Er gilt als selbstständiger Berater und Planer – allein dieses Novum schon macht Hoffnung.

Als gebürtiger Lothringer ist der heute 57jährige Muller mit zwei Muttersprachen aufgewachsen, deutsch und französisch. Er hat in Mainz studiert und begann seine Flughafenkarriere 1989 bei Air France in Frankfurt/Main. Dort war er bis 2005 Verkehrsbetriebsleiter. Er wechselte dann in gleicher Eigenschaft zum Flughafen Heathrow, dem größten der sechs Londoner internationalen Flugplätze – mit einer Jahreskapazität von 75 Millionen Passagieren. Zwei Jahre lang war Muller dann Flugbetriebsleiter am King Abdul Aziz International Airport in Saudi Arabien.

Aber mit Blick auf seine Berufung nach Berlin und seine Aufgaben am BER ist Mullers Tätigkeit ab 2008 als Geschäftsführer Operation am International Airport im Emirat Katar von besonderer Bedeutung. Schon 2006 war der Flugplatz der Emirats-Hauptstadt Doha an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Deshalb wurde mit dem Bau des neuen Flugplatz begonnen, nur fünf Kilometer vom alten entfernt. Er sollte ursprünglich 2009 eröffnet werden. S o l l t e – doch, BER-Nachtigall ick hör` dir trapsen, die Eröffnung musste viermal verschoben werden. Der volle Flugbetrieb wurde schließlich am 27. Mai 2014 aufgenommen.

Diese Katar-Erfahrungen Mullers können der Sache BER nur dienlich sein – hier steht schließlich Vergleichbares an.

Wobei Hamad International in Doha/Katar mit einer Kapazität von 24 Millionen Passagieren im Jahr und nur einem Terminal nicht direkt mit dem BER der Zukunft verglichen werden kann. Der BER soll schon zur Eröffnung im Oktober 2020 zwei Terminals haben, denn die Bauarbeiten am T2, die seit einiger Zeit im Gange sind, sollen bis dahin abgeschlossen sein. T2 soll eine Jahreskapazität von sechs Millionen Passagieren haben, sodass Gesamt-BER auf eine Kapazität von knapp 30 Millionen kommen könnte. Tegel war bei Baubeginn für 12 Millionen Passagiere ausgelegt worden, 2016 wurden hier 21,3 Millionen gezählt.

Muller ist neben seiner Flugplatz-Berufung auch Diplom-Übersetzer. Seine Hobbys sind Golfen und Tauchen – privat hält er sich sehr bedeckt.

Er wird sich außer der Problematik am BER aber auch mit weiteren nicht geringen Unwägbarkeiten befassen müssen, obwohl diese nicht direkt in seinen Verantwortungsbereich fallen. Da etwa sind die ungelösten Probleme des Zugangs zum BER, der zwar eine Autobahnanbindung hat, die jedoch jetzt schon – also ohne BER – unzulänglich ist. Denn sowohl die A113 als auch die BER-Zufahrt über die Route Adlergestell sind bereits heute von Staus geplagt, die frühmorgens beginnen und bis in den späten Abend andauern. Ein an dieser A113 liegender Tunnel muss zudem häufig geschlossen werden – wegen Überfüllung.

Noch einmal: Das alles schon jetzt, ohne BER!

Die Politik der beiden zuständigen Länder Berlin und Brandenburg schert das überhaupt nicht. Da wird auch auf diesem Verkehrssektor so plan- und ziellos drauflos gewurschtelt wie bisher.  Aber müssten sich nicht auch der derzeitige Flugplatzchef Lütke Daldrup und sein neuer Betriebsleiter Muller intensiv mit so etwa befassen? Sie wollen ja schließlich eines Tages einen Flugplatz betreiben, den ihre Klientel auch erreichen kann . . .     

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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