Berlin

Die Sachverständigen überschlagen sich mit Prognosedaten, Studie nach Studie erscheint, Reise- und Mobilitätsexperten rätseln ob der Frage: Wann fährt das Auto ohne Benzin und Diesel!

Benzin, Diesel, Kraftstoff: Wann ist, schon allein des vermeintlichen Umweltschutzes wegen, der Elektroantrieb vorherrschend? Wahrscheinlich früher als Sie denken“, über titelte kürzlich die „New York Times“ einen entsprechenden Artikel, aber enttäuschte dann doch mit einer Antwort: „Zwischen 2025 und 2030“ - also doch noch nicht, wie man der Überschrift hätte unterstellen können, morgen oder übermorgen. Die von dem angesehenen amerikanischen Blatt genannten Jahre stammen aus einer neuen Studie der US-Forschungsgruppe „Bloomberg New Energy Finance“, die auch von folgenden Voraussetzungen dafür ausgeht: Dass die heutzutage noch sehr hohen Preise für Elektroautos schneller sinken als allgemein erwartet, weil auch die Batteriesysteme billiger und billiger werden, und weil vor allem in China und Europa geradezu aggressiv für das Aus von Benzin und Diesel geworben wird. „Wenn das alles geschieht“, so die „New York Times“, „könnte die Massenproduktion (von Elektroautos) schnell folgen“. Die Bloomberg-Studie strotzt geradezu vor Optimismus: Um 2040 bereits könnten elektrisch betriebene Autos und solche, die als „Hybrids“ gelten – also batterie- wie wahlweise auch Kraftstoffbetrieben – weltweit 54 Prozent des Kraftfahrzeugmarktes ausmachen.

„Knackpunkt“, so urteilen auch NASA-Spezialisten, sind tatsächlich die Batterien, was sowohl deren Reichweite als auch Preis betrifft. Erfolge sind zu verzeichnen. So sind Lithium-Ionen-Batterien seit 2010 im Preis um rund Zweidrittel gesunken, auf etwa 300 Euro pro Kilowattstunde. Um 2030, so die Bloomberg-Analyse, dürfte dieser Preis bei nur noch etwa 70 Euro liegen. Das setzt nicht einmal, so Bloomberg weiter, „einen größeren technologischen Durchbruch voraus“. Vielmehr müsse die Automobilindustrie weltweit lediglich dem Beispiel Teslas folgen und Batterien massenhaft und fließbandweise herstellen.

Tesla: Das ist ein US-Unternehmen, das 2003 mit dem alleinigen Ziel gegründet worden war, Elektroautos en masse zu bauen, also eine Art elektrisches Volkswagenwerk. Das erste entsprechende Modell war der Tesla Roadster, gebaut zwischen 2008 und 2012. Er war auch das erste Auto überhaupt, das mit einer Lithium-Ionen-Zelle betrieben wurde – das sind elektrische Systeme, wie sie auch in Laptops zum Einsatz kommen. Diesem Roadster folgte die Oberklassenlimousine Model S, wovon zwischen 2012 und 2016 immerhin 100 000 Exemplare verkauft werden konnten. Als Ableger kam ein Flügeltüren-SUV (Model X) auf den Markt, und das nunmehr zur Verfügung stehende kleinste Elektroauto – das Modell 3 – soll weltweit den Durchbruch schaffen und dem Unternehmen Tesla, das offensichtlich noch immer rote Zahlen schreibt, Profit verschaffen. Das kann gar nicht so abwegig erscheinen, denn trotz des Preises von – umgerechnet – über 30 000 Euro liegen mehrere hunderttausend Vorbestellungen und – äußerst bemerkenswert – Anzahlungen vor.

Abgesehen vom Preis ist auch die Reichweite eines Elektroautos ein Handicap. Beim Tesla Modell 3 liegt sie bei höchstens 350 Kilometer. Aber das nicht allein ist die Hürde, der sich Elektroautos gegenübersehen. Gemessen am Tankstellennetz mit Diesel- und Benzinangeboten stehen weltweit viel zu wenig Aufladestationen zur Verfügung, zudem dauert es eben auch sehr lange, bevor eine „leergefahrene“ Batterie wieder betriebsbereit ist. So ist es auch erklärbar, dass selbst dank staatlicher Zuschüsse die Verkäufe von Elektroautos in allen Ländern – besonders auch Deutschland – weit hinter den Erwartungen der Politik und der Umweltauguren zurückbleiben.

So unbeliebt das Elektroauto derzeit auch noch sein mag – es wird von allen führenden Automobilproduzenten in Angriff genommen. Niemand will schließlich eines, wenn auch noch fernen Tages auf Autos mit „veralteten“ Antrieben sitzen bleiben. Besonders mutig auf diesem Gebiet erweist sich das schwedische Volvo-Unternehmen, das schon ab 2019 keinerlei Benziner oder Dieselautos mehr anbieten will. Volkswagen will ebenso wie Tesla ab 2025 jährlich eine Million Elektroautos bauen. Die Bloomberg-Studie, um das zu wiederholen, geht davon aus, dass im Jahr 2040 rund 54 Prozent aller Autos ohne Verbrennungsmotor unterwegs sein werden.

Das setzt natürlich den raschen Aufbau einer geradezu gigantischen Infrastruktur – etwa Aufladestationen und Servicebetriebe – voraus. Skeptiker bezweifeln, dass dies zu schaffen ist.

Wenn man sich allerdings die unternehmerischen Leistungen des 1971 (!) in Südafrika geborenen Tesla-Besitzers Elon Musk vergegenwärtigt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Am markantesten sind seine Erfolge mit Paypal, dem Onlinebezahlsystem, und SpaceX – das ist immerhin ein nicht staatliches Weltraumunternehmen, das mit wiederverwendbaren Raketen Satelliten auf ihre Umlaufbahnen und Versorgungsgüter zur Raumstation ISS befördert. Letzteres hat bisher keine der führenden Weltraumnationen geschafft – die erste Stufe der Falcon9-Rakete von Musks SpaceX landete nach dem Aussetzen von elf (!) Satelliten im Dezember 2015 wieder auf der Erde und konnte schon wenige Monate später erneut starten. Auf diese Weise lassen sich Zweidrittel der herkömmlichen Startkosten einsparen – staatlichen Einrichtungen wie NASA und ESA ist derartiges bisher nicht gelungen.

Der private Lorbeer dieses ungewöhnlichen Entrepreneurs erscheint dagegen etwas verwelkt. In erster Ehe war Musk mit der Fantasyschriftstellerin Justine Wilson verheiratet. Das Paar hat fünf Söhne. Dann wird`s kunterbunt: Musk heiratete im September 2010 die britische Schauspielerin Talulah Riley, ließ sich aber Anfang 2012 scheiden. Ein knappes Jahr später heiratete das Paar erneut, um am 31. Dezember 2013 zum zweiten mal geschieden zu werden. Nur 12 Monate später wurde diese Scheidung rückgängig gemacht – doch 2016 reichte Frau Musk die Scheidung ein.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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