Andrej Astafjev

Reise nach Ustyurt und Manqystau in Kasachstan

Sehr geehrte ReiseTravel User,  

Herzlich Willkommen in meiner Heimat Kasachstan. Gern lade ich Sie zu einer Archäologie-Exkursion in die Region von Mangyschlak am Kaspischen Meer ein. Eine Reise in vergangene Zeiten und natürlich in die heutige Moderne. Ausgangspunkt ist die Hafenstadt Aktau am Kaspischen Meer. Ich freue mich, auf unseren gemeinsamen Trip,

Ihr

Andrej Astafjev 

 

ReiseTravel Autor Andrej Astafjev ist Leiter der archäologischen Abteilung der staatlichen Museen im Oblast Manqystau 

Die Archäologie in Kasachstan interessiert sich für den Menschen und umfasst einen Zeitabschnitt, der von den ersten Steinwerkzeugen vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis hin zur Neuzeit reicht. Erkenntnisse zu Umwelt, Klima, Ernährung oder Alter von Funden tragen so zur Rekonstruktion vergangenen Alltags und Kultur bei. 

 

Auf Mangyschlak am Kaspischen Meer kreuzten sich facettenreiche Kulturen und Religionen. Sesshafte Turkmenen und nomadisierende Kasachen besiedelten die Halbinsel und hinterließen ihre Spuren. Man trifft auf das Erbe von Nestorianern und Sufis. Deren alte Gebetsstätten werden heute von modernen Pilgern – den Touristen unserer Zeit, aufgesucht. In den Gästehäusern, mitten in der Steppe, findet man jederzeit auch ein Dach über dem Kopf und natürlich wird Brot und Tee gereicht. Den Wert solcher elementarer Lebensgrundlagen lernt man in der fast wasserlosen Wüste mit jedem Tag mehr zu schätzen. Selbstverständlich werden auch Speisen und zahlreiche Köstlichkeiten gereicht.  

 

Das Ustyurt Plateau befindet sich zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aral See und war seit Jahrhunderten ein Schnittpunkt der Kulturen. Die Spuren der Skythen, Mongolen und Turkvölker verschiedener Stämme wurden auf dieser Hochebene, die einst auf diesen Strecken reisten, gefunden. Abseits der legendären Seidenstraße gab es auch Routen und darauf wurden damals verschiedene Waren nach Europa befördert. Geheimnisvolle Städte lagen am Wegesrand. Zwischen dem Aral-See und dem Kaspischen Meer. Mitten in der Steppe, können noch immer die alten Schönheiten begutachtet werden.

Nekropole

 

Schon in alter Zeit war dies eine mit Geheimnissen umwobene Regionen, mit Gerüchten über wertvolle Schätze. Rätselhaft bis in unsere heutige Zeit. Daher ist es kein Wunder, dass die Gegend des Ustyurt und Manqystau in der Steppe, das es sich hier um nationale Denkmale unseres Landes handelt.

Sehr intensiv betreibt Kasachstan die Erforschung seiner Vergangenheit. In den letzten beiden Jahren noch viel intensiver. Die Archäologische Wissenschaft erhält somit Beweise, dass dieses Land intensiv besiedelt war. Bis in die Jungsteinzeit können die Bedingungen der Entwicklung der verarbeitenden Wirtschaft verfolgt werden. Man kann sehr gut die Lebensbedingungen seiner Bewohner der Halbinsel um Manqystau kennen lernen. Die Wohn und Haushaltsstrukturen sind ebenfalls gut erhalten. Das Erscheinungsbild eines Menschen, der vor rund sechs tausend Jahren lebte, wird rekonstruiert.

Alle Daten, die als Folge von archäologischen Ausgrabungen auf dem Ustyurt Plateau gesammelt werden sind ein bedeutender Gewinn für das menschliche Wissen über wirtschaftliche Tätigkeiten der damaligen Zeit.

Die Shokpak Ata-Moschee war immer ein atmosphärischer Ort der religiösen Anbetung und ist eins der ältesten historischen Denkmäler rund um das Kaspische Meer. Sufi Shokpak Ata war zugleich Zuflucht in einer Moschee. Die Moschee hat auch eine Spitznamen, die Moschee des Open Palm, aufgrund der Bilder von Menschen, die Palmen schmücken die Bastion und deren Herkunft ist immer noch ein Rätsel. 

Die Seidenstraße führte nicht als einzige Route von Ost nach West, sondern bestand aus einem ganzen Geflecht von Abzweigen, „Schnellstraßen“ und lokalen Zubringern, ähnlich einem antiken Autobahn-System. Viele Karten zeichnen den Weg von China durch Zentralasien südlich des Kaspischen Meeres nach.
Russische Archäologen hatten herausgefunden, dass es bereits im 6. Jahrhundert eine Handelsverbindung über Land zwischen den Flüssen Amudarja und Syrdarja und der Wolga gegeben haben muss, dass also ein Strang der Seidenstraße auch nördlich um das Kaspische Meer herumführte.

Der Stamm der Oghusen, eines der ältesten Turkvölker in Zentralasien und Vorfahren der Turkmenen, gab der Region ihren Namen: Mangyschlak bedeutet auf turkmenisch „Tausend Winterweiden“. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn auf Mangyschlak lagen die Winterquartiere der Nomaden. Im Sommer zogen sie nach Norden in Richtung der heutigen kasachischen Städte Atyrau und Aktobe. Doch ihre Orte mit festen Häusern, Brunnen und Friedhöfen hatten sie hier auf Mangyschlak.

Buntes Völkergemisch in Handelsmetropole: Dass Kyzylkara ein wichtiges Zentrum gewesen sein muss, beweist allein die Größe von 50 Hektar. Wir stießen auch auf teilweise zwei Meter mächtige Ablagerungen aus Überbleibseln regen Händlerlebens. Die Stadt wurde vermutlich von Handwerkern und Kaufleuten gegründet. Es gab eine Eisen- und Kupferverarbeitung, man stellte Leder her, handelte mit Fellen von Zobel, Marder, Biber oder Steppenfuchs, kaufte und verkaufte Teppiche, Stoffe, Jagdfalken, Hammel, Kühe, Panzerhemden und Sklaven. Und es ging tolerant zu in der Stadt. Hier lebten Moslems, Christen, Juden, Buddhisten und Heiden. Das sei an der Bauform und der Ausrichtung der einzelnen Häuser abzulesen. Gegründet wurde Kyzylkara etwa in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, darauf weisen Tonscherben hin. Zu dieser Zeit gehörte Mangyschlak zum Staat Chorezm, dessen nordöstlichster Vorposten die Stadt Itil an der Wolga war. Von der Hauptstadt Chorezms, Urgench, heute in Usbekistan, bis nach Kyzylkara war eine Karawane etwa 25 Tage unterwegs.
Sinkender Wasserspiegel blockiert Wasserweg: Eines jedoch wunderte uns Archäologen – die Lage von Kyzylkara kurz vor der Küste des Kaspischen Meeres. Merkwürdigerweise führte auch die Hauptstraße von Kyzylkara schnurstracks nach Nordwesten, direkt auf die Küste zu. Man könnte das so erklären, dass die Lage von Kyzylkara so günstig war, weil es hier genug Trinkwasser und Holz als Brennstoff gab. Am Wasser seien die Waren dann auf Schiffe umgeladen und weiter zur Wolga transportiert worden.
Doch andere archäologische und klimatische Forschungen widersprechen diesem Szenario: Seit langem ist bekannt, dass der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres periodischen Schwankungen unterliegt. Für die letzten 2,3 Millionen Jahre konnten diese rekonstruiert werden. Heute liegt der Wasserspiegel etwa 27 Meter unter Normalnull des Kronstädter Pegels bei St. Petersburg. Zwischen dem 5. und 14. Jahrhundert jedoch befand er sich in Regression, sank also in dieser Zeit extrem ab, bis maximal 34 Meter unter Null.

Die Karawanen legten pro Tag etwa 25 bis 30 Kilometer zurück, wo sie in einfachen Karawansereien unterkamen. Wenn wir den Boden des Kaspischen Meeres im nördlichen Bereich untersuchen könnten, würden wir ganz sicher in regelmäßigen Abständen auf weitere Überbleibsel der alten Karawanenroute stoßen. 
 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

ich hoffe, meine kurze Führung hat Anklang gefunden. Besuchen Sie doch einmal Kasachstan und lernen meine Heimat näher kennen. Sie werden über die Vielfalt alter Kulturen erstaunt sein. Aber auch die Moderne ist im Land anzutreffen. Unsere Tour in die Steppe startet in Aktau und erfolgt im Jeep. Unser riesiges, dünn besiedeltes Land ist in der Reisebranche ein leider noch unbeschriebenes Blatt. Dabei sind wir wesentlich mehr als ein Steppenland, das man mit Nomaden in Verbindung bringt. In Baikonur starten Raketen in den Weltraum und wir sind im internationalen Ölgeschäft etabliert. Leider haben wir mit den Umweltsünden einer unseligen sowjetischen Vergangenheit zu kämpfen. Eine Reise nach Kasachtan wird sich für Sie ganz bestimmt lohnen. Vielen Dank sagt

Ihr

Andrej Astafjev 

ReiseTravel Autor Andrej Astafjev ist Leiter der archäologischen Abteilung der staatlichen Museen im Oblast Manqystau und Co-Autor des Buches: Schätze im Ustyurt und Manqystau.  

Zur Einreise wird ein Visum benötigt. Mit dem Flugzeug ab Frankfurt nach Astana und Almaty mit Air Astana oder via Moskau.

Verständigung: Im Land wird kasachisch gesprochen, Russischkenntnisse sind unabdinglich. Englisch wird fast nur von Jüngeren verstanden. Aber: Das hat auch Nachteile. Man wird sofort als Ausländer registriert und „Ausländer sind reich und dort gibt es was zu holen!“, lautet die Meinung.

„Taxi, Taxi“ lautet die gängige Ansprache. Bitte nicht einsteigen, Schwarztaxis sind nicht preiswerter. Normale Taxen sind – wie überall auf der Welt – gekennzeichnet.

Neueinsteiger in Richtung Kasachstan sollten eine Gruppenreise buchen, allein schon aus Sprachgründen und der enormen Entfernungen im Land.

Apotheken und Tankstellen findet man überall in Kasachstan. Offizielle Wechseltuben und Cash-Maschine befinden sich am Airport, in Hotels oder im Shopping-Center.

 

Kontakt

 

Kazakhstan Tourist Association

Kazakhstan Association of Hotels & Restaurants

Ecotourism Information Resource Centre  

76, Shevchenko str 050000 Almaty – Kazakhstan

e-Mail kta@mail.kzwww.eco-tourism.kz

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

 

Schätze aus dem Ustyurt und Manqystau

 

 

Kasachstan Ustyurt Mangystau

Schon in alter Zeit war dies eine mit Geheimnissen umwobene Region, mit Gerüchten über wertvolle Schätze. Rätselhaft bis in unsere heutige Zeit. Daher ist es kein Wunder, dass die Gegend des Ustyurt und Manqystau in der Steppe, nationale Denkmale Kasachstans sind. Sehr intensiv betreibt dieses Land die weitere Erforschung seiner Vergangenheit. Andrej Astafjev, Archäologe am Kulturhistorischen Museum des Naturschutzgebietes Mangyschlak in Aktau im Westen Kasachstans, geht sogar im Buch noch weiter: Er hält das Gebiet zwischen Kaspischem Meer und Aralsee, eben jene Mangyschlak genannte Halbwüste, für unterschätzt. „Für die Anbindung der ostslawischen Gebiete an die Seidenstraße ist diese Region ganz entscheidend“, so Astafjev, „obwohl bis ins 16. Jahrhundert hinein kaum Handelswege in diesem Gebiet erwähnt wurden.“ Überhaupt ist über die Besiedelung Mangyschlak sehr wenig bekannt. Laut Astafjev ließen sich schon vor etwa 9000 Jahren Menschen in dieser Region nieder – sesshafte Jäger, Sammler und Fischer. „Vor etwa 3.000 Jahren, am Ende der Bronzezeit, wandelte sich das Klima am Kaspischen Meer dramatisch“, schreibt der Archäologe: „Es wurde so trocken wie heute, und die Menschen mussten ihre Gewohnheiten umstellen, sie wurden zu Nomaden. Von da an bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das Leben der Menschen hier kaum geändert“. Diese Nomaden bauten keine Städte. Eben deshalb ist Andrej Astafjev sicher, den Anhaltspunkt gefunden zu haben, dass es auf Mangyschlak ein bedeutendes Handelszentrum der Seidenstraße gab. Denn er und seine Kollegen haben in den letzten Jahren die Ruinen einer mittelalterlichen Stadtanlage genauer unter die Lupe genommen. Kyzylkara heißt die seit langem bekannte Fundstätte, die im Nordosten von Mangyschlak liegt.  

Das reich bebilderte Buch ist in Englisch erschienen.   

Schätze aus dem Ustyurt und Manqystau von Andrej Astafjev ist Leiter der archäologischen Abteilung der staatlichen Museen im Oblast Manqystau, ISBN 9965-21-527-8, Aktau Universität.  

Das Buch ist vor Ort erhältlich und kostet 30 Euro.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher,

 

 

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