Alain Fiaux

Besuch der Minen und Salinen von Bex in der Schweiz mit Lifestyle Effekt

Sehr geehrte ReiseTravel User,

„Grüß Gott und Herzlich Willkommen“ in unserer Mine in Bex. Hier war ich viele Jahre als Bergmann tätig. Heute betreue ich unsere zahlreichen Besucher. Darf ich Sie Einladen: Unternehmen wir gemeinsam eine Fahrt „unter Tage“. Mit einem Zug in den Berg, in das Innere der Erde.

Ihr Guide

Alain Fiaux

Die Geschichte der Saline von Bex und ihres Bergwerks ist direkt mit der im 15. Jahrhundert erfolgten Entdeckung von Salzquellen im Waadtland verbunden. Salz war damals ein rares und schwierig zu transportierendes Lebensmittel. Es bedeutete Profit und Macht für die Grossen der Welt. Das Salzbergwerk in Bex ist heute das einzige in der Schweiz, wo noch abgebaut wird

Salz ist ein unentbehrliches Lebensmittel: Es war jahrhunderte lang die einzige Möglichkeit Nahrungsmittel zu konservieren. Noch heute wird Fleisch gepökelt oder Fisch in Salz getrocknet. Und was wäre ein Essen ohne Salz.

Teilweise erhielten die römischen Legionäre ihren Sold in Salz ausbezahlt. Sie „erhielten ihr Salaire“. Salz war im 15. Jahrhundert ein kostbares Gut. Meistens oblag der Handel den Behörden.

Unser Museum ist unseren Vorfahren, den Ingenieuren und Grubenarbeitern, gewidmet, die es auf sich genommen haben, trotz mangelnder Kenntnisse und technischer Mittel, und unter den damaligen schwierigen Arbeitsbedingungen, in einer langen und verzweigten Ablagerung die reichhaltige Salzader zu entdecken, gewidmet.

Die Legende besagt, dass ein junger Hirt seine Ziegen zum Weiden nach Panex in der Nähe von Ollon, und zum „Fondement“ oberhalb von Bex führte.

Zum Tränken bevorzugten seine Tiere ganz klar das Wasser von zwei Quellen. Aus Neugier versuchte er das Wasser und fand es salzig. Daraufhin hat er einen vollen Kessel zum Kochen gebracht; als das Wasser verdampft war fand er am Kesselboden eine Prise Salz.
Etwas praktischer ausgedrückt scheint es aber tatsächlich so gewesen zu sein, dass das Vieh als große Salzliebhaber gewisse leicht salzhaltige Quellen auf dem rechten Ufer der Gryonne, am Ort genannt „Le Fondement“, bevorzugte.
Nachdem die Berner 1475 die Region erobert hatten, begannen sie diese salzhaltigen Quellen durch Verdampfung auszunützen. Dies geschah indem sie die Sole in Pfannen auf Holzfeuern zum Kochen brachten. Dieses Verfahren wurde während beinahe 200 Jahren angewendet.

Zu Beginn – zwischen 1684 bis 1823 - beschränkten sich die Arbeiten der Salzgewinnung auf das Erfassen der Quellen. Nachher grub man Treppen, um das Wasser weiter unten zu fassen. Als die Quellen langsam versiegten, begannen die Bergleute, ab 1680, Stollen zu graben, in der Absicht ein enormes Salzwasserreservoir, das sie sich im Berginnern vorstellten, zu leeren. Ein Labyrinth von Schächten, Treppen und Stollen wurde während mehr als einem Jahrhundert gegraben. Dieses gigantische Werk wurde mit Hammer und Meißel realisiert, später mit Schwarzpulver gesprengt.

Nach einer Mitteilung von 1686 gab es Gerüchte, wonach zusammen mit den Grubenarbeitern auch Sträflinge in der Mine beschäftigt wurden, was zu Spannungen zwischen den beiden Gruppen geführt habe. Es scheint, dass die Präsenz von Gefangenen in der Mine eine Tatsache war; dagegen ist sicher, dass nie ein Kind dort gearbeitet hat.

Zwischen 1684 und 1691 wurde eine Abtragung von großem Ausmaß realisiert: der Coulat-Stollen. Die Grabung des Basis-Stollens, genannt „Principale du Coulat“, begann auf dem linken Ufer der Gryonne. Ein Tunnel von 700 Metern Länge sollte bis zum „Cylindre“ vorangetrieben werden. Dabei sollte es sich, nach Vorstellung der Verantwortlichen der Mine, um ein die wertvolle Sole enthaltendes Reservoir handeln, das sie sich ohne triftigen Grund zylindrisch vorstellten.
Um den Vorgang zu beschleunigen wurde beschlossen eine Treppe zu graben, um ein Belüftungssystem zu schaffen. Diese Ausgrabung nach unten war für die Grubenarbeiter schwierig und gefährlich zugleich, denn sie mussten sozusagen unter ihren Füssen graben und das beim kümmerlichen Schein der Öllampen und bei ungenügender Belüftung. Der Schutt musste in Rückentragkörben herausgeschafft werden. In einem horizontalen Stollen betrug der durchschnittliche Vortrieb zu dieser Zeit vier Meter pro Monat, aber wesentlich weniger für Treppen. Diejenige des „Coulat“, genannt „Escalier Ruiné“, besteht aus 458 Stufen.

Isaac Gamaliel de Rovéréa, damaliger Direktor des Bergwerks, beschloss 1725 eine noch gewagtere Operation zu unternehmen. Sein Projekt war von „Bouillet“ aus einen Stollen zu graben. Eine Distanz von zwei Kilometern trennte den Einstichspunkt vom berühmten „Cylindre“. Auch hier wurde von einer aus 735 Stufen bestehenden Treppe aus eine zweite Abtragung vorgenommen. Alarmiert durch das Ausmaß der Arbeiten und ihre Dauer beschloss die Berner Regierung die Baustelle zu schließen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 202 Meter des Stollens gegraben und die „Grand Escalier“ war fertig gestellt. Die Regierung beharrte auf ihrem Beschluss, nachdem sie einen sächsischen Ingenieur, den Baron von Beust, konsultiert hatte, der vorschlug, zwei Schächte in Richtung „Cylindre“ zu graben. Diese neuen Versuche verliefen enttäuschend. Der Salzgehalt schien abzunehmen. Die Zukunft des Salzbergwerks erschien so düster, dass Bern an eine Schließung dachte.

Wir sind nun im Jahre 1768 wo der Sohn de Rovéréa, auf die Pläne seines Vaters zurückkommend, die Mine ein erstes Mal rettet. Jetzt begreifen die Spezialisten, dass der „Cylindre“ effektiv aus einer dicken, vertikal verlaufendenen Schicht von Schiefer und dunklem Sandstein besteht, deren Form nichts Zylindrisches hat.

Herr de Rovéréa schlägt vor, dieser Schicht entlang einen Stollen voranzutreiben, von dem aus Querstollen gegraben werden. Der erste führt zur Entdeckung einer guten Salzwasserquelle. Zwei andere Versuche führen ebenfalls zum Erfolg mit dem Resultat, die Saline während mehr als sechzig Jahren mit Sole versorgen.

Nach der Ankunft von Jean de Charpentier werden die Abtragungsarbeiten am „Bouillet“ -Stollen ab 1811 wieder aufgenommen. Sie dauern zwölf Jahre. Ein bedeutendes salzhaltiges Felsmassiv (die Coulat-Tasche) wird gefunden und eine ganze Serie von Stollen und zwei Entsalzungshallen gegraben. Der Abbau der salzhaltigen Felsstücke erfolgt in unterirdischen, übereinander liegenden Steinbrüchen. Diese Brocken wurden dann zu zweit oder zu dritt zu den Entsalzungsräumen transportiert. Hier wurde das Salz aus dem Felsen ausgelaugt. Die Sole wurde dann durch ein Rotationssystem gesättigt. Danach wurde sie durch eine aus Lärchenholzrohren bestehende Leitung in die Saline in Bévieux gebracht. Aber diese Ausbeutungsmethode war teuer und benötigte zahlreiches Personal. Als der Bahntransport möglich wurde, war das Salz von Bex dem ausländischen Salz gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig.

Eingang zur Mine - Eine Besichtigung dauert rund zwei Stunden

Die Revolution gab dem Waadtland die Region zurück, aber die Problematik blieb bestehen. Im Jahre 1836 wurden bei Basel große, fast reine Salzvorkommen entdeckt, deren Abbau viel einfacher ist als derjenige von Bex. Da sie die Mine als nicht mehr einträglich genug beurteilen, denken die Waadtländer 1865 an deren Schließung.
Die Bürger von Bex tun sich spontan zusammen um ihre Industrie zu retten. Vier von ihnen, die Herren Grenier, Chappuis-Veillon, Beauverd und Laurent, gründen die „Compagnie des Mines et Salines de Bex“ und führen eine neue Ausbeutungsmethode ein. Diese besteht darin, die existierenden Hallen und Stollen unter Wasser zu setzen. Das Wasser infiltriert alles und verwandelt sich in Sole. Es genügt danach, diese abzupumpen. Diese neuen Techniken und die gleichzeitig stattfindende Modernisierung der Saline bewirken, dass die Mine nach und nach rentabel und die Arbeit leichter wird. Diese Ruhe dauert allerdings nur eine gewisse Zeit: Um 1877 werden die Pfannen aufgegeben und durch eine neue Technik ersetzt, die Salzherstellung durch Thermokompression. Dazu wird der sogenannte „Piccard“ - Apparat verwendet, der in Bex hergestellt wurde (genannt nach seinem Erfinder, damals Direktor der Papeterie von Bex). Dieses im Laufe der Zeit ständig verbesserte System wird heute noch in der ganzen Welt verwendet. Es funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Wärmepumpen. Die Sole wird durch in Dampfkesseln produzierten Dampf zum Sieden gebracht. Dann werden diese Dämpfe komprimiert, was ihre Temperatur erhöht, bevor sie zum Verdampfer geleitet werden, dem sie als Heizung dienen. All dies spielt sich in einem geschlossenen Kreislauf ab.

Dank der Nutzung der durch das verdunstende Wasser erzeugten Wärme ermöglichte diese neue Technik erhebliche Energieeinsparungen. Zwischen 1867 und 1913 wurde in den beiden Salzkammern Coulat und Bouillet 486 Tonnen Salz abgebaut. Mit Hilfe der verschiedenen Verfahren hat sich die Salzproduktion im Laufe eines Jahrhunderts verzehnfacht, wogegen der Energieverbrauch um mehr als das Zehnfache reduziert werden konnte.
Ab 1924 fanden erneut Bohrungen statt. Das Erscheinen der Bohrmaschinen auf dem Markt erlaubt die Mine ein weiteres Mal zu retten. Zuerst nur für die Suche nach Salzvorkommen eingesetzt, haben die Bohrungen gegen 1960 ermöglicht, durch direktes Einspritzen von Quellwasser das im Felsen vorhandene Salz auszulaugen; diese Technik ist noch heute im Einsatz.

Das Salzbergwerk von Bex ist von durch Grubengas verursachten Unglücksfällen nicht verschont geblieben. Heute verfügen wir über effiziente Mittel, die uns erlauben, die Präsenz dieses geruchlosen und gefährlichen Gases, das durch den kleinsten Funken zur Explosion gebracht werden kann, rechtzeitig festzustellen.

Die Kommerzialisierung des Salzes lag lange in den Händen des Kantons Waadt: Erst im Jahre 1997 hat dieser sowohl diese Aufgabe als auch das Erheben des Salzregals (Salzsteuer) an die Société Vaudoise des Mines et Salines de Bex übertragen.
Quelle des Wohlbefindens - Salz und Gewürze – Zutaten für die Küche. Facettenreiche Produkte sind im Angebot

Unser Unternehmen wechselt 2002 seinen Namen und heißt fortan „Saline de Bex SA“

Über Jahrhunderte an den Tag gelegte Beharrlichkeit, Kreativität und Mut der Mitarbeiter ermöglichen unserem Kanton, auch heute noch, seinen Bedarf an Salz selber decken zu können.

Sehr geehrte ReiseTravel User,

ich hoffe, ich konnte Sie alle etwas begeistern: Kommen Sie doch einmal nach Bex und fahren mit mir ein, in den Berg, dass Innere unserer Erde. „Grüß Gott und Herzlich Willkommen“ in unserer Mine.

Ihr Guide Alain Fiaux

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

 

Das Salz spielte und spielt seit jeher eine große Rolle, in der ganzen Welt, weil es lebensnotwendig ist für den Körper der Menschen und Tiere. Für die Griechen war das Salz ein Geschenk der Götter.

Die Minen und Salinen von Bex 

In der heutigen Zeit ist Salz fast überall auf der Welt vorhanden und es kostet wenig. Aus seinen Teilen Natrium und Chlor stellen Chemie und Industrie Tausenden von Produkten her. Auf den Straßen verwendet man es für die Schneeräumung. Dieser Überfluss lässt uns vergessen, dass während langer Zeit das Salz selten war und wie Gold gewogen wurde.

Das Sel des Alpes, das mit Hilfe von Quellwasser des Gletschers extrahiert und dann durch Verdampfung kristallisiert wird, bewahrt seine ganze ursprüngliche Reinheit.

Drehen Sie das Rad der Zeit zurück und begeben sich auf die Spuren der Grubenarbeiter auf der Suche nach dem „weißen Gold“. Entdecken Sie im Buch – und natürlich vor Ort – die Leistungen unserer Vorfahren. Im Buch wird alles detailliert beschrieben. Auch nach einer Reise oder dem Besuch in der Mine, nachhaltig und informativ.

Die Minen und Salinen von Bex – Ein großartiges Werk unserer Vorfahren – Gesellschaft zur Förderung der Minen und Salinen von Bex, www.mines.ch

 

Das Buch ist vor Ort erhältlich und kostet 12 CH-Franken

 

Kontakt

 

Saline de Bex SA

Case postale 277, CH-1880 Bex

www.mines.ch

 

CHABLAIS TOURISME SA

CP 1429, CH - 1870 Monthey 1 Switzerland

marketing@chablais.info

www.chablais.info

 

Von Alain Fiaux und Gerald H. Ueberscher

 Alpadze lou kra Champoussin

 

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