Berlin

Unter Berliner Brücken

Wer über die friedlichen Wogen der Spree schippert, glaubt kaum, dass er sich inmitten einer Millionenmetropole befindet. Und doch - mehr als 180 Kilometer lange Wasserwege durchziehen die deutsche Hauptstadt, welche deswegen auch Spree-Athen genannt wird. Wie geschaffen für eine gemütliche Sightseeing-Tour per Boot, liegen doch viele Hauptattraktionen direkt neben oder in Sichtweite von der Spree aus.

Am beliebtesten sind wohl die Schiffsanlegestellen in der Nähe des Doms, von dort aus lässt es sich gut für eine Rundtour starten und anschließend noch ein klein wenig mediterraner Flair genießen in den zahlreichen „Strandbars“ ringsum.

Im Wendekreis des Schiffes: Das Schiff fährt zunächst einmal in die „falsche“ Richtung, eigentlich entgegengesetzt vom Regierungsviertel. Wendet aber dann auf Höhe des Märkischen Museums. Der kleine Abstecher lohnt sich, er führt vorbei am Nikolaiviertel, dem ältesten Viertel in Berlin, dahinter spitzt der Turm des „Roten Rathauses“ hervor.

Auf einer einstündigen Rundfahrt passiert man den Berliner Dom, dass „Seelengasometer“ genannt, mit den Hohenzollerngräbern, die Museumsinsel und den Palast der Republik, scherzhaft als Erichs Lampenladen tituliert. Letzterer ist allerdings nicht mehr zu sehen – er wurde abgerissen. An seiner Stelle soll das Berliner Schloss wieder entstehen. Vom Fluss aus ist auch das Kurfürstenhaus in rotem Sandstein, einer der wenigen noch im Original erhaltenen Bauwerke, des Nikolaiviertels schön zu betrachten. Viele derartige Überbleibsel gibt es nicht mehr - Berlin war im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu sechzig Prozent zerstört worden.

Die Passage des Regierungsviertels: Einen großen Teil der Fahrt befindet man sich dann inmitten des „Regierungsviertels“, welches sich rund um den Reichstag mit seiner begehbaren Kuppel erstreckt. Wie in einem gläsernen Käfig lassen sich dort die Abgeordneten von den Besuchern in die Karten schauen. Während unten diskutiert und regiert wird, können die Gäste gelassen von oben herab zuschauen. Allerdings erst nachdem sie meist längere Wartezeiten in Kauf genommen haben. Den Politikern aufs Dach zu steigen zählt zu den Touristenattraktionen in Berlin.

Vom Boot aus kann man auch sehr gut den Grundgedanken nachvollziehen. Moderne Parlamentsgebäude ziehen sich spangenartig am Ufer der Spree entlang. Diesmal handelt es sich um keine von den Berlinern erfundene Bezeichnung, das Arrangement wird ganz offiziell „Band des Bundes“ genannt.

Schifffahrt durchs Regierungsviertel

Die Waschmaschine der Kanzlerin: Einen ureigenen Ausdruck haben die Berliner aber wieder für das Kanzleramt: „Bundes- oder Kanzlerwaschmaschine“. Wegen seiner boxartigen Bauweise. Die 5,50 Meter hohe Plastik mit vier ineinander greifenden Armen davor symbolisiert die deutsche Einheit.

Das Paul-Löwe-Haus erhielt ihre Bezeichnung vom ehemaligen Reichstagspräsidenten und bietet in über 500 Räumen Platz für Abgeordnete und deren Mitarbeiter. Daneben ist gleich der Kindergarten für den Nachwuchs und gegenüber dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, benannt nach einer Reichstagsabgeordneten mit der Parlamentsbibliothek.

Die Berliner Schnauze und ihre Spitznamen: Auch die „schwangere Auster“ trägt ihren Spitznamen zu Recht, wie man vom Wasser aus deutlich erkennen kann. Die humorvolle Bezeichnung für das Haus der Kulturen der Welt  entstand aufgrund ihrer geschwungenen Dachkonstruktion. Es wurde 1957 anlässlich der Internationalen Bauausstellung als Kongresshalle erbaut. Seit 1989 hat es mit seinen Kulturfestivals internationale Anerkennung erworben. Auch hier gibt es eine Anlegestelle für Rundfahrtboote auf der Spree.

Ein klein wenig eröffnet sich der Blick während der Fahrt noch auf die Siegessäule. Die ist allerdings zu Lande besser zu sehen, vielleicht während einer Tour mit dem 100er Bus, mit dem die Stadtrundfahrt auch noch vertieft werden kann.

Über viele Brücken kannst Du gehen: An manchen Stellen ziehen die Schiffe den Kopf ein, das heißt die Kajüte muss abgesenkt werden, um nicht an einer der Brücken hängen zu bleiben. Es empfiehlt sich aufgrund der zahlreichen zu passierenden Wasserübergänge auch für die Passagiere auf dem Oberdeck sitzen zu bleiben. Berlin hat weit über 1000 Brücken, mehr als Venedig. Wer nicht genug davon kriegen kann und noch mehr Zeit auf dem Schiff verbringen will, bucht am besten eine Brückenfahrt. In 3,5 Stunden entdeckt man dabei über 40 Brücken Berlins und kann u.a. das Technikmuseum, den Potsdamer Platz und das Innenministerium am Ufer vorüberziehen lassen. Die Brückenfahrt verbindet das historische mit dem modernen Berlin.

Stern und Kreisschiffahrt GmbH Berlin - Puschkinallee 15, D-12435 Berlin, Tel.: +49 (0)30 53 63 60 0, info@sternundkreis.de - www.sternundkreis.de 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Sabine Erl Spree

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