Berlin

Bahnindustrie Kritik an den Rahmenbedingungen in Deutschland

Der Verband der Bahnindustrie e.V. (VDB) vertritt die Interessen von rund 180 Unternehmen: Die Bahntechnikhersteller erreichten mit 14,9 Milliarden Euro einen neuen Auftragsrekord, es konnte ein Zuwachs von 42 Prozent gegenüber 2012 erzielt werden. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche ist mit 50.100 Mitarbeitern stabil geblieben.

Michael Clausecker, Präsident des VDB, sagte, es gebe einen intensiven internationalen Wettbewerb, glücklicherweise entscheiden sich viele „Eisenbahnunternehmen aus aller Welt für hoch qualifizierte Produkte aus Deutschland.“ Das Ausland bestellte in Deutschland Züge und Lokomotiven sowie Bahntechnik im Wert von über 6 Milliarden Euro. Es gilt aber auch hier der alte Spruch: „Wo viel Licht, da viel Schatten.“ Das starke Plus bei der Nachfrage wird überschattet von einem rückläufigen Umsatz, der sank nämlich um 6,5 Prozent im Vergleich von 2013 zu 2012. Den Hauptgrund für den Umsatzrückgang sieht Michael Clausecker darin begründet, das besonders das Geschäft mit den Lokomotiven geschwächelt hat. Überhaupt nicht zufrieden sind die Verantwortlichen der Bahnindustrie mit den Infrastrukturausrüstungen, hier ist nur von einem schwachen Geschäft zu reden. In 2013 war ein Umsatzplus von 3,6 Prozent feststellbar und kam auf ein Niveau von 2,9 Milliarden Euro; jedoch stagnierte das Inlandsgeschäft mit 1,8 Milliarden Euro auf dem Stand des Vorjahres.

Der VDB weist immer wieder darauf hin, in Deutschland seien die Schienenwege „seit Jahren eklatant unterfinanziert.“ Michael Clausecker drückte es so aus: „Die Finanzmittel reichen bei Weitem nicht aus und werden der hohen Nutzungsintensität des deutschen Schienennetzes schon lange nicht mehr gerecht. Die Qualität und Verfügbarkeit unserer Infrastruktur fällt im europäischen Vergleich immer stärker zurück und im weltweiten Maßstab sowieso.“ Der Bund müsse nach Meinung der Experten der Bahnindustrie pro Jahr mindestens 3,5 Milliarden Euro in die bereits bestehende Schieneninfrastruktur stecken, wenn ein weiteres Ansteigen des Durchschnittsalters der vorhandenen Anlagen verhindert werden wolle.

Ein großes und weiteres Problemfeld sind die Regionalisierungsmittel, die Ende 2014 auslaufen sollen. Mit diesem Geld finanziert bzw. unterstützt der Bund über die Bundesländer den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Deutschland. Mehrfach haben Bundespolitiker diese Zuschüsse in der Vergangenheit massiv gekürzt, sodass Bundesländer Schwierigkeiten haben, den Verkehrsauftrag für eine bürgerfreundliche Mobilität zu erfüllen.

VDB Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner sagte: „Die fortgesetzte Zahlung der Regionalisierungsmittel muss auf dem Sockelbetrag des Jahres 2014 in Höhe von 7,3 Milliarden Euro aufsetzen und eine jährliche Dynamisierung von 2,5 Prozent vorsehen.“ Außerdem ist nach den Worten des VDB Hauptgeschäftsführer eine „politisch höchste Eile geboten, um den Bestellern wie Betreibern von SPNV mit einer progressiven Fortschreibung der Regionalisierungsmittel die nötige Planungssicherheit zu geben.“

ReiseTravel Fact: Unbestritten ist die Bahn ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel, leider waren es immer Politiker, die Zuschüsse für die Bahn gekürzt haben, es waren niemals Eisenbahner oder Vertreter der Bahnindustrie. Wer als politisch Verantwortlicher gerade Autofahrer auf die Schiene locken will, muss für eine gute Infrastruktur sorgen! Was nutzen die schnellsten Lokomotiven und komfortabelsten Waggons, wenn das Bahnumfeld nicht stimmt? Werden Bahnhöfe eingespart und es sind nur noch schmuddelige und frühmorgens oder in der dunklen Nacht menschenleere Bahnsteige vorzufinden mit Fahrkartenautomaten, welche Frau, welcher Senior möchte da auf den Zug warten, ohne ein mulmiges Gefühl zu haben?

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker-T. Neef.  

Volker T. Neef  

Unser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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