Berlin

Eine einzige Blackbox und die kann auch noch schwimmen.

Fliegen: Schon im kommenden Jahr wird ein erster Airbus A350 mit einer sensationellen neuen Blackbox ausgestattet, und ab 2019 sollen weitere Modelle des europäischen Flugzeugbauers damit fliegen – aus Zwei wird damit Eins, und das kann dann auch noch schwimmen. „Sensation ist nicht einmal übertrieben“, kommentiert ein Luftfahrtingenieur in Hamburg, „und dass sich Boeing, der Airbus-Konkurrent, nicht nur abwartend, sondern auch noch ablehnend dazu äußert, ist mehr als bemerkenswert“.

Bisher besteht das Blackbox-System aus zwei Geräten, dem Cockpit-Stimmenrekorder und dem Flugdatenschreiber. Stürzt eine Maschine ab, beginnt sofort die Suche nach diesen Instrumenten, denn sie enthalten in der Regel Hinweise auf die Unglücksursache. Nicht selten wird nur eines dieser Geräte in „lesbarem“ Zustand gefunden. Das schon einmal wird in Zukunft anders sein, denn Airbus kombiniert diese beiden Geräte – und dieses e i n e, also einzige Instrument wird im Falle eines Absturzes über Wasser nicht mehr – oft für immer! - mit dem Wrack der Maschine untergehen. Nein – die neuartige Airbus-Blackbox kann schwimmen und sendet ihren „Standort“ von der ersten Berührung mit dem Wasser über Satelliten an Bodenstationen.

Zwei Unfälle jüngeren Datums mit Passagiermaschinen haben Airbus bewogen, in Zukunft sämtliche Maschinen entsprechend auszurüsten:

  1. Da gibt es noch immer das Mysterium um den Flug MH370. Diese Boeing 777 von Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord verschwand im März 2014 über dem Indischen Ozean, auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Nach zweieinhalb Jahren wurden erste kleinere Trümmerteile entdeckt, aber auch die intensivste, deshalb kostspielige Suche auf dem Meeresboden war bisher ergebnislos. Dabei sind die üblichen Blackboxen in der Lage, für etwa 30 Tage Signale zu senden, auch vom Meeresgrund. MH370 bleibt also weiterhin das große Rätsel der internationalen Luftfahrt.
  2. Das war lange Zeit – über zwei Jahre – auch der Fall bei Air Franc 447. Dieses Flugzeug mit seinen 228 Menschen stürzte 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik ab. Erst nach einer Suche von mehr als zwei Jahren, an der auch ein französisches Atom-U-Boot beteiligt war, konnten die Flugschreiber entdeckt und geborgen werden.

Deren Analyse war eindeutig: Kein technischer, sondern ein Pilotenfehler war die Ursache für das Unglück.

Blackbox Flugdatenschreiber by ReiseTravel.eu

Die Blackboxen der Zukunft aus dem Hause Airbus werden sich nicht – sozusagen – in Wasser auflösen“ und damit Ursachenforschung verhindern. Schließlich ist es von größter Bedeutung, die genauen Unfallverstrickungen herauszufinden – um eventuelle technische Schwächen zu beseitigen oder Pilotenfehler zu vermeiden.

„Weil wir in einigen Fällen nicht wussten, was Absturzursachen waren, haben wir die Entwicklung der neuen Blackboxen beschleunigt“, sagt Charles Champion, Chefingenieur der Zivilflugzeugsparte bei Airbus. Airbus hat die neuen Apparaturen gemeinsam mit den kanadischen Unternehmen L3 Aviation Products und DRS Leonardo entwickelt. Sie können Tausende von Flugdaten und 25 Stunden Cockpit-Gespräche – bisher sind maximal zwei Stunden möglich – speichern. „Nur drei Sekunden nach dem Wasseraufschlag empfängt ein Satellite das erste Signal, sodass die Absturzstelle genauestens bekannt sein wird“, urteilt Blake van den Heuvel von DRS Technologies Kanadas.

Die neuen Blackboxen werden ab Ende 2019 zunächst in alle A350 von Airbus eingebaut, danach auch in die A380, A330 und A321 Neo.

Wie die Schweizer Zeitung „Der Bund“ berichtet, „ist man bei Boeing kein Freund dieser Idee“. Mit dieser eher fragwürdigen Begründung: „Die Gefahr, dass sich solche Blackboxen aus Versehen lösen könnten und damit zu einem Unfall führen, ist zu hoch“. Mark Smith von Boeing ergänzte: „Nur etwa alles zehn Jahre kommt es zu einem Unfall, bei dem ein Zivilflieger ins Meer stürzt“.

Es bleibt abzuwarten, ob die neue Airbus-Technologie nicht möglicherweise auch ein Verkaufselementeplus für die Europäer wird.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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