Rom

Papst ist das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken

Franziskus I. heißt der Neue: Es scheint, als wäre es erst gestern gewesen, als zum letzten Mal weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle des Vatikans kam. Und Deutschland ausrief: „Wir sind Papst.“ Innerhalb kürzester Zeit nun zeigte bereits wieder der helle Dunst die Wahl eines neuen Dieners auf dem Stuhl Petri.

Unser bayerischer Papst aus Marktl, Benedikt XVI., ist am 28. Februar 2013 nach einem Pontifikat von acht Jahren zurückgetreten.  

Gewählt wurde nun Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien. Als erster nicht-europäischer Papst seit dem 8. Jahrhundert. Zum ersten Mal seit Gregor III. stammt das Kirchenoberhaupt nicht aus Europa. Bergoglio war bereits bei der Wahl von Benedikt XVI. im Jahr 2005 als dessen stärkster Kontrahent im Gespräch gewesen. Angaben eines italienischen Kardinals zufolge habe damals Ratzinger über siebzig Stimmen für sich verbuchen können, zu wenig für die notwendige Zweidrittelmehrheit. Vierzig Stimmen fielen auf Bergoglio. Erst nach langen Gesprächen soll der Südamerikaner dann verzichtet haben.

Einer der Gründe dafür mögen vielleicht auch die Vorwürfe zahlreicher Gegner gewesen sein. Eine E-Mail des argentinischen Journalisten Horacio Verbitsky soll Bergoglio unter anderem damals den ersten Platz bei der Wahl des Papstes gekostet haben. Verbitsky beschuldigte ihn der Denunzierung zweiter argentinischer Priester. Bergoglio hingegen weist bis heute diese Angriffe zurück und versucht sie in seiner Biografie „Der Jesuit“ zu entkräften. Dennoch liegt ein Schatten auf seiner Vergangenheit. Seine Rolle während der Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983 bleibt unklar. Der Bruder des zurückgetretenen Papstes, Georg Ratzinger, zeigte sich von der Wahl völlig überrascht. Benedikt der XVI. wird an der Einführungsmesse seines Nachfolgers nicht teilnehmen.

Der andere Bergoglio, der auch als Kardinal der Armen bezeichnet wird, bevorzugt einen bescheidenen Lifestyle, fährt statt Limousine lieber Bus oder Bahn, wohnt in einem kleinen Appartement anstatt im Bischofssitz, kocht selbst und ist leidenschaftlicher Fußballfan.

Bergoglio ist der erste Lateinamerikanische Papst überhaupt und der erste, der sich den Namen Franziskus I. gegeben hat. Benannt nach dem heiligen Franz von Assisi. Dem Inbegriff eines Heiligen, der sich für seine Hinwendung zu den Armen und Schwachen eingesetzt hat. Und er ist der erste Papst aus dem Jesuitenorden.

Als einführende Amtshandlung erteilte er den apostolischen Segen „Urbi et Orbi“ unter dem Jubel von über zehntausend Menschen auf dem Petersplatz. Sie hatten teilweise stundenlang dort ausgeharrt, um den historischen Moment nicht zu verpassen. Und jubelten ihm dann das „Viva il Papa“ zu.

Von dem 76jährigen Jesuiten jedenfalls erhoffen sich viele eine Kirche, welche den Armen nahe ist. Dafür ist er ist er in Argentinien bekannt. Aber auch dafür, dass er die Homo-Ehe als Initiative des Teufels ablehnt. Woraufhin ihm ein Denken aus den Zeiten des Mittelalters unterstellt wurde. Konservativ ist er jedenfalls. Andererseits ist er bei zahlreichen sozialen Organisationen hoch angesehen. Juan Carr, der Gründer der Hilfsorganisation „Red Solidaria“ bezeichnete ihn sogar als Kandidat für die Heiligsprechung. Man setzt auf ihn in der Hoffnung auf den erfolgreichen Einsatz für den Frieden und die Menschenrechte. „Als erster Papst aus Lateinamerika könne er in der römisch-katholischen Kirche neue Perspektiven eröffnen“, verkündete der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland - Nikolaus Schneider.

Er ist schwer in eine Schublade zu pressen der neue Papst. Bleibt nur abzuwarten und sich den Ausführungen von Bundespräsident Gauck anzuschließen. Dieser wünschte ihm im Namen der Bundesbürger in seinem Amt viel Kraft, Weisheit und Gottes Segen.

Benedikt der XVI. ist nicht mehr Papst.

Sabine Erl ReiseTravelEin Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

 Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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