Prof.Dr. J-D. Wörner

Raumfahrt ist Teil des Alltags

DLR-Chef Prof. Johann-Dietrich Wörner zum Ende der Shuttle-Ära

Atlantis, das letzte Space Shuttle im All: Die Raumfähre dockte von der Internationalen Raumstation ISS ab und landete auf dem Weltraumbahnhof der NASA in Cape Canaveral in Florida. Damit steht auch das Ende der 30 Jahre dauernden Ära der US-amerikanischen Space Shuttle bevor.

Im Interview erläutert der DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Johann-Dietrich Wörner, wie es nach dieser Zäsur in der bemannten Raumfahrt weitergehen kann:
ReiseTravel: Mit der Landung des Space Shuttle Atlantis in Cape Canaveral endet nach 30 Jahren eine Ära. Wie sieht nach dieser Zäsur die nähere Zukunft der deutschen und internationalen bemannten Raumfahrt aus?

Wörner: Die Raumfahrt ist mittlerweile aus der Situation des "Machtbeweises" des Kalten Krieges herausgewachsen und zur alltäglichen Infrastruktur geworden, und somit für jeden bei Themen wie Wetter- und Klimabeobachtung, Navigation und Kommunikation unmittelbar sichtbar. Auch in der bemannten Raumfahrt haben wir diese Situation, in der unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit und ohne die schützende Hülle der Atmosphäre Experimente, zum Beispiel zur biologischen Wirkung, durchgeführt werden können. Astronautische wie robotische Raumfahrt sind aber auch Teil des Strebens der Menschheit nach Erkenntnisgewinn und Erforschung unbekannter Welten.  
ReiseTravel: Können die russischen Sojus-Raketen, die ja jetzt zunächst als einziges Transportmittel die Astronauten zur Internationalen Raumstation befördern, die Shuttle ersetzen? Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich daraus für die nächsten bemannten Missionen?

Wörner: Sojus und Shuttle haben sich als zuverlässige Transportmittel für Kosmonauten und Astronauten in den letzten Jahrzehnten bewährt. Das Shuttle war darüber hinaus in der Lage, auch größere Lasten in die Umlaufbahn und zurück zu bringen; eine Eigenschaft, die uns in den nächsten Jahren fehlen wird. Die vor einiger Zeit deshalb formulierte Idee, das ATV entsprechend weiterzuentwickeln, ist leider infolge der finanziellen Vorgaben der Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumorganisation ESA nicht kurzfristig umsetzbar. Wir werden nun gespannt abwarten, was die amerikanische Initiative zum kommerziellen Raumtransport, das "Commercial Crew Development" -Programm (CCDev2), erreichen kann. Ziel dieses Programms ist es, nach dem letzten Shuttle-Flug so  schnell wie möglich wieder eigene Transportkapazitäten für bemannte Weltraumflüge zur Verfügung zu stellen.  
ReiseTravel: Die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung stellt vor allem den Nutzen der Raumfahrt für die Menschen auf der Erde in den Vordergrund. Doch wie können bemannte Missionen diese Forderung trotz eingeschränkterer Transportkapazitäten erfüllen? Welche Rolle spielen dann z. B. Experimente in Schwerelosigkeit mit Beteiligung von Astronauten?

Wörner: Die Experimente in der Schwerelosigkeit mit Beteiligung von Astronauten gehen mit Sicherheit weiter. Die Randbedingungen dafür fallen nicht auf die "Vor-Shuttle-Zeit" zurück. Es stehen neben der ISS die Transportmittel ATV und HTV zur Verfügung und die globale Vernetzung der Raumfahrt bietet zusätzliche Möglichkeiten. Aber das Problem der Rückführung von Geräten, Experimenten und Proben muss zeitnah gelöst werden.
ReiseTravel: Stichwort Internationale Kooperation: Gibt es beispielsweise ernsthafte Pläne, das europäische Automated Transfer Vehicle (ATV), an dem Deutschland einen großen Anteil hat, für den Transport der Astronauten einzusetzen?

Wörner: Das ATV wird für die bemannte Raumfahrt eingesetzt: Es transportiert Lebensmittel und andere Güter für die Astronauten und dockt automatisch an die Internationale Raumstation an. Damit erfüllt es wesentliche Aufgaben für die bemannte Raumfahrt und berücksichtigt die besonderen Sicherheitsanforderungen. Allerdings ist es kein Transportmittel für Menschen. Hier wird sich zeigen, ob die Kooperation, insbesondere zwischen den USA und Europa, zu neuen Konfigurationen in der Verbindung von europäischen und amerikanischen Technologien und Erfahrungen unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten realisiert werden können. Genug Ideen gibt es.  
ReiseTravel: Wie sehen Sie die Privatisierung und Kommerzialisierung der Raumfahrt? Welches Engagement der privaten Industrie halten Sie für sinnvoll?

Wörner: Privatisierung und Kommerzialisierung sind zwei unterschiedliche Aspekte. Im Bereich der Kommunikation sind bereits private Unternehmen erfolgreich unterwegs und investieren im All nach ähnlichen Mustern wie auf der Erde. Bei der bemannten Raumfahrt gibt es Firmen, die den Weltraumtourismus als Geschäftsmodell gewählt haben und entsprechende Vehikel für Flüge bis über 100 Kilometer Höhe entwickeln. Bei der Kommerzialisierung des Raumtransports hat Europa mit dem Unternehmenskonstrukt Arianespace einen "Prototypen" etabliert, der durchaus als Vorbild auch von anderen Nationen genutzt wird: Mit institutioneller Unterstützung, aber selbst verantworteter Geschäfte. Im Bereich der Wissenschaft und der Exploration wird der Staat auch in Zukunft in der Raumfahrt eine zentrale Aufgabe bei der Finanzierung spielen.
ReiseTravel: Vielen Dank für das Gespräch.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – www.dlr.de  

Von Elisabeth Mittelbach

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Jan Wörner scheidet als Generaldirektor der ESA aus

Acht Jahre, von 2007 bis 2015, war Prof. Johann-Dietrich „Jan“ Wörner Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seit 2015 leitete er die europäische Raumfahrtagentur ESA als deren Generaldirektor. Seine persönliche Motivation für den Vorstandsvorsitz beim DLR und als ESA-Generaldirektor war die Begeisterung für die Technik, vor allem die Faszination für die Raumfahrt.
„Die Information, dass Prof. Jan Wörner bereits am 28. Februar 2021 aus dem Amt als ESA-Generaldirektor ausscheiden wird, haben wir mit Bedauern zur Kenntnis genommen. In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender des DLR und als Chef der ESA hat er die nationale wie auch die internationale Raumfahrt entscheidend geprägt“, betont Prof. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR, „Als Wissenschaftler und Europäer ist es seine Überzeugung, dass die Wissenschaft, im Besonderen die Raumfahrt, Nationen verbindet, Grenzen überschreitet und damit Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenführt. Das war bestimmend für seine Arbeit. Nach seinem Ausscheiden aus dem DLR war das „EIN_DLR“ kein leeres Versprechen mehr auf dem Weg zu „UNSER_DLR“. Es war die Gewähr und Aufforderung für ein starkes DLR in allen Bereichen.“
„Mit seinen mutigen Entscheidungen und Impulsen hat Prof. Jan Wörner die ESA stark gemacht und ihr den Weg in die Zukunft geebnet. Darüber hinaus hat er den Ausbau des Programmbereichs Weltraumsicherheit maßgeblich vorangetrieben. Vor allem aber hat er mit großem Verhandlungsgeschick bei der unglaublich erfolgreichen Ministerratskonferenz Space19+ in Sevilla dafür gesorgt, die europäische Raumfahrt finanziell hervorragend auszustatten und wichtige Impulse Richtung Kommerzialisierung und NewSpace zu setzen“, sagt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstand und Leiter der deutschen Raumfahrtagentur, die im Auftrag der Bundesregierung das deutsche ESA-Geschäft steuert.
Rückblick
In der Amtszeit von Prof. Wörner beim DLR wurden spannende und neue Themen umgesetzt. Die Diversität im DLR fand besondere Beachtung in der neuen Strategie und ein Graduate Program wurde aufgelegt. Ein DLR weites Wissensmanagement wurde eingeführt und die Kommunikation neu und erfolgreich ausgerichtet. Mit dem Intensivieren der internationalen Aktivitäten erhielt das DLR eine größere Sichtbarkeit, unter anderem durch die Eröffnung eines Büros in Tokyo. Zudem wuchs das DLR von 5400 auf 8000 Mitarbeitende. Viele richtungsweisende Investitionen erfolgten. Die Energie-und Verkehrsforschung wurden einem neu etablierten Vorstandsbereich zugeordnet, was mit einer größeren Eigenständigkeit verbunden war. Mit der Sicherheitsforschung bekam das DLR einen ersten Querschnittsbereich. Als Leiter der deutschen Delegation in der ESA war Prof. Wörner aktiv an den Beschlüssen der ESA-Ministerratskonferenz in Neapel zum europäischen Ariane-Programm beteiligt. Auch die Diskussionen über ein Moon Village gehen auf eine Idee von Prof. Wörner zurück.
Columbus auf der ISS, die Flüge des europäischen Transportraumschiffs ATV, die Einführung des Forschungsflugzeuges A320ATRA, die erfolgreiche Landung von Philae auf dem Kometen 67P – Missionen und Vorhaben, an denen das DLR und Jan Wörner in den Jahren von 2007 bis 2015 aktiv beteiligt waren. Der Einsatz der Falcon 20E „Volcano Ash Hunter“ des DLR zur Erforschung der Folgen eines Vulkanausbruches auf Island geht ebenfalls maßgeblich auf seine Initiative zurück.
DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt www.dlr.de
Von Andreas Schütz

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