Francisco Pizarro

Francisco Pizarro - Macht durch Hinterhalt

Auf der Suche nach einem sagenumwobenen Goldschatz machte sich ein spanisches Heer von 1526 bis 1528 auf, um die peruanische Küstenregion zu erkunden. Ihr Anführer war Francisco Pizarro, ein Mann der auf die Geschichte und Entwicklung Perus immens einwirkte.

Doch wer war dieser Spanier, der die Inka-Herrschaft unter seinem machtvollen Mantel begrub und als Ritter des Santiago-Ordens sowie Kaiserlicher Statthalter von Neu-Kastilien thronte?

Als unehelicher Sohn eines armen Edelmannes und einer Magd, wuchs Pizarro in Trujillo im ländlichen Extremadura in Spanien auf dem väterlichen Gut auf, wo er in seiner Kindheit die Schweine hütete. Auf Grund dieser Beschäftigung erhielt er den Namen "Porquero" (Sauhirt) und auch seine fehlenden Lese- und Schreibkenntnisse brachten ihm so einigen Spott ein. Einige Historiker berichten, dass er nicht einmal seinen Namenszug zeichnen konnte, sondern in seiner späteren Herrschaftsposition lediglich einen selbstbewussten Schnörkel unter die diversen Papiere setzte.

Als Kolumbus am 11. Juni 1496 von seiner Entdeckungsreise zurückkehrte, entfachte dies in ganz Spanien eine Aufbruchsstimmung. Von dieser infiziert, entschloss sich der junge Pizarro an der zweiten Expedition im Jahre 1498 teilzunehmen, die ihn schließlich nach Hispaniola, dem heutigen Haiti und weiter nach Panama führte. Bereits 40 Jahre alt, aber noch längst kein reicher Mann, sondern nur im Besitz einer kleinen Farm, kam dem Spanier die Kunde von einem Goldschatz in Peru zu Ohren. Elektrisiert von der Vorstellung ein wohlhabender Adliger zu sein, brach er mit seinem circa 180 Mann starken Gefolge auf und landete schließlich in Cajamarca.

Dort herrschte zu dieser Zeit der Inka Atahualpa, der im Glauben an seine Überlegenheit dem für ihn winzigen und lächerlichen spanischen Herrn seine Stadt während der Territorien-Verhandlungen überließ. Währenddessen schmiedete der gerissene Pizarro einen seiner Meinung nach genialen Plan. Er lockte den Inka mit seinem unbewaffneten 4.000-Mann-Gefolge in die Stadt, wo eine Prozession abgehalten wurde. Ein Priester trat dem Indigenen mit einem Kreuz und der Bibel gegenüber und verkündete das Wort Gottes. Der Inka-Herrscher fragte überrascht, woher das Wort Gottes käme, woraufhin ihm der Heilige die Bibel reichte. Da Atahualpa die Schrift nicht deuten konnte, hielt er sie sich ans Ohr und warf sie weg, da er das Heilige Wort nicht hören konnte. Dies nahm Pizarro zum Anlass den Inka inmitten seines waffenlosen Heeres festzunehmen. Die Spanier richteten mit ihren Kanonen ein Blutbad an, währenddessen auf ihrer Seite niemand verletzt wurde. Das außerhalb der Stadtmauern gelagerte Hauptheer des Atahualpa (20.000 bis 80.000 Mann) verblieb im Waffenstillstand um ihren Halbgott nicht in Gefahr zu bringen. In der Hoffnung, dass ihr Herrscher unbeschadet zu ihnen zurückkehren könnte, füllten sie den Raum, in dem der Inka als Geisel gehalten wurde bis zur Decke mit Gold und einen weiteren mit Silber. (Dieses Lösegeldzimmer kann man noch heute in Cajamarca besichtigen). Interessanterweise berichten einige Schriftstücke von einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen dem Spanier und dem Inka während der 8-monatigen Geiselnahme, was die Hinrichtung Atahualpas 1533 nach einem angeblichen Aufstand vor Gericht trotz Zahlung nicht verhindern konnte.

 

Mit dieser "Schlacht" bei Cajamarca initiierte Francisco Pizarro die Niederwerfung des 6 Millionen Einwohner zählenden Inka-Reiches, stellte die Weichen für die Kolonisierung weiterer Teile Südamerikas und trieb die Christianisierung und somit auch die Adaptierung der spanischen Kultur und Sprache voran. Dies war also Francisco Pizarro: ein von seinem Vater verachteter, machtbesessener, erschlossener, zielstrebiger und vor allem intelligenter Mann, der das mächtigste Reich des alten Südamerika durch einen Hinterhalt zu Fall gebracht hat.

 

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Ein Beitrag für ReiseTravel von Sandra Wolf.

 

 

 

 

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