Berlin

Die Nofretete Anbetungsstelle: Museumsinsel - Neues Museum Berlin

Nofretete – das heißt so was wie: die Schöne ist gekommen. Vermutlich unfreiwillig, aber immerhin. Da ist sie. In einem eigens für sie bereit gestellten Raum. Die Büste der Nofretete gilt als das wertvolle Ausstellungsstück des Ägyptischen Museums als Teil des Neuen Museum auf der Museumsinsel in Berlin. Bereit bestaunt zu werden von den Bewunderern aus der ganzen Welt. Heute hat sie ihren Platz an einem Ort, welchen die schöne ägyptische Königin nicht einmal gekannt haben mag.

Als Prinz Amenophis den Thron bestieg, wollte er eine Revolution einleiten. Er schaffte die Verehrung Gottes in vielen Gestalten und Namen ab und setzte an seine Stelle einen einzigen Gott: die Sonne Aton. Für sie gründete er eine neue Hauptstadt: Amarna und nannte sich selbst Echnaton „dem Aton wohlgefällig“.

Nur er und seine Hauptgemahlin Nofretete sollten zwischen Gott und den Irdischen vermitteln. Als alleinige Herrscher – ohne das ganze Heer an ägyptischen Göttern. Hinter dem zauberhaften Antlitz seiner Gattin Nofretete, deren Schönheit sich an der Büste nur erahnen lässt, soll sich eine ausgesprochene Machtpolitikerin verborgen haben. Die berühmte Büste jedenfalls, aus der 18. Dynastie um 1340 vor Christus, zeigt ihr Gesicht Form vollendet und fasziniert durch die feine Modellierung des Gesichtes, die genaue Gestaltung einzelner Falten im Bereich der Augen und des Mundes sowie der Sehnen am Hals.

Die Büste der Nofretete ist nicht das einzige wertvolle Ausstellungsstück des Neuen Museums in Berlin. Über dem Eingang mahnt der Satz: „Artem non odit nisi ignarus“ – Nur der Unwissende hasst die Kunst. Den Unwissenden zum Wissenden zu machen, darin lag das Bestreben des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Und so beauftragte er 1840 den Architekten Friedrich August Stieler, einen Schüler des großen Baumeisters Friedrich Schinkel, mit der Planung des Museums in Berlin. Ein begehbares Dokument der Kulturen von der Steinzeit bis zur Neuzeit sollte darin geschaffen werden. Von den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt wurde das Neue Museum ab 1989 wieder hergestellt und nach dem Fall der Mauer als Teil des Gesamtprojektes der Wiedervereinigung der Staatlichen Museum eingegliedert. Es vereint heute das Ägyptische Museum, die Papyrussammlung sowie das Museum für Vor- und Frühgeschichte unter einem Dach.

Das Untergeschoss wurde der Jenseitswelt und den Göttern gewidmet. Im Glauben, dass das Sterben den Weg zum ewigen Leben öffnet, entwickelten die Menschen seit je her vielfältige Methoden und Bestattungspraktiken.

Besonders Anfang des 19. Jahrhunderts fanden von Berlin aus bedeutende Forschungsreisen nach Ägypten statt. Einige wertvolle Fundstücke nicht nur aus dieser Zeit präsentiert das Ägyptische Museum und führt auf eine Reise zurück in drei Jahrtausende Pharaonenzeit. Das berühmte Altarrelief aus einem Haus in Amarna zeigt  König Echnaton mit seiner Gemahlin Nofretete  und drei der Töchter unter der Sonnenscheibe des Aton.

Die Papyrussammlung in Berlin mit mehreren Zehntausend Handschriften zählt zu den ältesten und größten ihrer Art in Deutschland. Im Museum für Vor- und Frühgeschichte befinden sich Ausgrabungsfunde von Troja, welche Heinrich Schliemann dem Museum schenkte sowie die Zypern-Sammlung. Das Porträt von Schliemanns Gattin Sophie mit dem Großen Gehänge aus dem „Schatz des Priamos“ ging um die ganze Welt. Ob es sich allerdings bei dem von Schliemann entdeckten Ort tatsächlich um das legendäre Troja handelt, wissen wir bis heute nicht.

Ein weiterer Mythos, den zu lösen es gilt. Ebenso wie den über den weiteren Werdegang der schönen Königin Nofretete. Nach dem Tod ihres Gatten Echnaton, Schwiegervater des Tutanchamun, herrscht Schweigen über sie. Über ihren Verbleib danach gibt es nur Spekulationen. Hat sie das Reich weiterregiert, falls sie Echnaton überhaupt überlebt hat. Oder wurde sie von ihm bereits abserviert, weil er eine andere Frau geehelicht hat. Vielleicht hat sie sich bereits vor ihm vom Leben verabschieden müssen, eventuell sogar zwangsweise. Denn auch woran sie verstorben ist, weiß man nicht genau. Ebenso wenig wie über den Verbleib ihrer Mumie.  Obwohl – wirklich sterben wird sie ohnehin nicht so bald. Sie lebt weiter im Museum in Berlin und wird alljährlich von Millionen von Besuchern bewundert und geehrt. 

Staatliche Museen zu Berlin Generaldirektion, Stauffenbergstraße 41, D-10785 Berlin, Tel. +49 (0) 030 – 266 42 3401 - www.smb.museum 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Sabine Erl 

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