Türkheim

Gabi Dräger, Isolde Egger, Thomas Pius Schröder, Bene Zint im Schloss in Türkheim

Ausstellung „Bussi Bussi HAM HAM“: Woher kommt der ausgefallene Name der Ausstellung? „Balle Balle Knalle“ und „Rebel Dabble Babble“ sind Ausstellungen, die die Richtung schon vorgegeben haben. Das sind Titel von hochkarätigen Kunstausstellungen weltbekannter Künstler. „Balle Balle Knalle“, war bis zum Frühjahr dieses Jahres im Kunstmuseum in Stuttgart zu sehen. Dort wurde eine außergewöhnliche Retrospektive des Künstlers Dieter Roth gezeigt. Die Riesen-Installation „Rebel Dabble Babble“ der amerikanischen Künstler Paul und Damon McCarthy, läuft zur Zeit in der Volksbühne in Berlin. In Türkheim gibt es eine bescheidenere Ausstellung „Bussi Bussi HAM HAM“ mit Gabi Dräger, Isolde Egger, Thomas Schröder, Benedikt Zint.

Essen und Sex

Was hat es nun mit unserem merkwürdigen Titel auf sich? Es geht um das essenzielle um „Essen und Sex“, das vermeintlich wesentliche im Leben. Das haben die vier Künstler in unterschiedlicher Weise, jeder auf seine eigene authentische Art umgesetzt.

Hauptsache unkonventionell

Gabi Dräger

Da ist Gabi Dräger aus München. Sie hat Kurse in Malerei an der School of Visual Arts und am Pratt Institut in New York belegt. Ferner war sie bei Professor Markus Lüpertz und Helmut Middendorf an der Kunstakademie Bad Reichenhall. Sie kann zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland vorweisen. „Hauptsache unkonventionell“ ist ihr Leitfaden. Das sieht man an ihren frechen Gemälden mit Titeln wie: „Himbeereis zum Frühstück" und „Haselnusswalzer“. Dass bei Gabi Drägers Bild mit den Wienerwürstchen bei der Betitelung „mittelscharf“ der Senf gemeint ist, ist klar. Doch auch Krapfen, Schwarzwälder-Kirschtorte und Bounty verlocken auf den Gemälden zum Reinbeißen. Und auf der rausgestreckten Zunge einer unbekannten Schönheit schmelzen Liebeskugeln aus Schokolade. Schon in den Grimms Märchen spielte die Erotik eine große Rolle, das weiß jeder. So entführt Gabi Dräger mit dem froschfeuchten „Königskuss“ und mit „Schneewittchens Traum“ in fiktive Geschichten. Gerade in der heutigen Zeit wo Ängste umgehen, sehnen sich die Menschen nach einer intakten Umwelt. Gabi Dräger setzt sich mit der sogenannten „Heilen Welt“ und den Schwächen der Menschen auseinander. Die Themen werden oft schrill überzeichnet und in kräftigen Farben gemalt, um sie drastischer darzustellen. Eine Kombination aus realistisch und abstrakt gemalten Motiven soll die Auswirkung der Macht und Gier der Menschen verdeutlichen. Mit Comics und Kinderbildern vermischt, zeigen die Bilder erst auf den zweiten Blick die Kritik an der Gesellschaft.

Fleischeslust und Sahnetorten

Isolde Egger aus Bad Wörishofen

Isolde Egger aus Bad Wörishofen hat eine Ausbildung in Malerei bei Helmut Middendorf und Professor Markus Lüpertz an der Kunstakademie Bad Reichenhall und bei Joan Semmel aus New York, an der Sommerakademie Salzburg gemacht. Sie beteiligt sich seit vielen Jahren an Ausstellungen im In- und Ausland. Es gibt öffentliche Ankäufe von der Stadt Bad Wörishofen, dem Landratsamt Mindelheim, der Stadt Schwaz in Österreich und dem Landratsamt Dachau. Seit zehn Jahren beschäftigt sie sich mit Skulpturen in Ton, sowohl figurativ als auch abstrakt. In der Ausstellung „Bussi Bussi Ham Ham“ zeigt sie sowohl Malerei in Acryl und Öl, als auch Zeichnungen und Skulpturen in Ton. Angesichts der heftigen Fleischmalerei im ersten Raum könnte es so manchem Vegetarier schlecht werden. Essen wir weltweit zu viel Fleisch? Schaden wir dadurch der Umwelt? Kritische Gedanken werden von ihr direkt und ungeschönt auf die Leinwand gebracht. Dagegen richten die üppigen Torten in der Glasvitrine keinen Kalorienschaden mehr an, die sind nämlich aus Keramik. Gerne werden von ihr symbolhafte Aussagen in der Inszenierung der Komposition verwendet. Der Voyeurismus des Betrachters bis zur kalkulierten Provokation ist eingeplant. Künstler heutzutage haben die Freiheit in ihrer Darstellungsweise heikle Themen aufzugreifen und sie können in unserem freien und liberalen Land Sexualität abbilden. In ihren „Türkheimer Skizzen“ über historische Berühmtheiten des Ortes stellt sie die Fragen: „War Maximilian Philipp ein guter Liebhaber“ und „wie küsste Mauritzia Febronia“? Der Humor darf bei ihrer Kunst nicht zu kurz kommen. Und bei ihrer Brotserie werden sie ihr zustimmen wenn sie sagt: „Ich laufe meilenweit für eine gute Breze“.

Die starke Sau und der scharfe Krake

Thomas Pius Schröder aus Türkheim

Gänzlich ungewohnt und mit einer völlig neuen Optik stellt sich Thomas Pius Schröder aus Türkheim dar. Seine Ausbildung als Steinmetz und Steinbildhauer erhielt er in Augsburg und an der Dombauhütte in Regensburg. An der staatlichen Fachschule für Steinbearbeitung in Wunsiedel machte er seine Meisterprüfung. Im Atelier in Pietrasanta bei Carrara entstehen seine von der italienischen Sonne beeinflussten Bildhauerarbeiten. Thomas Schröder ist Lehrlingswart von Südschwaben und im Prüfungsausschuss an der BBZ in München. In seiner Heimat ist Thomas bekannt für seine minimalistisch gestalteten Steinskulpturen in Granit und anderen Natursteinen, die rund, geschweift und poliert sind und zum Anfassen verführen. Doch diesmal sind seine Skulpturen total anders. Ein gefräßiger Krake verschlingt alles was er mit seinen Fangarmen zu greifen kriegt und das rosarote Schwein mit dem Ringelschwänzchen suhlt sich genüsslich in kulinarischen Köstlichkeiten, gewappnet mit der zweispitzigen Gabel, bereit zur Verteidigung seiner Mahlzeit. Inspiriert vom Thema hat Thomas Schröder sich zu einer farbenbunten Orgie hinreißen lassen und ein fröhlich sinnliches Essstillleben in spanischem Sandstein herausgearbeitet.

Der Mufflon und der Kunstrasen

Wer frisst sich da durch sämtliche Räume im Kleinen Schloss? Der Mufflonbock von Benedikt Zint aus Dietershofen. Bekannt ist Benedikt Zint eigentlich für seine veränderbaren Stahl-Glas-Skulpturen, wofür er auch in Bad Wörishofen den Preis der Stadt bekam. Er ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler, BBK Schwaben Süd, und hat sich an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, z. B. an der großen Kunstausstellung im Hofgartensaal der Residenz in Kempten. In der Landesgartenschau Memmingen 2000 war er mit einer großen Glas-Stahl-Installation vertreten. Öffentliche Ankäufe gibt es von der Stadt Kempten, der Stadt Memmingen und der Gemeinde Oberschönegg. Nicht zuletzt betätigt er sich als Maler in Öl und Acryl, abstrakt und figurativ. Sein neues Medium jedoch ist der Kunstrasen. Diese Multi-Media-Installation hier im Kleinen Schloss heißt „Futter für den G-Punkt-Bock“. Dass der Bock mit dem Kunstrasen nichts anfangen kann ist klar. Erst bis er sich durch alle Wände und Räume durchgearbeitet hat, erreicht er mit der Dame in der Kiste den Höhepunkt. Benedikt Zint hat mit seiner Installation sämtliche traditionelle Ausdrucksformen hinter sich gelassen und erreicht mit unkonventionellem Materialmix eine neue Darstellungsweise die in ihrer Aktualität internationalem Standard gleichkommt.

ReiseTravel Fact: „Bussi Bussi Ham Ham“ ist eine zeitgenössische, farbfreudige und humorvolle Kunstausstellung in der sich alles auf das Essen und den Sex konzentriert.

„Ausstellung: „Bussi Bussi HAM HAM“ im Kleinen Schloss in Türkheim, www.isolde-egger.de

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