Gabi Dräger

Ein Bayer im 19. Jahrhundert in Japan, mit Sehnsucht nach der Ferne: Corona am 24.5.2020 in München

Reiselust und COVID-19

Wegen Corona ist es noch nicht möglich, in fremde Länder zu reisen, deshalb haben viele Fernweh, sie würden am liebsten sofort verreisen. Philipp Franz von Siebold, ein Bayer, träumte schon im 19. Jahrhundert davon Forschungsreisen in ferne Länder zu unternehmen. Er konnte damals seinen Traum erfüllen und nach Japan reisen.

Philipp Franz von Siebold Japanreise by ReiseTravel.eu

Desinfektion für Japan Ausstellung

Am Eingang im Museum Fünf Kontinente in München gab es einen Desinfektionsapparat. Ein Ordner achtete darauf, dass sich jeder Besucher die Hände mit der Lotion einrieb. Ich musste warten bis ein Besucher aus der „Collecting Japan von Philipp Franz von Siebold Vision vom Fernen Osten“ Ausstellung herauskam, dann durfte ich eintreten.

Ein Bayer in Japan

Der Bayer und Mediziner Philipp Franz von Siebold (1796-1863) aus Würzburg hatte Fernweh, er wollte unbedingt nach Japan. Er bewarb sich bei den niederländischen Militärbehörden als Stabsarzt, die eine Handelsstation in Japan hatten. Japan war damals abgeschottet, nur die Holländer und Chinesen durften nach Japan reisen und mit Japan Handel betreiben.

Siebold konnte 1823 seinen Wunsch erfüllen und nach Japan reisen. Er lebte in der holländischen Handelsstation auf der Insel Dejima bei Nagasaki und unterrichtete Schüler in Medizin und Biologie. Da er Arzt war, durfte er Patienten behandeln und konnte so die Handelsstation auch manchmal verlassen. Für die Behandlungen nahm er kein Geld, sondern er nahm Geschenke für seine Japansammlung. Im Jahre 1826 durfte er, die alle vier Jahre stattfindende Reise an den Hof des Shogun in Edo, begleiten. Der Hofastronom des Shogun schenkte Siebold Kartenmaterial über Japan, was streng verboten war.

Hausarrest und aus Japan ausgewiesen

Im Jahre 1828 war seine Dienstzeit abgelaufen. Ein Taifun warf das mit der Sammlung beladene Schiff wieder an Land zurück. Bei dieser Gelegenheit wurde die Schiffsladung überprüft und die für Ausländer verbotenen Landkarten wurden gefunden. Siebold wurde unter Hausarrest gestellt. Er durfte den größten Teil der Sammlungen behalten, aber er wurde auf Lebenszeit aus Japan ausgewiesen.

Bei seiner Abreise am 2. Januar 1830 musste Siebold seine japanische Lebensgefährtin Kusumoto Taki und seine Tochter Ine zurücklassen. Seine Tochter wurde später die erste Frauenärztin Japans und war auch zeitweise Ärztin der Kaiserin. Zurück in den Niederlanden führte Siebold viele Pflanzen in den Niederlanden ein, verfasste viele Forschungsergebnisse und katalogisierte seine Sammlung. 1845 heiratete Siebold heiratete Helene von Gager, mit ihr hatte er drei Söhne und zwei Töchter.

Philipp Franz von Siebold Japanreise by ReiseTravel.eu

Zweite Japanreise

Schon 1835, vor seiner zweiten Japanreise, regte Siebold bei König Ludwig I. von Bayern an, ein Völkerkundemuseum in München zu bauen. Nach Aufhebung der Verbannung durfte er 1859 dann doch wieder nach Japan reisen. Bei dieser Reise begleitete ihn sein Sohn Alexander. Während seines zweiten Aufenthaltes sammelte er wieder botanische, zoologische und ethnografische Objekte. Diese Sammlung bot er nach seiner Rückkehr nach Deutschland dem bayerischen König Ludwig I. an, die von der Bayerischen Regierung aber erst acht Jahre nach seinem Tod angekauft wurde. Sie war der Grundstein für das Völkerkunde Museum in München.

Das Museum „Fünf Kontinente“ in München stellt heute die Sammlung aus, die Philipp Franz von Siebold während seines zweiten Aufenthaltes in Japan anlegte. In der Ausstellung sind Lackarbeiten, Keramik, Porzellan, Haushaltsgegenstände, Waffen und Rüstungen, Bücher, Buddhas, Zeichnungen und Spiele zu sehen. Diese Gegenstände geben einen Einblick in das japanische Leben im 19. Jahrhundert. Die Sammlung seiner ersten Japanreise ist in Leiden in den Niederlanden im Siebold Haus ausgestellt.

Kultur und Kaffee

Im Eiscafé Venezia gab es keinen freien Platz mehr, obwohl es kühl und windig war. Ich wollte mich nicht schon wieder mit einem Cappuccino „To Go“ auf die Streukiste oder an die Bushaltestelle setzen, so bin ich nach Hause gegangen.

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Gabi Dräger.

Gabi Draeger by ReiseTravel.euUnsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Reise. Ihr Thema sind die Berge. Sie lebt und arbeitet in München. gabi@reisetravel.eu

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