Potsdam

Weihnachten steht vor der Tür

Zum Fest der Liebe gehört ein festlich geschmückter Nadelbaum: „Immer mehr Unternehmen stellen in der Firma Weihnachtsbäume auf und gestalten Feiern. Sie fördern damit das Betriebsklima“, sagt Christian Hohm im ReiseTravel Gespräch. Er ist Förster und Waldökologe, Spezialist zum Thema: Weihnachtsbaum:

ReiseTravel: Seit wann gibt es den Weihnachtsbaum?
Hohm: 1708 wird erstmalig ein „Lichthergeschmückter“ Baum - im 18. Jahrhundert ein Privileg der Fürstenhäuser und reicher Bürger – erwähnt. 1774 schildert Goethe einen Weihnachtsbaum im „Werther“. 1780 wird er erstmals in der Mark Brandenburg vermeldet. 1800 auf dem Berliner Weihnachtsmarkt und 1810 am königlichen Hofe in Berlin beschrieben. Seit 1820 hat die Familie Humboldt dann viel für die Verbreitung des Lichterbaumes in unserer Heimat getan.

ReiseTravel: Ein Baum in der Firma?

Hohm: Selbstverständlich! Betrachtet man sich die Geschichte des Weihnachtsbaumes so kann er in der Firma als Symbol für Kraft, Wachstum, Hoffnung, Frieden, Teamgeist und Verbundenheit mit der Natur stehen. Mein Tipp: Machen Sie sich und Ihren Mitarbeitern eine Freude und schaffen eine weihnachtliche Atmosphäre in Ihrer Firma. Nehmen Sie dem Alltag ein wenig Stress, gönnen sich ein paar Augenblicke Ruhe mit Ihrem Stück Natur und freuen Sie sich auf die kommenden Feiertage. Eines kann so ein Baum wirklich: Er lässt nicht nur Kinderaugen funkeln...

ReiseTravel: … und wie sollte der geschmückt sein?

Hohm: Anfangs war es üblich, den Baum grün zu belassen oder mit Äpfeln zu schmücken. Eine Straßburger Handschrift berichtet über eine mit goldenen Papierflittern, Äpfeln, Nüssen und Feigen sowie Süßigkeiten behängte Tanne für die Kinder der Zunftmeister, die den Baum plündern durften. Heute sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Von schrill bis traditionell ist alles möglich und es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, wie man sich seinen Baum zum Mittelpunkt des Weihnachtsfestes herrichtet.

ReiseTravel: Was sagt der Fiskus?

Hohm: Der mit dem Weihnachtsbaumgeschäft erzielte Umsatz ist zur Existenzgrundlage ganzer Berufszweige wie Waldeigner, Nebenerwerbslandwirte oder Gartenbaubetriebe geworden. Konjunktur hat derzeit der „Erlebnisweihnachtsbaum“ für die ganze Familie. Von Waldbesitzern und Forstverwaltungen werden in der Vorweihnachtszeit Termine angeboten, an denen man sich seinen Baum selbst schlagen darf. Am warmen Lagerfeuer kann man dann bei Glühwein, Bratwurst und Knüppelkuchen seine Erfahrungen über die beste Fällmethode, den optimalen Abtransport und das Aufstielen austauschen. Selbstbedienung ohne Förster ist jedoch nicht anzuraten. Waldfrevel richtet großen Schaden an und wird in jedem Fall zur Anzeige gebracht. So kann der Traum vom billigen Baum bisweilen sehr teuer werden. Die Forstleute sowie Forstschutzbeauftragte sind jetzt übrigens besonders wachsam.

ReiseTravel: Auch Weihnachten geht vorüber?

Hohm: In jeder Gemeinde oder Stadt werden zentrale Sammelaktionen für ausgediente Weihnachtsbäume angeboten. Wer sich sicher sein will, dass sein Baum einer ordnungsgemäßen Verwertung zugeführt wird, beteiligt sich an diesen Aktionen. Damit der Baum nicht zum „Sondermüll“ erklärt wird, sollte Schmuck, insbesondere Lametta vollständig entfernt sein.

Zünftig geht es zu: Erlebnisweihnachtsbaum, Fachberatung mit Glühwein am Lagerfeuer; Christian Hohm (l.) und Forstrat Holger Hendtke (r.) in der Oberförsterei Ferch

Der Weihnachtsbaum
Die heute bekannten grünen Symbole des Weihnachtsfestes in Europa und Nordamerika haben ihren Ursprung in der Baumverehrung der indogermanischen Völker. Wegen der alljährlichen Wiederkehr der Blätter und Blüten galten ihnen Laubbäume als Sinnbilder des Neubeginns und Vertrauens. Immergrüne Nadelbäume hingegen verkörperten das ewige Leben. Wann immer gefeiert wurde, begleiteten grüne, blühende oder geschmückte Bäume das Fest. In ganz besonderer Weise symbolisierten sie zur Wintersonnenwende die Widerwachsende Kraft der Sonne und des Lichtes, der Wärme, des Wachstums und der Verbindung von Mensch und Baum. Vielen Menschen gilt heute der Weihnachtsbaum als das Symbol des bevorstehenden Weihnachtsfestes. Seinen Ursprung hat dieser Brauch in den Städten des Elsass und des Breisgau im Oberrheingebiet. Dort war es von alters her Sitte, die Häuser zur Wintersonnenwende mit grünen Nadelbaumzweigen zu schmücken. Seit Anfang des 19.Jahrhunderts verbreitete sich der Weihnachtsbaum in der Mark Brandenburg. Dieser Siegeszug wurde ermöglicht durch den großflächigen Anbau von Fichten und Kiefern in Mitteleuropa, das Aufkommen der Eisenbahn als Transportmittel und die Rückbesinnung auf alte Bräuche.

Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger hat im Revier Rauen bei Storkow fachgerecht eine gut zwei Meter hohe Kiefer geschlagen. Damit gab er den Startschuss für die Weihnachtsbaumsaison 2010 des Landesbetriebs Forst Brandenburg. Der Minister schlug nicht nur seinen Baum auf einer vor sieben Jahren angelegten Küstentannen-Weihnachtsbaumkultur – er pflanzte danach, als Ausdruck der Nachhaltigkeit, einen neuen Weihnachtsbaum.

Wie in den Vorjahren steht die Bereitstellung der Weihnachtsbäume unter dem Motto „Waldwirtschaft – aber natürlich“. Mit der Abkehr von der Kahlschlagwirtschaft werden einförmige gleichaltrige Kulturen kaum noch angelegt. Der Wald soll sich unter dem schützenden Dach der Altbäume durch Selbstaussaat natürlich verjüngen. Dafür eignen sich Weihnachtsbäume – eben in kleineren Mengen – aus Naturverjüngungen. „Bei diesen Bäumen ist nicht jeder Ast gerade, dafür aber stammen sie aus dem Brandenburger Wald vom Förster, sind frisch und bieten die Gelegenheit, mit dem Weihnachtsbaumeinschlag auch das Erlebnis eines vorweihnachtlichen Ausflugs in den Wald zu verbinden“, sagte der Minister.

Außerdem werden Kiefern aus Laubholz-Pflanzungen als Weihnachtsbäume entnommen. Zusätzlich werden Sonderstandorte wie Leitungstrassen für den Weihnachtsbaum-Anbau genutzt, da auf ihnen kein regulärer Wirtschaftswald wachsen kann.

119 Termine an 45 Orten: Der Landesforstbetrieb bewirtschaftet lediglich die im Besitz des Landes befindlichen 270.000 Hektar Wald, was etwa einem Viertel der heimischen Waldfläche entspricht.

Eigeninitiative kann teuer werden: Das eigenmächtige Einschlagen von Weihnachtsbäumen ohne Erlaubnis des Waldbesitzers, egal ob staatlich oder privat, ist Baumklau und damit strafbar und wird vom Eigentümer zur Anzeige gebracht.

Die Hälfte des Angebots sind Kiefern

In den letzten Jahren hatten Kiefern und Schwarzkiefern mit rund der Hälfte den größten Anteil am Verkaufsangebot, gefolgt von Fichte und Douglasie mit zirka 30 Prozent. Die Stechfichte war mit 12 Prozent vertreten und sonstige Nadelbäume wie Tannen mit rund 8 Prozent.

Die Baumartenverteilung der privaten Weihnachtsbaum-Angebote unterscheidet sich von dem aus den Landeswäldern, da deren Angebote oft aus speziellen Kulturen stammen.

Der Verkauf von knapp 30.000 Weihnachtsbäumen und 50 Tonnen Schmuckreisig erbrachte im vergangenen Jahr einen Erlös von zirka 200.000 Euro. Diese Summe floss als Einnahme in das Budget der Landesforstverwaltung. In diesem Jahr rechnet der Landesforstbetrieb mit einem Verkauf von bis zu 25.000 Weihnachtsbäumen.

Im Angebot sind vorwiegend wieder Kiefern, Schwarzkiefern, Fichten und Douglasien. Die Preise schwanken je nach Weihnachtsbaumart und Größe und können regional unterschiedlich sein.

Wer? Wann? Was? Wo?

Wer seinen Baum selbst fällen oder aus dem Wald holen möchte, kann sich über Ort, Zeit und weitere Angebote informieren:

Internetseite des Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft unter

Weihnachtsbäume-aus-Brandenburg   www.forst.brandenburg.de 

 

www.MLUR.Brandenburg.dewww.wald-online.de
www.weihnachtsbaum-selbst-schlagen.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher

 

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