Hans Sima

Potsdamer Stadtschloss

Sehr geehrte ReiseTravel User, verehrte Freunde der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg: Knobelsdorffs Stadtschloss und Kuppel der Schinkelschen Nikolaikirche wurden nach dem britischen Bomberangriff 1945 zerstört. Die ebenfalls zerstörte Nikolaikirche wurde zu DDR-Zeiten wieder aufgebaut.

Der Neubau des Potsdamer Stadtschlosses zeigt bereits deutliche Konturen - das hartnäckige Drängen um seinen Wiederaufbau gegen ebenso zähen Widerstand hatte schließlich Erfolg. Freilich nur aufgrund großzügigsten Sponsorings. Unternehmer Hasso Plattner spendete für das künftige Landtagsgebäude 20 Millionen Euro zur Wiederherstellung der einstigen Knobelsdorff-Fassade und des historischen Treppenhauses. Mit einer weiteren Spende in Höhe von 1,6 Millionen Euro finanziert er die Mehrkosten für die Eindeckung des Daches in Kupfer statt mit Zink.

Veranschlagt sind 120 Millionen Euro Baukosten. Was hatte es da nicht für absurde Argumente gegeben, zumeist solche mit Hinweis auf angebliche Identitätsverluste der Potsdamer Bürger, deren größerer Teil nur das Potsdam der siebziger/achtziger Jahre kennen. In der Tat hatte man zur DDR-Zeit Potsdam ein „modernes" Gesicht geben wollen; gelungen war das freilich nicht. Denn überall bewahrten die immerhin beträchtlichen Reste der einstigen Residenzstadt Potsdams Charakter als jener Stadt, die in und mit Preußen entstanden und gewachsen war.

Trotz neuer Havelbrücke, großzügiger Straßenzüge und durchaus überzeugender Neubauten blieb die Innenstadt nach Abriss der Ruine des Stadtschlosses - und nicht zu vergessen der Garnisonkirchen-Reste! - ein Torso.

Die Landeshauptstadt Brandenburgs kann ihre Identität nur wiedergewinnen, indem sie ihre preußische Geschichte annimmt. Das scheint mit dem Konzept der Potsdamer „Neuen Mitte" beabsichtigt. Demzufolge werden neben den Altbauten der Innenstadt neue Gebäude entstehen, hier und da auch einige stillose Zweckbauten der letzten DDR-Jahrzehnte ersetzt. Neubauten mit barockem Charakter und auch solche in futuristischen Stilen werden so ein Gesamtbild ergeben, das den Namen Potsdam verdient.

Analog wird ja heute das Berliner Nikolaiviertel auch ganz selbstverständlich angenommen, und der Gendarmenmarkt, dessen Restaurierung bereits in der DDR-Zeit begann, ist, wirklich ein authentisches Stück Berlins, ganz anders als etwa der Potsdamer Platz, der sich wie ein zu klein geratenes Stück New Yorks ausnimmt.

Das Potsdamer Stadtschloss, obzwar lediglich als barocke Fassade eines modernen Baus für den Brandenburger Landtag, war und ist als städtebauliches Element schlicht unersetzlich Potsdam war nun einmal die Residenz- und zweite Hauptstadt Preußens.

Es war im Jahre 1662, dass Johann Gregor Memhardt von Kurfürst Friedrich Wilhelm mit einem repräsentablen Schlossbau in Potsdam beauftragt wurde. Das erfolgte im Zusammenhang mit auch anderen Schlossbauten in näherer Umgebung der inzwischen zur Residenz gewordenen Stadt Berlin und ihres ebenfalls großzügig umgestalteten Schlosses; all die später zu Bedeutung gelangten Schlösser wie Köpenick und Oranienburg, Niederschönhausen, Caputh, Friedrichsfelde und andere hatten in dieser Zeit ihre Anfänge. Aber auch der Ausbau der Stadt Berlin selbst.

Wer weiß heute noch, dass es der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm war, der die alte Chur und Hauptstadt Brandenburg an der Havel als solche sozusagen entthronte und 1643 erstmals die Huldigung der märkischen Stände nicht dort, sondern in seiner neuen Hauptstadt Berlin entgegen nahm?

Und dass dann seit 1657 - da waren die ärgsten Nöte des Dreißigjährigen Krieges vorüber und ein zielstrebigeres Regieren möglich - der Ausbau Potsdams von einem damals bedeutungslosen Havelort zu einer Nebenresidenz von Berlin begann?

Die endgültige Gestaltung des Potsdamer Stadtschlosses geht auf Friedrich den Großen zurück. Sie wurde zwischen 1744 und 1752, also nach dem zweiten Schlesischen Krieg, weitgehend von Hofbaumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausgeführt. Dabei war übrigens auf Weisung des Königs das berühmte Fortuna-Portal Jean de Bodts von 1701, das an die Königskrönung Friedrichs l. erinnerte, unverändert geblieben.

Zeitlicher Sprung nach vorn: Der schwerste Luftangriff auf Potsdam begann drei Wochen vor Kriegsende am 14. April 1945 um 22.16 Uhr. Britische Flugzeuge warfen 1.700 Tonnen Brand- und Sprengbomben ab. Dabei verloren ca. 500 Potsdamer ihr Leben und 60.000 ihre Wohnung.

Nach 1990 veröffentlichten Unterlagen der Royal Air Force waren nicht Militäranlagen das Hauptangriffsziel, die Potsdamer Altstadt sollte zermalmt werden. Das Stadtschloss und die Garnisonkirche brannten bis auf die Grundmauern nieder. Einige Volltreffer zerstörten die ehemaligen Wohnräume von Friedrich III. und Königin Luise. Vom Fortunaportal blieb lediglich eine Außenwand stehen.

Die Potsdamer Stadtverwaltung entschied 1959, die Schlossreste vollständig abzutragen. Die Entscheidung gegen einen Wiederaufbau der Ruine steht einerseits im Zusammenhang mit dem großen Wohnungsbedarf in der kriegszerstörten Stadt und andererseits mit dem Verdikt der Alliierten in ihrem berüchtigten Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 zur Auflösung Preußens: Der Staat Preußen sei „seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen“.

Diesem Verdammungsurteil entsprach DDR-Chef Ulbricht, als er die Ruinen der Schlösser von Potsdam und Berlin schleifen ließ.

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Hans Sima

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