Baku

Spurensuch in Aserbaidschan ist eine Reise wert

Helenendorf, gegründet um 1819 von aus Deutschland ausgewanderten Schwaben, heißt heute Göy Göl. Es liegt in einer agrarisch genutzten Landschaft nahe der zweitgrößten Stadt (Ganca) des muslimischen Landes zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer.

Der damalige Zar Alexander I. hatte über 500 deutschen Familien fruchtbares Land in Transkaukasien bereitgestellt. Und Helenendorf wurde vor 200 Jahren die erste deutsche Kolonie an der alten Seidenstrasse. Den Rhythmus des Lebens bestimmte die Landwirtschaft. Auf fruchtbaren Böden wuchsen Getreide, Gemüse und Obst, Oliven und Tabak, wurde Wein angebaut und die Seidenzucht entwickelt. Bald entstanden weitere Siedlungen wie Georgsfeld (heute Tschinarly), Alexejewka (Gasan-Su), Annenfeld (Schamkir), Grünfeld (Wurguna), Eigenfeld (Irimaschly), Traubenfeld (Taus) und Jelisawetinka. Die Deutschen waren in Alltag und Lebensweise sehr darauf bedacht, alle Traditionen und Bräuche ihrer Heimat zu wahren. In neuer Umgebung schufen sie ein Abbild ihrer Heimatdörfer: Häuser und Siedlungen europäischen Typs, deren Anblick für die einheimische Bevölkerung völlig ungewohnt war. Ein Netz von breiten Straßen, an ihren Rändern Pappeln, Kirchen im gotischen Stil, Wasserleitung und Bewässerungssysteme. Pioniere dieser Jahre waren Christopher Vohrer, Wolfgang Krieger und Christian Hummel.

Straßenansicht des ehemaligen Helenendorf: Heute erlebt der Besucher dieses Gebietes noch viele Hinterlassenschaften der Misswirtschaft aus der Sowjetzeit. Aber die Regierung von Aserbaidschan und ihr Präsident haben Programme beschlossen, die das Leben für die Bewohner des Landes von Tag zu Tag verbessern. Gelder aus der Ausbeute reicher Erdöl- und Erdgasvorkommen durch internationale Konzerne fließen in den Strassen- und Schienenbau, in Wasser- und Abwasserprojekte, in eine neue touristische Infrastruktur modernster Prägung. Neue Moscheen werden errichtet und alte Kirchen denkmalpflegerisch erhalten und saniert. Ein Beispiel dafür ist die lutherische St. Johanniskirche in gotischem Stil im heutigen Göy Göl. Mit Unterstützung der GTZ wurde sie als Museum gestaltet und der Öffentlichkeit übergeben. Der deutsche Verein Eurokaukasia will dort das „Deutsch-aserbaidschanische Kulturzentrum“ gründen. Ein neues Projekt wartet auf Hilfe in Schamkir, dem früheren Annenfeld. Die historische Kirche wurde zuletzt als Turnhalle genutzt… 

Immerhin, 71 Jahre alt ist er geworden, der Radiotechniker Viktor Klein. Letzter Nachfolger aller Siedler-Schwaben im Kaukasus. „Seine Grabstelle hat er selbst bestimmt, an der Seite der Mutter“, sagt sein aserbaidschanischer Freund Ismail Fikret: „Die letzten Jahre als Pensionär waren nicht immer einfach, schon wegen des Alkohols. Aber er hatte oft Besuch aus Deutschland, vor allem Journalisten wollten viel wissen.“ Zur Beisetzung im März 2007 kamen auf den deutschen Friedhof fast alle Dorfbewohner. Inzwischen ist es beschlossene Sache: Das Haus des Verstorbenen, inzwischen Eigentum der Deutschen Botschaft, soll zum „Schwäbischen Museum“ gestaltet werden.

Über 100 Jahre alte Biedermeier-Möbel und Hausrat, Bilder, Bücher und Schriften, sogar ein Klavier stehen noch im Haus. Verschwunden ist inzwischen die legendäre Kuckucksuhr. Wie in allen Siedlerhöfen von Helenendorf findet man auch in der Straße Nummer 2 noch heute unter jedem Wohnhaus einen großen Weinkeller. Das schwäbische Dorfleben fand ein Ende mit der Sowjetisierung ab 1928. Die Kommunisten lösten die Selbstverwaltung auf, verstaatlichten die erfolgreichen Unternehmen und tilgten den historischen Dorfnamen. Auf Befehl Stalins wurden die rund 20.000 in Aserbaidschan lebenden Deutschen 1941 nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Fünf Familien, darunter die Kleins, durften bleiben. Vielleicht, weil Viktors Vater Chefarzt des Krankenhauses war…

Klein-Haus in Helenendorf - Viktors gute Stube  

Wege nach Baku: Auch in Baku, der „Stadt der Winde“, wirkt das Erbe deutscher Siedler fort: So lässt sich in der Straße des 28. Mai noch heute die evangelisch-lutherische Pfarrkirche bewundern. Direkt daneben befindet sich das Kapellhaus, im Jahre 1908 im Auftrag der Kirchengemeinde errichtet. Noch heute genutzt als Veranstaltungsort für Kulturveranstaltungen aller Art. Auch die Architekten Adolf Eichler und N.A. von der Nonne sowie der Ingenieur Ferdinand Lehmkuhl haben Spuren in Baku hinterlassen. Am 4. März 1897 wurde der Bebauungsplan Baku des deutschen Architekten von der Nonne verabschiedet. Besonderen Wert legte er auf große Plätze und breite Boulevards. Ihm gehört auch das Projekt des Bakuer Stadtparks sowie das Gebäude des heutigen Kunstmuseums. Diese Sehenswürdigkeiten bilden noch heute die Ecksteine des Bakuer Stadtzentrums. Das erste Operntheater im Orient plante und konstruierte der deutsche Ingenieur und Technologe Ferdinand Lehmkuhl. Sein Name steht auch mit dem Bau von Zivil- und Industriegebäuden in Aserbaidschan in Verbindung. Zu den deutschen Architekten, deren Biographie mit dem Baku der letzten Jahrhundertwende verknüpft war, gehört Adolf W. Eichler. Er wahrte sich ein Andenken, indem er eine Schule für Kinder, Wohnhäuser für die Bevölkerung, eine Moschee und eine evangelische Kirche für seine Landleute errichtete. Seine Schöpfung ist auch das Gebäude des Bakuers Hauptbahnhofs. Nicht unerwähnt bleiben soll das Haus der Ministerien, errichtet von deutschen Kriegsgefangenen nach 1945.

Baku: Heute leben in der durch die Erdölförderung und den Handel über das Kaspische Meer geprägten Stadt Baku etwa drei Millionen Menschen, davon rd. 160 Deutsche:  Geschäftsleute, Experten, Entwicklungshelfer. Der Vorteil für Touristen liegt darin, dass sich der eigentliche Stadtkern auf wenige Quadratkilometer konzentriert und alle historisch interessanten Plätze zu Fuß zu durchstreifen sind. Besondere Sehenswürdigkeiten der orientalischen aber westlich orientierten Stadt sind die mittelalterliche Altstadt (Itscheri Scheher) mit Moscheen, Jungfrauenturm (Kyz Kalasi) und der Palast der Schirwan Schahs (12. –16. Jh.; UNESCO-Weltkulturerbe).
Außerhalb der Festungsmauern beeindrucken prachtvolle Gebäude aus der Zeit des Erdölbooms, Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts.                          

Anreise: Airbaltic über Riga oder Turkish Air­lines über Istanbul nach Baku. Ab Düsseldorf direkt.

 

Kontakt

Frau Kamala Hasanova, Foreign Tourism Division, Tourism Department
Ministry of Culture and Tourism of the Republic of Azerbaijan, Azerbaijan, Baku, Neftchiler ave. 65,
Phone: +994 12 4923984, Fax: +994 12 4923984, e-Mail: kamale-qasanova@rambler.ru

www.mct.gov.az - www.eurokaukasia.de 

Das noch unbekannte Aserbaidschan liegt in Europa und ist jederzeit eine Reise wert. Die Baku World Challenge könnte ein Reisemotiv sein. In Baku bietet das Kempinski Hotel beste Voraussetzungen zur Übernachtung. Willkommen in Baku lautet eine Offerte. Zur Rundreise im Land kann auf Deutschen Spuren gewandelt werden und die lockt im Sommer und ebenso im Winter zum Skifahren. 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Guenter Knackfuss

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