Lockenhaus

Motorsäge macht Kunst – Lifestyle Workshop Reise Ritterburg Lockenhaus

Kreativ sein mit Holz: Was mag er sich wohl gedacht haben, der Ärmste als er die Horde Frauen sah, die sich für den „Motorsägenschnitzkurs“ angemeldet hatten. Ja, offen gestanden, ein klein wenig Klischeedenken lag auch in meinem Hinterkopf. Dass es so viele weibliche Wesen sein würden, die sich zwischen Malen und Sägen für das schwere Gerät entschieden hatten, das hätte ich nicht gedacht. Insgeheim versetzte mich das Ganze auch ein wenig ins Grinsen angesichts der ganzen Männer, die sich im Gegenzug ganz soft fürs Malen entschieden hatten. Vorurteile, die wohl nicht so leicht aus dem Kopf zu kriegen sind. Obwohl man immer wieder eines Besseren belehrt wird.

Wenn man nicht oft mit den schweren Geräten zu tun hat, dann wirken sie irgendwie Furcht einflößend. Das war auch das Reizvolle daran, sich auf etwas Neues einzulassen und Hemmungen abzubauen. Muss man das, nein das muss man nicht. Aber man kann -und hat dann das befriedigende Gefühl, sich wieder einen Schritt weiter bewegt zu haben. Außerdem – es gibt ja immer noch die Option zu kneifen, wenn es soweit ist.

Allerdings, das musste ich dank Michael gar nicht. Zum Glück sah der Mann, der uns in die Kunst einweisen, wird sehr vertrauenerweckend aus.

Fachkundig, begeistert und so was von geduldig ist er, das muss man ihm lassen dem Michael Schlapschy. Er leitet den, wie er ganz offiziell bezeichnet wird - Holzskulpturen-Workshop auf Burg Lockenhaus. In seinem „Motorsägenschnitzkurs“ kommt das schwere Gerät künstlerisch zum Einsatz. Daneben arbeitet man mit dem schönsten Material, das uns die Natur zur Verfügung gestellt hat – dem Holz.

Während unsere Gemeinschaft noch einen Rundgang durch die Burg unternimmt, laufen die Motoren heiß. Ein letzter Lauftest noch, bevor wir Laien auf die hilflosen Sägen losgelassen werden. Dass die laut sind, wusste ich. Aber wie groß und vor allem wie schwer die tatsächlich sind, dass realisiert man erst, wenn man sie in der Hand hält. Das Sägeblatt strahlt und zeigt blökend die Zähne. Nimm Dich vor mir in Acht. Ja, achtsam umgehen muss man schon damit. Erst einmal losgelassen entwickeln sie eine ungeahnte Kraft.

Die erste Hürde ist genommen, das Ding läuft in meiner Hand. Michael führt mit mir gemeinsam in Tandem-Schneid-Weise den ersten Schnitt aus. Ein beruhigendes Gefühl, die Motorsäge und ich, wir kommen uns näher. Ich habe das Biest gebändigt.

Der zweite Schnitt erfolgt dann schon mit etwas mehr Selbstsicherheit. Jetzt ist mein Stück Baum bereit für die Weiterverarbeitung. Für den Feinschliff kommen eher die etwas kleineren Maschinen in Frage. „Die Motorsäge ist das Werkzeug, die elektrischen Sägen das Spielzeug“, meint Michael.

Mit dem Spielzeug soll nun also so etwas wie eine Form in den Baumstamm geschnitzt werden. Meiner ist ein Stück Zedernholz, aus dem nun ein Kunstwerk entstehen soll. Mit meinen beiden linken Händen. Wie? Ich habe keine Ahnung. Langsam sollte man eine Vorstellung entwickeln, was daraus werden soll. Die habe ich nicht. Also blinzle ich mal zunächst auf die Kunstwerke des Herrn Michael. Vielleicht kann ich mir da etwas abschauen. Kann ich nicht. Seine Geschöpfe sind so formvollendet, dass ich nun nicht schlauer bin als zuvor. Wie soll aus meinem langen Holzteil so etwas aussage kräftiges entstehen. „Fang einfach mal an“, meint Michael, „dann kommt die Idee schon“. Bei mir aber nicht. Holz ist für den Künstler mehr als nur ein Werkstoff, jedes Holz hat seine Seele. Die Seele ist mir wenigstens im Moment nicht gnädig gestimmt und hilft mir nicht weiter bei meinen Überlegungen, was das Ziel meiner Arbeit anbelangt.

Ein Blick in die Runde bringt mich auch nicht weiter. Abkupfern – das wäre doch nicht Sinn und Zweck der Sache. Es ist ein Kreativ-Workshop. Also – ich überlege mir was mir die Form des Stückes sagen will, so wie es mir Michael geraten hat. Es spricht nicht mit mir. Aber da, jetzt dämmert es - da ist irgendwas zu sehen, was aussieht wie ein Zacken. Ein Teil einer Krone vielleicht. Zwei Mädels warten zu Hause, zwei Prinzessinnen. Also – es wird ein Krönchen für meine kleine Lady in Pink. Jetzt habe ich eine Vorstellung des Ergebnisses, das nur noch fein säuberlich ausgeführt werden muss. Hilflos stehe ich vor den unzähligen Gerätschaften, da ist auch schon wieder Michael an meiner Seite. Er zeigt mir Klopfer, Spatel oder was auch immer und was man damit anfangen kann. „Das wird schon was“, meint er diesmal. Jede Menge Werkzeug, ich weiß jetzt, wie ich damit umgehen soll und auch was ich will. Michael hatte recht, nun läuft die Arbeit fast von allein. Beschwingt und mit einem regelrechten Feuereifer mache ich mich ans Werk.

Was macht Frau zu Hause als Erstes, wenn eine Maschine nicht geht. Sie schaut, ob der Stecker in der Steckdose steckt. Hier - aus lauter Euphorie - hatte ich das wohl vergessen. Passiert das einmal, ist es blöd, beim zweiten Mal wird`s peinlich. Aber - auch diesmal bückt er sich wieder ein klein wenig amüsiert der Michael. Ohne Strom geht das Gerät nicht. Stimmt. Aber man sieht, mit welcher Begeisterung gesägt, geschnitzt und gekloppt wird.

Michael Schlapschy

Workshop mit Michael Schlapschy

Je mehr ich an meinem Kunstwerk arbeite, desto ungezwungener wird es. Mein erster Gedanke an ein Krönchen entfernt sich mehr und mehr. Jetzt erinnert mich mein Zedernholzstück an „Stairway to heaven“. Unten sehr schwer zu erklimmen, oben immer luftiger, freier und offen für das Licht. Die Fieselarbeit nun, oben auch noch die kleinsten Rindenreste zu entfernen, hat was von Meditation. Der Kopf wird völlig frei. Entspannt werkle ich vor mich hin und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Motorsägenschnitzen ist also nicht nur sportlich Kraft zehrend am Anfang, sondern im weiteren Verlauf richtig erholsam. Meine Gedanken drehen sich um nichts anderes mehr als um mein „Baby“, die Sorgen des Alltags verfliegen. Die Hitze, die an uns die Sägespäne an Hals, Gesicht und Händen kleben lässt, ist wie weggeblasen im wahrsten Sinne des Wortes. Als Waschmaschine für uns hat Michael nämlich seinen Kompressor dabei. Mensch und Kunstwerk werden so vor der Abreise noch gründlich gesäubert. Mein Kunstwerk hier zu lassen, das wäre mir im Leben nicht eingefallen.

Schließlich zerren wir halbe Baumstämme zum Auto, die teilweise auch noch sehr liebevolle Namen wie R2D2, Oskar oder Emil bekommen haben. So etwas nennt man wohl eine nachhaltige Reise, von der man noch lange etwas hat. Heute ziert mein "Stairway to heaven" Kunstwerk meinen Garten und erinnert mich jedes Mal beim Vorbeigehen an das lustige Beisammensein, das schöne Gefühl als ich es schließlich - wenn auch ziemlich erledigt in den Armen - hielt. Und hoffentlich auch daran, nicht mehr auf Klischees hereinzufallen.

Michael arbeitet schon seit seiner Jugend gerne mit Holz. Das brachte ihn dazu, Holz als kreatives Element zu sehen. Der eigene Garten ist sein Atelier, seit 2002 präsentiert er seine Werke der Öffentlichkeit oder leitet Workshops. Wie den auf Burg Lockenhaus. www.kunst-mich.com

ReiseTravel Fact: Auch wenn man nicht vorhat, ein Schnitzkünstler zu werden, der Kurs ist eine einzigartige Erfahrung und eröffnet den Zugang zu etwas, was man alleine zu Hause nicht ausprobieren würde. Im Anschluss besitzt man auch noch ein kreatives Andenken – sehr zu empfehlen.

Anreise: Mit dem Auto.

Ritterburg Lockenhaus - Günserstraße 5, A-7442 Lockenhaus, burg.lockenhaus@wellcom.at - www.ritterburg.at

Kreativ Reisen Österreich - Straßfeld 333, A-Straß im Straßertale, info@kreativreisen.at - www.kreativreisen.at

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Sabine Erl 

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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