Bad Tölz

Im milden Reizklima des erkannten Heilbades Bad Tölz: hier sollen besonders gute Kräuter wachsen. Und die sind nicht nur was fürs Auge und die Gesundheit, sondern auch sehr schmackhaft wie wir bald feststellen. Wir sind hier, um uns auf ein Wildkräuter-Küchenrendezvous einzulassen. Eine Einführung in die Kräuterkunde erhalten wir von Karin Greiner, Diplom-Biologin und Pflanzenexpertin des Bayerischen Rundfunks und Ernährungswissenschaftlerin Dr. Annette Nagel. „Heute gibt es nur das, was jeder selbst gejagt hat“, verkündet man uns schmunzelnd.

Bad Tölz Kräuter

Karin Greiner präsentiert ihr Engelwurz-Prachtexemplar

Sogar im Herbst können sich die Tölzer Kräuterpädagoginnen nicht beklagen über ihre Ausbeute.  Es gibt immer noch allerlei zu ernten und zu verwerten. Gerade bei sonnigem Herbstwetter werden die Kräuter noch mal richtig herausgelockt und zum Gedeihen animiert. Dennoch: „Man muss die Gelegenheiten nutzen, wie sie sich anbieten“, meint Dr. Nagel. „Die Leute müssen wieder lernen, dass es nicht alles das ganze Jahr über frisch gibt und in unbegrenzter Menge“.

Wer gerne einmal einen Esel an der Leine führen möchte und sich ein paar Stunden von ihnen begleiten lassen will kann auch das haben in Bad Tölz. Die Esel sind gar nicht so störrisch, wie man immer annimmt und gerade für Kinder sind sie besser geeignet als Pferde, weil sie sehr friedliebend und außerdem leichter zu handhaben sind. Allerdings muss man ihnen schon zeigen, wer der Herr ist und selbstbewusst auftreten und sich durchsetzen. Und auf keinem Fall fressen lassen, das machen die nämlich sonst dauernd und man kommt nicht voran. Dass das stimmt, werden wir später noch mit eigenen Augen erleben.

Wenn man allerdings Kräuter sammeln will, dann sollte man die Tiere in gebührendem Abstand halten, sie verzehren fast alles, was grün ist und gut schmecken könnte. So wie den Engelwurz, den Karin Greiner freudestrahlend in die Luft hält, um ihn uns zu zeigen. Ein kurzer Blick darauf und schon ist er weg. Verschwunden im Maul eines grauen vierbeinigen Vegetariers, dem man dabei aber gar nicht böse sein kann. Die Brennnessel lassen sie stehen, weil sie die von oben nach unten essen müssten, klärt man uns auf. Wir hingegen pflücken sie von unten nach oben. Was  heißt - wir streichen sie fest zusammen und schieben die Blätter regelrecht mit leichtem Druck nach oben. Wer mag und sich traut, kann nun ein Brennnesselbonbon daraus rollen.

Manche Kräuter, so erfahren wir, haben ihren Namen direkt von der Wirkung oder dem Aussehen wie das Lungenkraut, welches gut für Lungenleiden hilft und auch dem Aussehen einer Lunge mit den zarten Bläschen sehr ähnlich sieht. Andere wieder haben ihren Ursprung in Sagen wie z. B. der Engelwurz, der von einem Engel einem Mädchen gegen die Pest empfohlen wurde.

„Hier in Bad Tölz“, sagt Greiner, „trägt die ausgezeichnete Luft zur hohen Qualität der Pflanzen bei. Beim Spaziergang treffen wir auch noch auf eine Pflanze, die es überwiegend nur hier gibt und wegen der zahlreiche botanische Fans hierher kommen. Die Sternblume. Auf den ersten Blick wirkt sie relativ unscheinbar, sie entfaltet erst bei näherem Betrachten entfaltet ihre ganze Schönheit.

Die schönsten Partys finden in der Küche statt, meint Greiner. Und so haben wir beim gemeinsamen Schnippeln, Putzen und reiben jede Menge Spaß. Erst dann gibt es etwas für den Magen. Auch die Blüten, die uns auf den ersten Blick als reine Dekoration erscheinen, werden Teil unseres Essens sein. Sie sind dazu da, den Speisen noch den letzten Schliff zu verleihen. Einfache Suppen wie z. B. Kürbissuppe oder Paprika-Orangen-Suppe können durch die Beigabe von Kräutern, Körnern oder eben auch Blütenblättern noch ein wenig aufgepeppt werden. Da wenig gesalzen wird, dienen sie dazu, die nötige Würze zu verleihen. Und tatsächlich - wir essen regelrecht die Dekoration auf. Hier darf man Malvenblüten, Ringelblume, Klee, Hornveilchen und die scharf schmeckenden Kapuzinerkresseblüten zum Verzieren und Verzehren verwenden. In der Suppe geben sie einen regelrecht bunten und schmackhaften Reigen.

Verwendet werden auch Gänseblumen, und zwar nicht nur die Blüten, sondern auch die Blätter. Weiterhin die Brennnessel, die, wenn man sie richtig pflückt, gar nicht brennt, wie wir gelernt haben. Oder auch der Giersch, der in vielen Gärten ein Dasein als Unkraut fristet, lässt sich gut als Würze verwenden.  In England so sagt man uns, wird er sehr teuer als Bodendecker verkauft. Die Malven wiederum sind etwas milder im Geschmack, die Schafgarbe jedoch kann regelrecht als Pfefferersatz verwendet werden.

Sauerampfer oder Löwenzahn mit ihren Bitterstoffen halten die Verdauung auf Trab und sind gut für den Darm. Dann gibt es noch Leinkraut, Taglichtnelke und die Taubnessel. Die wilde Möhre als Vorgänger unserer Karotte erkennt man an den schwarzen Punkten in der Mitte der Blüte. Ein besonders raffinierter Zeitgenosse. Der Punkt gaukelt vor eine Fliege zu sein, was anderen demonstrieren soll: Ah, hier ist schon einer, da gibt es was Leckeres. Aus den Stielen des Wiesenbärenklau, so erfahren wir, kann man, wenn man sie frittiert auch so genannte grüne Pommes herstellen.

Darauf fallen vor allem Kinder herein und essen sie mit einer wahren Begeisterung. Ebenso wie die berüchtigten Tölzer Mäuse. Sie gehören schon fast zum Lifestyle in Bad Tölz, es gibt sie regelmäßig auf Veranstaltungen frisch vom Stand zu kaufen gibt. Allerlei Kräuter wie Salbei, Spitzwegerich oder Pfefferminze werden durch einen Teig gezogen und mit Fett ausgebacken. Bäckt man sie ohne Teig sind es grüne Chips, mit Teig eben Mäuse und die Stiele stellen den Schwanz dar.

Allerdings gibt es auch hier ein Motto. Was ich nicht kenne, lasse ich stehen. Manche Kräuter können, wenn man sie nicht kennt, fatale Wirkungen entfalten. In den Kräuterkursen mit den Kräuterpädagoginnen lernt man die Kräuter mit allen Sinnen kennen und erkennen.

ReiseTravel Fact: Kräuter richtig verwendet erfreuen das Auge, sind gut für die Gesundheit und erweisen sich als ausgesprochen vielseitig und wohlschmeckend. Wer mehr darüber erfahren will, der gehe einfach zu den Tölzer Kräuterpädagoginnen.

Anreise: Mit dem Auto über die Autobahn A 8 München-Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen, über die Autobahn A 95 München-Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Wolfratshausen. Mit der Bahn über den Hauptbahnhof München. Ab München mit der Bayerischen Oberlandbahn Bahnlinie München-Lenggries nach Bad Tölz. Mit dem Flugzeug über den Münchner Flughafen Franz-Josef-Strauß, dann mit der S1 oder S8 zur Donnersbergerbrücke. Von dort weiter mit der Bayerischen Oberlandbahn.

In Bad Tölz steht alles im Zeichen der Gesundheit, attraktiv und abwechslungsreich präsentiert. Umweht von der Tölzer Luft gedeihen auch Pflanzen besonders gut. Während eines  Kräuter-Rendezvous in Bad Tölz teilen die Kräuterpädagoginnen ihr Wissen mit den Gästen.

Die Gundermann-Naturerlebnisschule bietet qualifizierte Lehrgänge für Kräuterpädagogen www.gundermannnaturerlebnisschule.de, eine Ausbildung zum Natur-Coach die Kräuterakademie www.kräuter-akademie.com, Termine für ein Küchen-Rendezvous findet man unter www.kuechenrendezvous.de. Eselwanderungen können gebucht werden unter www.pferdehof-rothmuehle.de. Kräutergerichte gibt es auch im Wildkräuter-Bistro www.bareso.eu

Amt für Stadtmarketing, Tourismus- und Wirtschaftsförderung Bad Tölz, Max-Höfler-Platz 1, 83646 Bad Tölz, www.bad-toelz.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Sabine Erl  

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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