Groenlo

In Holland wird Wein angebaut, abgefüllt, verkauft und degustiert

Wein zählt zu den ältesten Getränken der Menschen: Sowohl die Kunst der Weinbereitung als auch die Kultur des Weingenusses ist über Jahrtausende hinweg bis heute immer fortentwickelt worden. Ob im Restaurant oder zur privaten Feier, ganz allein oder in einer Gesellschaft: oft wird eine Flasche des edlen Getränkes geöffnet.

Frei nach: „Alter Wein und junge Liebe“ trägt ein edler Tropfen zur Erhöhung der persönlichen Lebensqualität bei. Ob „Weißer“ oder „Roter“, immer kommt es auf den persönlichen Geschmack an. Beliebt sind Weine aus Deutschland, so eine Riesling oder ein Zweigelt aus Österreich, natürlich ein guter Bordeaux aus Frankreich findet seine Anhänger. Andere favorisieren Kalifornien, einen Eiswein vom Niagara, solchen aus Südafrika oder aus den zahlreichen anderen Anbaugebieten, weltweit. Doch immer kommt es auf das richtige Glas an. In vino veritas!  Ein leben wie Gott in Frankreich.

Nun wird es Zeit eine Frage zu stellen:

Gibt es Wein „Made in Holland“?

Natürlich ein eindeutiges Ja!

In den vergangenen Jahren sind in den Niederlanden zahlreiche "Weinfelder" entstanden, in denen die Trauben für edle Tropfen reifen. Möglich geworden ist der Anbau in diesen nördlichen Gefilden durch die Züchtung neuer und widerstandsfähiger Traubensorten. Bearbeitet werden die Weinberge in Form von Feldern komplett per Hand. Die Landwirte wollen schließlich Qualitätsweine kredenzen, keine Massenprodukte. So begann vor gut zehn Jahren der Vormarsch der holländischen Weinkultur. Hier hatten sich damals 20 Landwirte zusammengeschlossen und bewirtschafteten insgesamt 20 Hektar. Heute gibt es in den Niederlanden fast 90 Winzerbetriebe, die meisten liegen in den Provinzen Gelderland und Limburg.

Keine Hügel in Holland? Aber Wein aus dem Achterhoek!

Ein noch recht unbekanntes Weingut liegt an der Hamalandroute: Schepershof.

„Das Wetter war 2005 ausgesprochen günstig, sodass wir ab März 2006 die ersten Flaschen mit Rot- und Weißwein abfüllen konnten“, informiert Sylvia Sonderen. Für die Herstellung des Weins wurde übrigens ein deutscher Weinexperte engagiert. „Inzwischen Händeln wir das ganz allein“, betont die Winzerin. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie das Weingut. Kooperiert wird weiteren Winzern der Gegend Achterhoek.

Aus der Angebotspalette

„Rozen“, „Moestin“, „Boomgard“, „Brocante“ - Wein aus Holland!

Im Achterhoek haben elf Weinbauern eine Winzergenossenschaft gegründet. Mehrere Betriebe davon sind auch zu besichtigen, so Schepershof, verbunden mit einer Führung und Weinprobe.

Gleich hinter dem „Weinberg“ beginnt das „übrige“ Holland: Äcker und Wiesen, Baumreihen und kleine Wäldchen, breite Fahrradwege und reetgedeckte Häuser. Im Gelderland rund um Groenlo, direkt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen erstreckt sich der Achterhoek.

Die Region Achterhoek heißt übersetzt der „hinterste Winkel“ und die wurde ganz offiziell mit dem Titel „Beste Fahrradregion der Niederlande“ ausgezeichnet und hier wird „Achterhoeker Wein“ angebaut.

Auch ohne des Holländischen mächtig zu sein, kann man „Wijngaard“ sehr gut mit „Weingarten“ übersetzen. Ganz individuell oder in einer Gruppe, viele, fast alle, halten hier an. Weinkultur wird sowohl auf öffentlichen Festveranstaltungen als auch in privaten Veranstaltungen gepflegt und dies ist auch der Zweck von Zusammenschlüssen unter vielen Weingenießern.

Zu den favorisierten Trauben der Winzerin gehören die deutschen Züchtungen Johanniter und Regent, diese kommen auch weitgehend ohne Pflanzenschutzmittel aus.

Sylvia Sonderen

Wein aus Holland? Ein Scherz! Mitnichten.

„Unser Weingarten bedarf einer Reihe von Pflegemaßnahmen wie Rebschnitt, Laubarbeiten, Traubenausdünnung, Bodenpflege und einer dem Boden angepassten organischen und mineralischen Düngung. Zum Schutz gegen Krankheits- und Schädlingsbefall sind gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig. Das ist quasi genauso wie in allen anderen Weinanbaugebieten der Welt“, betont die Winzerin und Weinbauerin vom Schepershof.

Ein edler Tropfen Wein, in Achterhoek wird er angeboten. Ein Ausflug über die deutsch-niederländische Grenze führt zum Ziel. Neben Führungen und Weinproben werden häufig weitere kulturelle Programme offeriert. Auch in den Trinksitten oder Sprüchen muss man sich nicht unbedingt umgewöhnen: Denn auch in Holland sagt man „Proost“. 

Schepershof – Weingarten Frans und Sylvia Sonderen, Slatmansweg 6 A, NL-7141 LD Groenlo, info@schepershof.nlwww.schepershof.nl  - www.achterhoek.nl

Grenzüberschreitendes Büro für Tourismus EUREGIO / Stichting ECC, Enschederstraße 362, D-48599 Gronau, www.hamalandroute.de - www.grenzerlebnisse.de

ReiseTravel Fact: Wein aus Holland? Ein Scherz! Mitnichten. Reisen bildet, sagte bereits Geheimrat von Goethe, auch bei einer Tour zum Nachbarn in Holland, erfährt man Wissenswertes.

Anreise: Mit der Bahn bis Bad Bentheim, Hengelo oder Enschede. Von hier weiter mit dem Bus. Mehrere Hotels bieten Transfer ab Bahnhof nach vorheriger Anmeldung. Mit dem Auto ist die Anreise unkompliziert. Das Rad bringt man einfach mit oder es kann vor Ort ausgeliehen werden. 

Hamalandroute: Die Hamalandroute mit Genuss ist ein guter Rundkurs. Besucht werden sollte Stadtlohn – lohnt immer, ebenso Vreden. Das Hamaland Museum bietet Angebote für Gruppen und Schulklassen. Deutsche Autos mit dem Kennzeichen BOR kommen aus Borken. In Gescher läuten die Glocken und im Achterhoek gibt es Wein aus den Niederlanden? Ja: das andere (unbekannte) Holland!  

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt zur Einstimmung auf die Weinreise:

Es gibt eigentlich nur einen triftigen Grund, Wein zu lagern, nämlich ihn dann trinken zu können, wenn er am besten schmeckt!

Wer seinen eigenen Weinkeller anlegen möchte, findet in diesem Buch alle wichtigen Informationen zum Thema Weinlagerung. Neben dem Basiswissen über die Lagerfähigkeit des Weins erfährt der interessierte Weinliebhaber auch Wissenswertes über die richtige Lagerung, die verschiedenen Flaschenformate und deren Stapelmöglichkeiten. Bei den Stapelregalen bieten sich diverse Materialien wie Ziegelsteine, Holz, Metall, Beton, Kunststoff und sogar Karton an. Die Autoren führen eine Vielzahl an Varianten auf, handelsübliche und solche, die selbst gebaut werden können. Es wird auch erläutert, wo sich ein Weinkeller sinnvollerweise befinden sollte. Schlussendlich gibt es einen triftigen Grund, Wein zu lagern, nämlich ihn dann trinken zu können, wenn er am besten schmeckt!

Ein altes Sprichwort lautet: „Der Keller macht den Wein!“ und facettenreiche Details werden genau beschrieben: Wenn Sie mit Ihrem Weineinkauf nach Hause kommen, sollten Sie den Wein im Keller unbedingt einige Tage ruhig liegen lassen, bevor Sie ihn konsumieren. In einem Anhang werden die Qualitätsnormen in Österreich, Deutschland und der Schweiz beschrieben. Wein lagern und warum? Sammelstrategien: Das Altern von Wein / Geeignete alterungsfähige Weine / Faktoren der Lagerfähigkeit. Die richtige Lagerung: Temperatur, Licht, Luftfeuchtigkeit / Erschütterungen, Neigungswinkel / Kork- und andere Verschlüsse

Kriterien für ein gutes Kellerklima. Orte und Möglichkeiten der Weinlagerung. Informativ und aufschlussreich beschrieben, auch für solche Menschen, die einer Stadt wohnen. 

Die Autoren: Dipl.-Ing. Dagmar Kreutzer ist als Beraterin für Kellerbau und -einrichtung tätig und hat selbst Weinstapelsysteme entworfen sowie Ing. Martin Palz, Weinbauberater einer Landwirtschaftskammer, haben eine solide Arbeit abgeliefert.

ReiseTravel Fact: Beim nächsten Holland-Trip das Weingut Schepershof besuchen und von dort die ersten Flaschen mitbringen. Step by step füllt sich dann „Ihr eigener Weinkeller“. Wenn das keine Idee ist!

Mein eigener Weinkeller von Dagmar Kreutzer und Martin Palz, Leopold Stocker Verlag Graz 2008, ISBN 978-3-7020-1175-8, 164 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen und Zeichnungen, 16,5 x 22 cm, www.stocker-verlag.com

Das Buch kostet im Buchhandel 19,90 Euro.  

Von Gerald H. Ueberscher

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