Potsdam

Kleinstes Weinland in Deutschland

 

Debatten um Öchsle und Weinstein wirken in Brandenburg fast so exotisch wie Diskussionen über Kokosnüsse und Bananen. Dennoch beherbergte das Landesagrarministerium für drei Tage Deutschlands Weinkundeelite in seinen Mauern. Es trafen sich hier die deutschen Weinsachverständigen zu ihrer Jahrestagung. Gleichzeitig feiert die Arbeitsgemeinschaft staatlicher Weinsachverständiger e.V. ihr 75jähriges Bestehen. Die Teilnehmer kamen aus allen Bundesländern. Darüber hinaus nahmen Experten aus Österreich, Ungarn, Rumänien, Finnland, der Schweiz teil. „Obwohl Brandenburg nicht gerade als Weinanbauland gilt, gibt es auch hier eine alte Tradition, die bis heute Nachfolger gefunden hat. Heute ist Brandenburgs Weinbau klein - aber fein", betonte der Minister.

Mit einer Rebfläche von 7,2 Hektar ist Brandenburg das kleinste unter den weinbautreibenden Ländern Deutschlands. Hier gedeihen Trauben am Südhang des Wachtelbergs in Werder/Havel in Potsdam-Mittelmark und am Langen Berg in Schlieben, Elbe-Elster. Auch in Densow und in Sperenberg haben Liebhaber einen Abhang mit Weinstöcken bepflanzt. Zur Landesgartenschau in Luckau wurde ein kleiner Weinberg als Schaugarten angelegt.
Die Einführung des Weinbaus wird in Brandenburg häufig mit Klöstern, insbesondere denen der Zisterzienser, in Verbindung gebracht. Gartenbauhistoriker gehen jedoch auch davon aus, dass aus Franken, dem Rheinland sowie aus Mitteldeutschland gekommene Kolonisten im Hochmittelalter den Weinbau mitgebracht haben. So wurde 1280 den Bürgern der Stadt Guben die Anlage von Wein- und Hopfengärten erlaubt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Gubener Wein bis nach Stockholm oder Pernau in Livland verschifft.
Zudem haben Mönche und Nonnen ihre Weinberge kaum selbst bewirtschaftet, sondern dies vielmehr ihren Laienbrüdern und dienstpflichtigen Bauern überlassen. In den folgenden Jahrhunderten sind für alle Landschaften Brandenburgs und damit Berlins Weinberge beziehungsweise Weingärten belegt. Nicht selten weisen Orts-, Weg- und Flurnamen darauf hin.
1604 erließ Kurfürst Johann Georg eine erste Weinmeisterordnung. Der Höhepunkt des brandenburgischen Weinbaus war im 18. Jahrhunderts erreicht. So verfügte die Kurmark 1781 über stattliche 600 Hektar Weinland. Harte Winter, aber vor allem der Ausbau des europäischen Eisenbahnnetzes, über das bessere Weine aus Süd- und Mitteleuropa preiswert herangeschafft werden konnten, besiegelten das Ende des Weinlandes Brandenburg.
Im 20. Jahrhundert waren Weinpflanzen hier fast nur noch als Zierpflanzen in Hausgärten präsent - bis 1985: In jenem Jahr haben traditionsbewusste Werderaner damit begonnen, auf einem verwilderten Teil des Wachtelbergs knapp 5 Hektar zu bepflanzen.
Auf dem Werderaner Weinberg, mit inzwischen 6,2 Hektar immer noch die umfangreichste Rebfläche im Land, keltert der Obstbauberater Dr. Manfred Lindicke die weißen Rebsorten Müller-Thurgau und Saphira sowie die roten Sorten Regent und Dornfelder unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Die hier gelesenen Trauben werden im 250 Kilometer entfernten Bad Kosen, im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, zu Qualitätswein verarbeitet.
In Schlieben erfolgt die Pflege der Weinreben der Sorten Müller-Thurgau und Bacchus durch die Mitglieder des dortigen „Vereins zur Förderung des historischen Weinbaus e. V." in ihrer Freizeit. Die Qualitätsweinherstellung wird in der Meißener Winzergenossenschaft durchgeführt.
Die Traubenerzeuger in Brandenburg sind insbesondere darum bemüht, Vollreife Keltertrauben an die Kellermeister zu liefern. Die Mostgewichte der Weinlesen in Brandenburg schwanken klimabedingt zwischen 60 und 85 Grad Öchsle. Die Traubenerntemenge reicht in guten Lesejahren für die Abfüllung von 35.000 Flaschen Weiß- und Rotwein.
Die Bemühungen wurden mit Auszeichnungen für Werder-Wein bei Landesweinprämierungen in Sachsen-Anhalt belohnt. Die Weißweine des aktuellen Jahrgangs QbA Müller-Thurgau trocken und Saphira trocken erhielten Bronzepreise, der Weißwein QbA Müller-Thurgau halbtrocken bekam Silber.
Getrunken werden die Brandenburger Weine vorrangig dort, wo sie gewachsen sind. Der Weinbau trägt zur touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. An jedem Wochenende können Besucher den Wein und die angelegten Weinlehrpfade in herrlicher Umgebung genießen. Im Rahmen der Weinüberwachung wurden in Brandenburg 228 Proben untersucht, davon wurden 20 Proben beanstandet. Die Beanstandungen betrafen zu 50 Prozent Mängel in der Kennzeichnung und zu 3 Prozent mikrobiologische Verunreinigungen.

www.brandenburg.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Silvia Hoekendorf.

 

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Es gibt eigentlich nur einen triftigen Grund, Wein zu lagern, nämlich ihn dann trinken zu können, wenn er am besten schmeckt!

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