Celle

Smarte Lifestyle Reise zum Kaffee aus Celle

Kaffee wird weltweit in 50 Ländern angebaut: Besonders gern wird das Wort „Bohnenkaffee“ in Celle ausgesprochen. Mitten im Zentrum in der Strasse Großer Plan 7 wird besonders fein geröstet. Die dortige Firma Friedrich Huth wurde bereits im Jahre 1851 als „Colonial – und Materialwaarengeschäft“ gegründet.

„Kaffeebohnen werden aus Steinfrüchten gewonnen. Die beiden wichtigsten Arten sind „Coffea arabica“ – Arabischer Kaffee und „Coffea canephora – Robusta Kaffee“

Jede Menge Kaffee im Angebot

Die Firma Friedrich Huth war von Beginn an auf dem Grundstück Großer Plan - heute Nr. 7 - in Celle ansässig. Das älteste, sich noch auf dem Grundstück befindliche Gebäude stammt aus dem Jahre 1671 und liegt im Innenhof. Ein kleiner Backsteingewölbekellerteil weist aber darauf hin, dass auf dem Platz des heutigen Haupthauses früher einmal ein anderes älteres Gebäude gestanden haben dürfte.

Friedrich Huth hatte sich schon früh mit dem Handel ausländischer Spezialitäten beschäftigt. So verkaufte er bereits in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts Tee, Gewürze, Kakao und natürlich auch Kaffee, damals noch ausschließlich Rohkaffee. Innerhalb weniger Jahre erreichte es Friedrich Huth, in die Liste der Lieferanten des königlichen hannoverschen Hofes aufgenommen zu werden. Das brachte die Berechtigung zur Führung des königlichen Wappens mit sich, das Friedrich Huth stolz als Wappenschild über dem Eingang seines Geschäftes platzierte.

Im Jahre 1896 übernahm in Nachfolge Hermann Bock die Firma, der zuvor hier auch gelernt hatte. In diese Zeit fällt der erste und auch gravierendste Umbau, bei dem sowohl das Geschäft als auch die Außenfassade zum Großen Plan hin verändert wurden. Wesentliche Teile des Geschäfts befinden sich auch heute noch in dem Zustand, wie sie 1896 hergerichtet wurden. Insbesondere die Holztresen und auch die Holzregale aber auch der Fußboden dürften aus dieser Zeit stammen.

Anekdote: Im Jahre 1896 – lange Zeit nach Untergang des Königreichs Hannover – entging der Firmeninhaber der drohenden polizeilichen Verfügung auf Entfernung des königlichen Wappen dadurch, dass er über Nacht das Wappenschild verändern ließ. Ein Malermeister übermalte die in der Mitte des königlichen Wappens vorhandenen Löwen mit einem Schafsbock. In die Wappenfahne hatte der Firmeninhaber das Motto „immer schüren, nimmer schlüren“ einmalen lassen. Die Verfremdung des Wappens wurde von den Behörden akzeptiert und es konnte in der geänderten Form an seinem Platz verbleiben. Es ziert noch heute den Eingang unseres Geschäfts.

„Wichtig ist der Röst oder Mahlgrad, dieser variiert und ist oft ein internes Geheimnis des verantwortlichen Rösters“

Haus-Führung zum Thema Kaffee: „Spätestens seit 1898 wird in unserer Firma Kaffee zum Wiederverkauf geröstet“.

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach geröstetem Kaffee erfolgte im Jahre 1911/1912 ein weiterer Umbau, bei dem das Geschäft nach hinten hin vergrößert wurde, ein Kontor angebaut wurde und eine Kaffeerösterei im hinteren Bereich des Grundstücks an ein altes Lagerhaus angebaut wurde.

Die Kaffeerösterei befindet sich im Wesentlichen in dem Zustand, wie sie 1911/1912 errichtet wurde. Insbesondere der Fußboden, aber auch die Jugendstilwandkacheln sind noch im originalen Zustand erhalten. Das Dach der Rösterei wurde 2004 erneuert. Die alte Dezimalwaage wird heute noch geeicht und benutzt und der Kaffeeröster stammt aus dem Jahre 1964.

„1913 warb die Firma Huth damit, auf eine tägliche Röstleistung von ca. 5.000 Pfund Kaffee eingerichtet zu sein. Auf den Kaffeetüten wurde erneut der „Schafsbock“ verwendet, der auch noch heute die Kaffeetüten ziert“

„In den Jahren der Kriege und kurze Zeit danach gab es teilweise erhebliche Engpässe bei der Beschaffung von Rohkaffee – zeitweise konnte hierzulande überhaupt kein Rohkaffee mehr gekauft werden. Zu dieser Zeit wurde „Vollkorn“ in unserer Rösterei geröstet, worauf noch alte Verpackungen hinweisen“.

Hermann Bock übergab sein Geschäft im Jahre 1937 an seinen Sohn Arthur Bock. Bereits seit Ende der dreißiger Jahre war Wilhelm Schwanitz in der Firma tätig, der 1948 als Partner von Arthur Bock in den Betrieb einstieg. Kleine Veränderungen im Ladeneingangsbereich fanden in den Jahren 1945 und 1957 statt. Insbesondere die Lichtwerbung über dem Ladeneingang dürfte aus dieser Zeit stammen. 1964 übernahm Wilhelm Schwanitz die Firma in Nachfolge, als nunmehr alleiniger Inhaber. Wilhelm Schwanitz lebte mit seiner Frau Lisa, der einzigen Tochter des Ehepaares Dunker, die eine Seilerei in der Bergstraße in Celle betrieben, welche heute noch von der Familie Dollenberg geführt wird, im Haupthaus über dem Geschäft. Frau Lisa Schwanitz verstarb im Jahre 1996. Herr Wilhelm Schwanitz führte das Geschäft bis zu seinem Tod im Oktober 2002. Bis wenige Tage vor seinem Tod röstete er – 85 jährig - noch den Kaffee des Hauses und bediente die Kunden im Geschäft. Vor allem Wilhelm Schwanitz ist es zu verdanken, dass das Geschäft in vertrauter Form erhalten blieb. Ohne sich notwendigen Modernisierungen zu verschließen, hat er aus Überzeugung und aus Liebe zu dem alten traditionsreichen Ladenlokal letztlich allen Umbautendenzen widerstanden und auch die Kaffeerösterei trotz der Konkurrenz durch die Großröster fortgeführt. Das Geschäft, wie es in der heutigen Form besteht, dürfte in seiner Art einmalig sein.

In Fortführung der langjährigen Tradition wird der Betrieb nun von dem Sohn der Eheleute Schwanitz, Dr. Joachim Schwanitz, geleitet.

Fachwerkstadt Celle

Kaffee ist weiterhin ein Schwerpunkt der Firma Huth. Auch noch heute wird täglich der Kaffee geröstet. „Wir führen derzeit vierzehn verschiedene hausgeröstete Kaffeesorten und drei Espressosorten. Aus Überzeugung handeln wir weiterhin nur mit besonders hochwertigen Kaffees. Wir beliefern auch Großverbraucher z. B. aus der Gastronomie und Wiederverkäufer mit unserem Kaffee“.

Kaffee wird mindestens seit Anfang des 15. Jahrhunderts angebaut und ist wegen seines Geschmacks und wegen seiner belebenden Wirkung infolge des Coffeins sehr beliebt. Vor dem zweiten Weltkrieg gab es noch ca. 5.000 deutsche Kaffeeröster, 1950 waren es nur noch 2.000 und schon im Jahre 1960 war die Zahl auf 600 zurückgegangen. In den Folgejahren nahm die Zahl der Röster immer weiter ab, das Hauptkaffeegeschäft wurde von den Großröstern übernommen, die allerdings Gourmetkaffees, wie in Celle geröstet, in aller Regel nicht im Programm haben. Derzeit liegt die Zahl der Kaffeeröster in Deutschland bei ca. 200, dabei hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland der Trend wieder hin zu den hochwertigen Qualitätsröstungen der kleinen Röster belebt. Die kleine Zahl der Röster steigt wieder mäßig an.

„Neben Kaffee führen wir über 132 verschiedene Teesorten, Schokoladen und Gebäck, Honig und feine Konfitüren, Weine, Sekt, Champagner und Spirituosen, sowie Gewürze und Delikatessen aus aller Welt, aber auch besondere regionale Spezialitäten. Wir sind ständig bemüht, unser Sortiment durch feine Waren zu ergänzen. Eine fachkundige, freundliche Beratung unserer Kunden durch unsere Mitarbeiter ist für uns selbstverständlich.  Das Versandgeschäft hat in unserem Hause ebenfalls eine langjährige Tradition. Ein moderner Internetshop ist für Sie unter der Web-Adresse www.huthskaffee.de eingerichtet“, betont das Team.

Huth´s Kaffee & Feinkost - Friedrich Huth Nachf. - Großer Plan 7, D-29221 Celle, Fon 05141-60 08, Fax 05141-60 09, http://www.huthskaffee.de
Tourismus und Stadtmarketing Celle GmbH, Markt 14-16, D-29221 Celle, Fon 05141-1212, info@celle-tourismus.dewww.celle-tourismus.de 

Ob Kaffee aus Kolumbien oder Kaffee aus Celle, in der Messestadt Leipzig sagt man dazu „Plempe“ oder „Lorke“. In Dublin ist „Irish Coffee“, ein Markenzeichen der Insel: Zur Zubereitung einer Tasse Kaffee muss nicht Hightech vorhanden sein, eine traditionelle Art der Zubereitung des täglichen Kaffees macht es auch Bitte eine Tasse Kaffee!

Von Gerd Pommerien Fotos Gerald H. Ueberscher

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

Das Kaffeebuch ist die ultimative Ressource für alle Kaffeefreunde - und deren gibt es viele, ob nun Anfänger, Profis oder Freaks. Kaum jemanden lässt das Heißgetränk kalt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst der Pro-Kopf-Verbrauch konti­nuierlich an, und das Interesse an Reinsorten, Zubereitungsarten und besonderen Tricks wie „Latte Art“ steigt. Immer mehr Menschen wollen wissen, wo der Kaffee eigentlich herkommt, wie man die echte Wiener Melange, authentischen Latte Macchiato und Irish Coffee zubereitet oder wie man Milch so aufschäumt, dass sie nicht nur perfekt cremig und standfest wird, sondern auch ihre natürliche Süße zum Vorschein kommt.

Welcher Typ Kaffeemaschine passt zu wem? Wie bereite ich den perfekten Espresso zu? Und wo kommen eigentlich die Kaffeebohnen her? Die Kaffee-Profis Johanna Wechselberger und Tobias Hierl geben kompetente Antworten für Genussmenschen: Anfänger erfahren alles über den perfekten Espresso, köstlich feinporigen Milchschaum  und noch manches mehr. Profis erweitern ihr Wissen, wie man mit der Abstimmung vom Mahlgrad und Temperatur das Beste aus jeder Sorte herausholt. Die Autoren haben dem Kaffee ein ganz besonderes Buch gewidmet, das diese Fragen erstmals ausführlich, verständlich und mit echter Leidenschaft für guten Kaffee beantwortet.

Johanna Wechselberger engagiert sich seit vielen Jahren für bessere Kaffeequalität und die perfekte Extraktion. Ihr Interesse am Kaffee erwachte 1996 mit eigenen Rost-Experimenten und dem Reparieren alter Kaffeemaschinen und führte über den Aufbau einer eigenen Kaffeebar am Wiener Naschmarkt bis zur Mitbegründung der Vienna School of Coffee. Heute ist sie eine von drei Master Baristi weltweit, von der SCAE (Speciality Coffee Association of Europe) autorisierte Barista-Trainerin, Brewmaster, Certifier und zudem Consultant für Gastronomen, die Wert auf höchste Kaffeequalität legen.

Tobias Hierl ist promovierter Philologe und Chefredakteur des Magazins „Buchkultur“. Neben seinem Interesse für Sprachen und Literatur zeigte sich schon früh ein Faible für kulinarische Themen. Bislang veröffentlichte er neben zahlreichen Artikeln diverse Kochbücher und Bücher über Wein, zuletzt einen Weinreiseführer für Südtirol. Mit dem vorliegenden Band wurde sein kulinarisches Spektrum um das Thema Kaffee erweitert. Von Dr. Elisabeth Siegel.

Das Kaffeebuch für Anfänger, Profis und Freaks von Johanna Wechselberger und Tobias Hierl, Braumüller Lesethek, ISBN 978-3-99100-045-7, www.braumueller.at

Das Buch kostet im Buchhandel 24,90 Euro.  

Anreise: Eine Reise nach Celle ist zu jeder Jahreszeit möglich. Facettenreiche Hotels für jeden Geldbeutel und Restaurants aller Couleur warten auf Gäste, ob aus nah oder fern. Mit dem Flugzeug bis Hannover und mit der Bahn bis zum Hauptbahnhof Celle, dieser liegt fast im Zentrum. Auch mit dem eigenen Auto ist die Anreise machbar. Allerdings sind im Zentrum die Parkplätze rar. Den Wagen auf dem Hotel-Parkplatz stehen lassen und Celle per Pedes, in der Kutsche, per Rad oder im Boot erkunden.

Celle bedeutet Vielfalt: Reisen und Speisen wird in der Welfen Fachwerk Stadt zum nachhaltigen Erlebnis. Die kulinarische Residenzstadt bietet facettenreich Offerten. Ebenfalls kann man sich sportlich betätigen, Radeln und Paddeln auf der Aller und rum die Stadt. Als ein Mitbringsel sind Orchideen begehrt und natürlich gehört auch der Besuch im Kaffee Huth zum Besuch der Residenzstadt.  

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