Leipzig

Reise zum Lifestyle Event Die Entdeckung des Kaffees

Nach einer 1671 von Antonius Faustus Naironus in seinem Buch: De saluberrima potione cahve aufgeschriebenen Legende fiel einst Hirten aus der äthiopischen Region Kaffa auf, dass ein Teil der Ziegenherde, der von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen hatte, bis in die Nacht hinein munter umhersprang, während die anderen Tiere müde waren. Als ein abessinischer Hirte selbst die Früchte des Strauchs probierte, stellte er auch bei sich eine belebende Wirkung fest. Aufgrund der Annahme, dass die Region Kaffa die Heimat des Kaffeebaums sei, vermutet man, dass der Sud aus der Pflanze den Namen „Kaffee“ bekam.

Einer anderen Deutung zufolge kommt das Wort vom altarabischen „qahwah“, das Wein bedeutet. Den Muslimen war der Weingenuss verboten und als der anregende Kaffee den Wein ersetzte, wurde er zum „Wein des Islams“. Im 15. Jh. wurde erstmals in Arabien Kaffee getrunken. Viele Reisende besuchten die Pilgerstätten Mekka und Medina und brachten den Kaffee von dort aus nach ganz Arabien. Durch zahlreiche Eroberungen, u. a. von Kaffee-Anbaugebieten, verbreiteten die Osmanen den Trank in alle Teile ihres Herrschaftsgebietes bis hin ins südöstliche Europa. Deshalb wird der Kaffee oftmals als „Türkentrunk“ bezeichnet.

In Europa wurde Kaffee erst in der zweiten Hälfte des 17. Jh. einem breiteren Personenkreis bekannt. Das erste Kaffeehaus wurde 1645 in Venedig eröffnet. Es waren Niederländer, die ihn importierten und auch nach Bremen brachten. Dort entstand 1673 das erste Kaffeehaus in Deutschland. Bald begann in Europa ein schwunghafter Handel. In großen Hafenstädten wie Venedig, London und Hamburg wurde der Kaffee zu einem begehrten Getränk der weltgewandten Reichen. Im Kaffeehaus trafen sich Literaten und Künstler. Nach und nach, als der schwarze Trank für alle Schichten erschwinglich wurde, wurden die Kaffeehäuser Orte der politischen und wirtschaftlichen Diskussion. Bald darauf wurde der Kaffeehandel mit Einfuhrzöllen und Steuern belegt.

Der Kaffee kommt nach Leipzig: Während anderswo Kanonenkugeln gegossen wurden, errang Leipzig in der ersten Hälfte des 18. Jh. Ruhm als größter Produktionsort von Kaffeemühlen. Nachdem 1693 die erste Ladung Kaffeebohnen in Leipzig eingetroffen war, eröffneten immer neue Kaffeehäuser. Folgerichtig befindet sich das neben dem Pariser „Café Procope“ älteste Kaffeehaus Europas in Leipzig. Adam Heinrich Schütze eröffnete 1694 den Vorgänger des „Coffe Baum“ und schenkte erstmals Kaffee aus. Im Verlauf der folgenden drei Jahrhunderte trafen sich im „Coffe Baum“ viele Geistesgrößen der Stadt und genossen das populäre Getränk. Der Maler Max Klinger ging hier ebenso ein und aus wie der Dichter E.T.A. Hoffmann oder der Komponist Richard Wagner. Auch Goethe, Lessing, Bach und Grieg waren häufig zu Gast. Im Parterre gelegenen Schumann-Zimmer traf sich Robert Schumann zwischen 1828 und 1844 mit seinen Freunden zum Stammtisch.

Wie trinkt man nun in Leipzig den Kaffee?

„Sieße muss d‘r Coffe sein“, sagt ein Sprichwort. Abfällig sprechen die verwöhnten „Kaffeesachsen“ von „Plempe“ oder „Lorke“, wenn der koffeinhaltige Aufguss zu dünn geraten ist. Da in schlechten Zeiten auch Genießer aus wohlhabenden Kreisen die Kaffeebohnen zählen mussten, schenkten sie ihren Gästen so genannten „Schwerter-Kaffee“ ein. Die Konzentration des Kaffees war so schwach, dass die blauen Schwerter, die sich am Boden des Meißener Porzellans befanden, durchschimmerten. Seit 1729 sagt man auch „Blümchenkaffee“, wenn das Getränk so klar ist, das man die Blume am Grund der Porzellantasse sehen kann. So berichtet eine Anekdote aus dem 18. Jh. dass ein sparsamer Gastgeber für fünfzehn „Schälchen Heeßen“ vierzehn Bohnen röstete und mahlte.

Als Faustregel für den Kaffeegenuss der Leipziger könnte der Spruch des Kardinals Talleyrand gelten, der in die Geschichts-Annalen einging:

„Der Kaffee muss sein

Schwarz wie der Teufel

Heiß wie die Hölle

Rein wie ein Engel

Süß wie die Liebe.“ 

Kaffeemuseum in Leipzig: In der dritten Etage des „Coffe Baums“ befindet sich eines der weltweit bedeutendsten Kaffeemuseen. Über 500 ausgewählte Exponate aus 300 Jahren sächsischer Kaffee- und Kulturgeschichten werden in 15 Räumen präsentiert. Die Ausstellungsstücke – von orientalischer Küche bis hin zur Meißner „Blümchenkaffee“-Schale – vermitteln ein eindrucksvolles Bild dieses einzigartigen Getränks. Das Museum ist täglich 11–17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. www.coffe-baum.de  

Ey, wie schmeckt der Coffee süße...: Wer die amüsante Geschichte des Kaffees in Leipzig nachvollziehen möchte, kann sich zusammen mit den Gästeführern auf den 2,5-stündigen Stadtrundgang begeben. Die beliebte Leipziger Kaffee- und Café-Tour wurde von Christa Schwarz entwickelt. Neben einem typischen Kaffeeklatsch wird auch ein Besuch des Kaffeemuseums geboten.

Tel.: +49 (0)341 7104-230 - www.leipzig-erleben.com www.leipzig.dewww.ltm-leipzig.de  

Ob Kaffee aus Kolumbien oder Kaffee aus Celle, in der Messestadt Leipzig sagt man dazu „Plempe“ oder „Lorke“. In Dublin ist „Irish Coffee“, ein Markenzeichen der Insel: Zur Zubereitung einer Tasse Kaffee muss nicht Hightech vorhanden sein, eine traditionelle Art der Zubereitung des täglichen Kaffees macht es auch Bitte eine Tasse Kaffee!

Ein Beitrag für ReiseTravel von Andreas Schmidt.

 

Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt

Kaffee. Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker

 

Es gibt Menschen, die können sich den Start in den Tag ohne eine Tasse Kaffee gar nicht vorstellen, andere pflegen das Getränk als Betthupferl zu sich zu nehmen.

Zwischen Aufstehen und Zubettgehen frönt man weltweit dem heißen Aufguss aus gemahlenen und gerösteten Samen: wegen seines besonderen Aromas, seiner anregenden Wirkung oder schlicht aus Gründen der Geselligkeit. In Deutschland ist Kaffee das mit Abstand beliebteste Genussgetränk. Drei Jahrhunderte Kaffeekultur werden im Buch abgehandelt: „Coffee, Coffee muss ich haben, und wenn jemand mich laben will, ach so schenkt mir Coffee ein!“ So hieß es, als der Siegeszug des Kaffees in Deutschland bereits in vollem Gange war, in Johann Sebastian Bachs „Kaffeekantate“. Zeitweilig verhängte Friedrich der Große in Preußen sogar ein Kaffeeverbot. Die Inspektoren, die in dieser Zeit das heimliche Rösten von echten Bohnen verhindern sollten, wurden verächtlich „Kaffeeschnüffler“ genannt. Das Buch vermittelt ein umfassendes Bild der Kulturgeschichte des Kaffees. Ein interessantes Lesebuch, nicht nur für Kaffeetrinker.   

Kaffee. Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker. Be-bra Verlag Berlin, ISBN 3-930863-91-X. www.bebraverlag.de   

Das Buch kostet im Buchhandel 14,90 Euro.

 

 

 

 

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