Görlitz

Der Gast schaut aus dem Doppelbett seines Zimmers direkt auf den See. Das Geländer des Balkons scheint die Reeling eines großen Schiffes zu sein.

Familiengeführtes Hotel in der Oberlausitz: Der Gast sieht kein Meer, sondern den Berzdorfer See und er hat nicht auf einem Kreuzfahrtschiff gebucht, sondern in dem Hotel „Insel der Sinne“ in der Oberlausitz.

Insel der Sinne Oberlausitz by ReiseTravel.eu

In der unteren Etage hat der Hotelgast aus seinem Zimmer sogar den direkten Zugang zum Wasser. „So wollte ich das immer haben“, bekennt Ina Lachmann. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Henry Hedrich haben sie beide ihren großen Traum Wirklichkeit werden lassen. Sie bauten ein Hotel aus Holz und Glas auf der Halbinsel des Berzdorfer Sees und nannten es „Insel der Sinne“.

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Das Hotel steht am Ufer eines gefluteten riesigen Braunkohlen-Tagebauloches, das über viele Jahre erfolgreich renaturiert wurde. Entstanden ist ein See mit einer Wassertiefe bis zu 72 Metern und einer Fläche von 960 Hektar. Das saubere klare Wasser des Sees sorgte dafür, dass sich viele Arten von Fischen und Wasservögeln ansiedelten. Und es steht ganz nah am Wasser des Sees. Gerade diese Lage ist maßgeblich für die Attraktivität. Wo gibt es schon so etwas, dass der Hotelgast aus seinem Zimmer über eine Treppe in wenigen Metern mit den Füßen im See steht. Von den 46 Zimmer schauen 40 zur Seeseite. Die Standard-Doppelzimmer bieten mit der Größe von 40 Quadratmetern viel Raum zum Entspannen. Überall in der Hotelanlage ist die Anlehnung an den nordischen Stil und eine offene Bauweise zu erkennen. Die meisten Räume wie Bibliotheks- und Kaminzimmer und der hoteleigene Spa-Bereich sind den Hotelgästen vorbehalten. Nicht so das hoteleigene Restaurant mit weitläufiger Terrasse direkt über dem Wasser. Segler können ihr Boot am Steg festmachen und vom Wasser aus ins Restaurant kommen.

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Eine große Trumpfkarte für das neue Hotel im Naturparadies ist zugleich die Nähe zu Görlitz, für viele die schönste Stadt in Deutschland. In nur wenigen Autominuten vom Hotel entfernt, kann der Besucher einen Spaziergang durch ein städtebauliches Gesamtkunstwerk unternehmen. Die günstige Lage an den Handelswegen im Mittelalter und der Aufschwung mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bescherten Görlitz heute eine prachtvolle Innenstadt. Etwa 4.000 denkmalgeschützte Häuser kann die Stadt aufweisen. Die Baustile von Renaissance, Barock und Gotik sind hier auf engstem Raum versammelt. Faszinierend die gesammelten Schätze im Schlesischen Museum und die Bibliothek im Barockhaus.

Die Existenz dieser imponierenden Stadtkulisse hat sich bereits vor langer Zeit auch bei der Filmindustrie bis nach Hollywood herumgesprochen. Görlitz bekam den Ritterschlag als Drehort hochrangiger internationaler Spielfilme. Da verwandelte sich das alte Kaufhaus, das seit der Herti-Pleite leer steht, kurzerhand in das „Grand Budapest Hotel“. Görlitz war das Paris des 18. Jahrhunderts in „In 80 Tagen um die Welt“ mit Jackie Chan, das Heidelberg der 1950er Jahre in „Der Vorleser“, diente als Filmkulisse in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ (mit seinem absichtlich falsch geschriebenen englischen Titel).

Insel der Sinne Oberlausitz by ReiseTravel.eu

Ganz oben auf der Liste der Ausflugsziele, nur wenige Kilometer vom Hotel „Insel der Sinne“ entfernt, steht der Schaufelradbagger SRs 1200. Als im Jahr 1997 der Braunkohlentagebau eingestellt und das Kraftwerk vom Netz genommen wurde, erhielt der 40 Jahre alte 35,5 Meter hohe Stahlkoloss eine neue Aufgabe. Der Verein bergbaulicher Zeitzeugen organisiert im Zeitraum von April bis Oktober sachkundige Führungen. Vom höchsten Punkt des Baggers kann man bei guter Sicht bis zum Riesengebirge mit Schneekoppe schauen.

Der Besuch dieses Stahlkolosses hat für den Hotelgast „Insel der Sinne“ schon einen gewissen Reiz. Denn dieser Bagger, der hier die Kohleflöze und den Abraum aus der Erde holte, schuf erst die Voraussetzung für den heutigen Berzdorfer See. Um den See entstand ein 16 km langer, größtenteils asphaltierter Rundweg, der vorbei an Badestellen, Spielplätzen und durch ein Naturschutzgebiet führt. Am Seeufer wurde ein kleiner Hafen gebaut und das Feriengebiet Blaue Lagune mit Sandstränden eröffnet. Ohne das Tagebauloch und die umfangreiche Renaturierung gäbe es auch das neue Hotel „Insel der Sinne“ nicht. Noch vor 25 Jahren brachen die Schaufelrad-Riesen mit Kraft und Lärm in die Erde. Und heute verkünden die Hoteliers für ihr Hotel die „Leichtigkeit des Sein“. Sie haben einen Ort zum Wohlfühlen geschaffen. Ina Lachmann: „Die Hotelgäste sollen kommen und loslassen können.“ Ganz ohne Zweifel werden das künftig viele tun wollen. Www.inseldersinne.de

Ein Beitrag für ReiseTravel mit Fotos von Ronald Keusch.

Ronald Keusch by ReiseTravel.euUnser Autor ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Tourismus, er lebt und arbeitet in Berlin. 
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